Kreispolizei Minden veröffentlicht Unfallbilanz für 2009: Weniger Verkehrstote, mehr auf dem Schulweg verunglückte Kinder
Lübbecke/Minden. Einen richtigen Unfallbrennpunkt haben Polizeidirektor Detlef Stüven und Polizeioberrätin Inke Pfeiffer im Kreisgebiet nicht ausgemacht. Aber noch immer sind vor allem die jungen Erwachsenen überproportional an Unfällen beteiligt. Insgesamt gibt es im Kreis Minden-Lübbecke aber einen historischen Tiefstand bei den Verletzten und Getöteten, wie gestern bei der Pressekonferenz im Kreishaus bekannt gegeben wurde.
"Wir verzeichnen bei den Unfalltoten einen Rückgang von 19 Prozent, bei den Schwer- und Leichtverletzten um 3,3 Prozent", erklärte Landrat Dr. Ralf Niermann. Unterm Strich macht das 17 Menschen, die bei Verkehrsunfällen getötet wurden. Das sind vier weniger als 2008. Insgesamt liegt die Zahl der Verunglückten bei 1.414, ein Minus von 49 Fällen gegenüber dem Vorjahr.
Während die Zahl der verunglückten Kinder gesunken ist, nahm die Zahl der Kinder zu, die auf dem Weg zur Schule verletzt wurden. Auffällig: "Es sind überwiegend Kinder, die mit dem Rad zur Schule fahren", so Inke Pfeiffer, die seit Januar die Direktion Verkehr leitet.
Immer weniger Eltern würden mit ihren Kindern das Radfahren üben. "Die motorischen Fähigkeiten der Kinder werden immer schlechter. Somit sind sie auf dem Weg zur Schule zu sehr mit der Technik als mit dem Straßenverkehr beschäftigt." Mit ein Grund, warum an den Schulen verpflichtend auch in den fünften und sechsten Klassen die Fahrradausbildung auf dem Lehrplan steht.
Insgesamt verzeichnet die Kreispolizei Minden eine Gesamtzahl von 7.349 Verkehrsunfällen im Jahr 2009. "Vor allem bei den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) ist ein Anstieg um vier Prozent auszumachen, bei den Senioren über 65 Jahren gibt es ein Plus von 2,2 Prozent", so Niermann. Häufig sei bei den jungen Leuten, zum Beispiel auf dem Weg zur Disko, eine nicht angepasste Geschwindigkeit der Unfallgrund.
Während in den meisten Gemeinden des Kreises die Unfallzahlen sanken, fällt Rahden negativ auf. Dort stieg die Zahl der verunglückten Verkehrsteilnehmer um 73,2 Prozent auf 71. Insgesamt waren es 30 Personen mehr als 2008. "Es ist keine bestimmte Kreuzung betroffen", erklärte Inke Pfeiffer, sondern die Unfälle verteilten sich auf das gesamte Stadtgebiet. "Wir werden die Unfälle noch einmal genau analysieren und vergleichen und dann Schwerpunkte in unserer Arbeit setzen." Doch eine Gemeinsamkeit bei verschiedenen Unfällen zu finden, sei oft nicht einfach.
Mehr Geschwindigkeitsmessungen, mehr mobile Radarstationen, mehr Großkontrollen mit drei neuen Drogentests – darauf setzen die Beamten in den kommenden Monaten. "Wir haben eins festgestellt: Mündliche Verwarnungen helfen nicht, der Trend geht hin zu mehr Bußgeldern", so Pfeiffer. Das sei langanhaltender und wirkungsvoller. Hinzu kommen die Verkehrssicherheitstage an Schulen und Kindergärten, die Aktion "Glasklar" oder Schockvideos, um Betroffenen die Folgen ihres Handelns vor Augen zu führen.
Die Senioren sollen in erster Linie mit den monatlichen Vorträgen "Alte Hasen, neue Regeln" angesprochen werden. "Wir planen zudem einen Aktionstag in Bad Oeynhausen", so Pfeiffer. Unter dem Motto "Komm gut an – Sieger rasen nicht!" gibt es bei der Veranstaltung, die eine kleine Ausgabe von "Blaulicht live" werden soll, unter anderem Fahrsimulationen und Crash-Tests.