Ulrich Schreiber flickt leckgeschlagenen Frachter im Westhafen
VON ANNE WEBLER UND TYLER LARKIN
Minden. Trotz eisiger Temperaturen hat gestern Taucher Ulrich Schreiber das Leck im Güterschiff "Bostan" abgedichtet, um ein Sinken des Schiffes zu verhindern. "Unter Wasser ist es wärmer als an Deck", sagt der 72-jährige Tauchveteran, als er in seinem selbst entwickelten Trockenanzug aus dem Wasser steigt.
Sobald der momentan noch vereiste und deshalb gesperrte Mittellandkanal wieder für die Schifffahrt freigegeben wird, kann die Bostan in eine Werft fahren. Es ist jedoch unklar, ob sich eine Reparatur des schwer beschädigten Schiffs überhaupt lohnt.
Das Eis schlug viele Lecks
Eisschollen hatten das 67 Meter lange Binnenschiff bereits vergangenen Mittwoch bei der Fahrt auf dem Mittellandkanal leckgeschlagen. "Wahrscheinlich hat der Kapitän die von den Eisschollen ausgehende Gefahr unterschätzt", vermutet Henning Buchholz, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Minden. Das Eis habe viele Lecks in die Schiffswand geschlagen, wovon einige kleinere bereits geflickt werden konnten. Die Bostan liegt im Hafen nahe der Stiftsallee unterhalb der Feuerwehr.
Nach Auskunft der Wasserschutzpolizei hatte das Schiff am Mittwoch in Hannover bei der Firma Befesa Salzschlacke GmbH Ladung aufgenommen, mit dem Ziel Rotterdam. Doch im Abschnitt des Mittellandkanals bei Sachsenhagen schlug es Leck. Der Frachter hatte 828 Tonnen Serox geladen, ein Rohstoff aus der Aufarbeitung von Aluminium-Salzschlacke, der zur Herstellung von Zement und Mineralwolle verwendet wird.
Bis zu einem Meter stand das Wasser
Ein Bagger des Wasser- und Schifffahrtsamts löschte bis gestern morgen 630 Tonnen des grauen Pulvers, im Laufe des Tages wurden weitere Tonnen in Kipplastern abtransportiert, zurück zum Hersteller.
Durch die Lecks stand das Wasser zwischenzeitlich bis zu einem Meter hoch im Laderaum. "Es ist wichtig, dass wir die Ladung löschen, sonst wäre das Schiff gesunken", sagt Buchholz. Der Abtransport verzögerte sich gestern, da das restliche Pulver sehr nass ist und extra dichte Transportmulden angefordert werden mussten. Da der Schlamm klebt und sich schlecht aus den Mulden leeren lässt, wird die Bostan wohl erst heute vollständig geleert sein.
Erst bei 25 Grad Celsius gefährlich
Eine Gefahr der Wasserverunreinigung bestand Buchholz zufolge nicht. "Durch den Sog des eindringenden Wassers fließt nur Wasser ins Schiff rein, aber nicht raus." Gefährlich sei die Berührung des Serox mit Wasser erst ab Temperaturen um 25 Grad, weil sich erst dann Gase entwickelten. Bei der derzeitigen Kälte bestehe keine Gefahr.
Taucher Ulrich Schreiber dichtete gestern das Leck am Bug des Schiffes mit Schaumstoff und Reaktionsharz ab. Unter Wasser hatte er rund 30 Zentimeter Sicht und nur ein kleines Loch im Eis für den Ein- und Ausstieg. "Meine Luftblasen werden von dem Leck angesaugt. So kann ich die undichte Stelle genau markieren", sagt der Duisburger, der seit 1964 Berufstaucher ist. Das Leck ist nun provisorisch abgedichtet und wird bis zur Überführung des Frachters in eine Werft halten.
Sachverständiger muss Schiff freigeben
Info
In welche Werft die geflickte "Bostan" fährt, entscheidet der Schiffseigner und Kapitän Cengis Bostan. Die nächste ist die Werft Rosemeier in Minden. Bostan wird vermutlich ein großes Interesse daran haben, das Schiff möglichst bald in die Werft zu bringen: Jeder Tag, an dem das Schiff in Minden festhängt, bedeutet für Cengis einen Umsatzausfall von 1.000 Euro. (aw)
Amtsleiter Buchholz kann nun die nächsten Schritte einleiten. Ein Sachverständiger der Schiffsuntersuchungskommission wird den Frachter begutachten und eventuell freigeben, damit es in die Werft fahren kann. "Man muss sehen, ob es sich noch lohnt, das Schiff zu reparieren", sagt Buchholz. "Vielleicht wird es auch verschrottet. Das entscheidet jedoch der Schiffseigner."
Auch wenn das Schiff wieder fahrbereit ist, muss es liegen bleiben, bis die Sperrung des Mittellandkanals wieder aufgehoben wird. "Wann das sein wird ist noch nicht absehbar", sagte Buchholz. "Regen wäre ideal zum Abtauen des Eises."
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