Espelkamp/Lübbecke. Vergangenen Freitag eröffnete das Amtsgericht Bielefeld das Insolvenzverfahren über den Espelkamper Möbelteilehersteller Böschemeyer (die NW berichtete gestern). Geschäftsführer Friedrich Schneider hat noch mit weiteren Insolvenzen in der Region zu tun. Für Insolvenzverwalter Matthias Lehmann ist Schneider ein alter Bekannter.
Neben der Böschemeyer GmbH & Co. KG befinden sich auch die Henke Treppen Vertriebs GmbH aus Lübbecke, die Hela-Tische Lampe GmbH aus Löhne und die IRB Möbelvertrieb GmbH & Co. KG aus Melle in Insolvenzverfahren. Gemeinsam ist den vier Unternehmen ihr Geschäftsführer: Friedrich Schneider. Der Diplom-Betriebswirt betreibt die Berater-Firma Interims-Management und Consulting und berät Unternehmen in der Krise unter anderem im Finanz- und Rechnungswesen, Controlling und Personalwesen.
"Ich kenne Herrn Schneider und seinen Berater, Rechtsanwalt Michael Hellmann, leider aus vielen anderen Insolvenzverfahren", sagt Stefan Chatziparaskewas. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht vertrat bei Böschemeyer den Betriebsrat in den Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter und der Arbeitgeberseite.
"Der Weg in die Insolvenz läuft häufig nach dem gleichen Muster ab", sagt Chatziparaskewas. Parallel zum Unternehmen werde eine Gesellschaft gegründet, die ähnlich heiße und über die dann die Aufträge abgewickelt würden. Das alte Unternehmen komme für die Kosten auf, das neue streiche die Gewinne ein. So lasse man das alte Unternehmen systematisch ausbluten und führe es in die Insolvenz. "Das ist offenbar auch bei Hela und Böschemeyer so gelaufen", vermutet Chatziparaskewas.
Schneider widerspricht den Vorwürfen. "Ich habe grundsätzlich das Ziel, ein Unternehmen zu retten", sagt der Betriebswirt. Eine Restrukturierung funktioniere jedoch nicht immer. Die Fälle, in denen eine Insolvenz verhindert werden konnte, möchte Schneider aus Gründen des Mandantenschutzes nicht nennen. "Ich kann versichern, dass ich mehr Unternehmen gerettet habe als nun insolvent sind."
Schneider übernahm im Februar 2009 die Geschäftsführung der Böschemeyer GmbH & Co. KG, mit seinem Institut für Restrukturierung und Beteiligung (IRB) wurde er Gesellschafter. Kurz danach gründeten Jörg und Dietmar Böschemeyer die Böschemeyer Möbelteile Handels GmbH & Co. KG, mit der die nun insolvente Böschemeyer GmbH & Co. KG Geschäftsbeziehungen pflegte. Seit März bekamen die Mitarbeiter ihren Lohn nur schleppend ausgezahlt, das letzte vollständige Gehalt erhielten sie im Mai. Das berichtet die Ehefrau eines am vergangenen Freitag gekündigten Mitarbeiters. Vom Juni-Lohn sahen die Angestellten nur noch ein Viertel, und das im August. Daraufhin stellte eine Mitarbeiterin einen Insolvenzantrag. Vergangenen Freitag eröffnete das Amtsgericht Bielefeld das Insolvenzverfahren. Am gleichen Tag entließ Böschemeyer 43 der 87 Mitarbeiter, die übrigen 44 übernimmt die Möbelteile Handels GmbH.
Auch in Niedersachsen ist Schneider aktiv: 2008 wickelte er die Porta-Filiale in Altwarmbüchen ab. Die Filiale wurde am 30. Juni geschlossen, 156 Mitarbeiter entlassen. "Herr Schneider ist mit seiner Firma in einer Vielzahl von Sanierungsfällen tätig", sagt Insolvenzverwalter Matthias Lehmann. Er verhandelt mit Schneider momentan in zwei Insolvenzverfahren: Böschemeyer und Henke Treppen.
















