Michael Heise, Leiter der Lübbecker Pestalozzi-Schule, geht im Januar in Ruhestand
Lübbecke. Leicht wird ihm der Abschied nicht fallen. "Es hängt eine Menge Herzblut dran, die Aufgabe hier war ein wesentlicher Teil meines Lebens", erklärt Michael Heise, der im Januar nach 21 Jahren als Schulleiter der Lübbecker Pestalozzi-Schule in den Ruhestand geht. "Es werden sicherlich auch ein paar Tränen fließen, ich bin ziemlich nah am Wasser gebaut", gibt er zu.
Eigentlich ist Michael Heise gelernter Werkzeugmaschinenschlosser und Verfahrensingenieur. Erst mit 28 Jahren entschloss er sich für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe in Bielefeld, mit dem Ziel, Lehrer zu werden.
Aber nicht irgendein Lehrer. Zunächst studierte er Mathematik, Physik und künstlerisches Werken auf Lehramt für Grund- und Hauptschulen. Nach der zweiten Staatsprüfung arbeitete der heute 65-Jährige an einer Sprach- und Schwerhörigenschule in Dortmund und Bochum, darauf folgte ein Aufbaustudium in Köln und dann das Staatsexamen für Sonderpädagogik. Mit Umwegen über Porta Westfalica und der Kuhlenkampschule in Minden, kam er 1989 schließlich als Sonderschulrektor an die Pestalozzischule nach Lübbecke.
Kommt man als Lehrer an einer Sonderschule auch mal an seine Grenzen? "Ja", ist sich Heise sicher. "Sie können den Job nur machen, wenn Sie die Kinder richtig mögen und mit dem Herzen dabei sind. Wenn man alles persönlich nimmt, klappt das nicht." Kritisch sieht er den gestiegenen Verwaltungsaufwand für Lehrer und Schulleiter. "Es müssen Berichte geschrieben werden, alles muss dokumentiert werden." Er rate seinen Kollegen, sich in der Schule etwas zu suchen, das ihnen Spaß mache und so Kraft zurück geben könne. Sonst bestehe die Gefahr, dass auch sie an ihre Grenzen stößen.
Ein Faible besitzt Heise für das Schwarzlichttheater, das seit 20 Jahren in der Pestalozzi-Schule ganz groß geschrieben wird. Auf einem Ganztagsschulkongress sah er eine Gruppe, die Schwarzlichttheater machte. "Es war beeindruckend, wie man damit ganz schnell zu besonderen Effekten kommt."
Anfangs habe man ganz einfache Sachen gemacht, zwei Personen spielten Autofahren mit einem gelb angemalten Lenkrad. Der Witz sei gewesen, als der Fahrer dem Beifahrer das Lenkrad übergab und sie trotzdem weiterfuhren. Später machte Heise noch eine Fortbildung zum Spielleiter (kleiner Theaterpädagoge). "Es geht um das spielerische Lernen", erklärt Heise den Nutzen. Seit drei Jahren arbeitet nun ein professioneller Theaterpädagoge an der Schule.
Eines seiner schönsten Erlebnisse in der Zeit als Schulleiter war eine Kollegiumsfahrt nach Berlin. Heise, dem solche Fahrten wichtig sind, damit die Kollegen sich auch mal anders kennen lernen, gab ihnen dafür immer ein paar Rätsel auf. Auf der Berlinfahrt drehten die Lehrer den Spieß um, und gaben ihm eine Aufgabe. "Der Michael, der sitzt da immer nur rum und ruht sich aus, jetzt ist er mal dran", erinnert er sich. Er musste im Zug eine Person ansprechen und mit ihr den Fall der Berliner Mauer nachspielen. Das sei schon lustig gewesen. Und natürlich freue er sich immer, wenn ein Schüler zum Erfolg gebracht werde.
Langweilig wird dem Schulleiter im Ruhestand nicht werden. Neben seinen drei Enkelkindern, ein viertes ist unterwegs, wartet ein großer Garten darauf, gestaltet zu werden. "Rosen und Bäume beschneiden macht außerdem Spaß, weil die keine Widerworte geben", schmunzelt Heise. Auch das Reisen steht auf der Wunschliste. Dabei freut er sich am meisten darauf, nicht mehr in der Hauptsaison fahren zu müssen. Aber auch das Ehrenamt wird eine Rolle spielen. So möchte er eine gemischte Schwarzlichttheatergruppe gründen, Ideen hat er dafür reichlich. Außerdem will er weiterhin Sozialtraining anbieten, zum Beispiel in Grundschulen.