Espelkamp. Die Gesichtszüge des Vorstandssprechers des Ludwig-Steil-Hofes, Pfarrer Stefan Bäumer, wirken wieder entspannter. Nach vierjähriger Bauzeit konnten gestern alle Häuser und Bereiche des Volkeninghauses eingeweiht werden. In dieser Zeit haben insgesamt drei Architekten das zwölfeinhalb Millionen Euro teure "Flaggschiff der Stiftung", wie Bäumer betonte, immer wieder umgeplant . "Jetzt haben wir es – trotz einiger Hindernisse – endlich geschafft", freute er sich im geschmackvoll dekorierten großen Saal der Einrichtung.
Als er seinen Dienst antrat, galt es zunächst, viele Entscheidungen zu treffen. So hatte sein Vorgänger beschlossen, die Internate und schließlich auch die Schule nicht weiter zu betreiben. "Wir haben dann die Uhr auf Null gedreht und alles noch einmal umgeplant", so Bäumer. Überraschungen habe es in jedem der drei Bauabschnitte gegeben. "Das war eher eine Iron-Man-Srtrecke, die wir absolviert haben – nur die Disziplinen waren nicht ganz klar." Es sollte "kein Bauwerk von der Stange werden". Man habe frei nach dem Bibel-Wort "Prüfet alles, das Gute behaltet", agiert.
Sogar die "alte Muna" sei wieder in Erinnerung gebracht worden. Unter einem Bauwerk wurde ein Wasserbehälter mit "fragwürdigem Inhalt" gefunden. "Allerdings", so Bäumer, "unterirdische Munitionszüge mit Dampflok haben wir leider nicht gefunden".
Dafür ganz viel andere Dinge, wie er erläuterte: Unterschiedlichste Kabel und Rohre und Leitungen, von denen niemand etwas wusste. Und später gab’s schon mal Wassereinbrüche, weil der Grundwasserspiegel höher war als erwartet. Oder der neue Sonnenschutz ging bei Sturm und Regen nicht hoch sondern runter. Oder eine demente Frau verwechselte nachts die Baugrube mit ihrem warmen Bett.
Der Vorstandssprecher hatte viel zu erzählen, lud am Schluss jedoch die zahlreichen Gäste zu einem Rundgang durch die sehr gelungenen Räume ein: "Es ist ein Haus ohne faule Kompromisse geworden. Und es liegt in der geographischen Mitte der Stadt. Dieses Haus spricht für sich selber, probieren Sie es heute aus."
Bürgermeister Heinrich Vieker, selbst stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates, sprach von der "existenziellen Bedeutung" der Einrichtung für die gesamte Stiftung. Gemeinsam habe man seinerzeit beim Amtsantritt von Bäumer umgeplant. Jetzt blickten alle "voller Optimismus in die Zukunft". Der Espelkamper Verwaltungschef freute sich darüber, dass der Ludwig-Steil-Hof ein so deutliches "Bekenntnis zum Standort" mit dem großzügigen Neu- und Umbau des Volkeninghauses gegeben habe.