Jugendreferentin will evangelische Kirchengemeinde wegen Streit mit der Pfarrerin verlassen
Pr. Oldendorf. Lange gärte der Streit zwischen der Gemeindepädagogin Ulrike Nebur-Schröder und der Pr. Oldendorfer Pfarrerin Antje Kastens. Jetzt ist der Konflikt eskaliert – die Jugendreferentin zieht sich aus der Gemeinde zurück. In einem offenen Brief macht ihre Jugendgruppe ihrem Ärger auf die Leitung Luft.
Ulrike Nebur-Schröder hat bei der Kirchengemeindeleitung beantragt, Pr. Oldendorf verlassen zu können. 17 Jahre lang arbeitete die 49-Jährige in der Ev. Gemeinde. Die Diakonin leitet eine Gruppe von rund 50 Ehrenamtlichen, meist Jugendliche. Sie basteln mit Grundschulkindern und veranstalten Weihnachtscafes oder Familienmessen. Das soll jetzt vorbei sein.
"Ich will nicht gehen, möchte die Jugendlichen aber vor einem Streit schützen, der hier ausgetragen wird", sagt Nebur-Schröder. Weiter will sie sich nicht äußern. "Es wurden Grenzen überschritten, die ich nicht verantworten möchte."
Der Vorsitzende des Regionalen Jugendausschusses wird deutlicher. Jörn Westermeyer schreibt in einem offenen Brief an die Gemeindeleitung von "persönlichen Angriffen der Pr. Oldendorfer Pfarrerin" Antje Kastens auf Ulrike Nebur-Schröder. Die Attacken seien zudem "auf uns als ev. Jugend Pr. Oldendorf übergeschwappt".
Eskaliert sei der Konflikt bei den Vorbereitungen auf eine Konfirmandenfreizeit mit der Pfarrerin. Zwei Betreuer des Kirchencamps im beschaulichen Krelingen bei Walsrode sind gleichzeitig Mitarbeiter in Nebur-Schröders Jugendgruppe. Als einer der beiden vorschlägt, sein kopfstarkes Gemeindeteam während des Camps mit einer Power Point-Präsentation vorzustellen, sei Kastens "ausgerastet". Ulrike Nebur-Schröder habe ihre Mitarbeiter angeblich angestiftet, für die ev. Jugend zu werben.
Laut Nebur-Schröders Gruppenmitgliedern sei die Arbeit der Jugendreferentin der Pfarrerin "zu wenig christlich". Zudem habe Kastens geäußert, Nebur-Schröder habe bei der Jugendarbeit "ihre Kompetenzen überschritten". Einer der beiden Kirchencamp-Betreuer aus Nebur-Schröders Team sieht die Ursachen des Konflikts woanders. "Die Pfarrerin bekommt für ihre Bibellesungen nur sieben, acht Leute zusammen und kann es nicht ertragen, dass Ulrikes Gruppe aus 50 Ehrenamtlichen besteht", sagte der Jugendliche gegenüber der NW.
Pfarrerin Antje Kastens war gestern auch nach mehreren Versuchen nicht für die NW zu erreichen. Ihr Kollege Christoph Kriebel verweist auf den Presbyteriumsvorsteher Bernd Kammann. Doch auch der möchte zu "Gemeinde-Interna" öffentlich keine Auskunft geben. "Wir können aus seelsorgerischen Gründen nur einstecken." Über den Offenen Brief müsse "im vertrauten Kreis" gesprochen werden.
Das Presbyterium ist Nebur-Schröders Entlassungsantrag gefolgt. Doch Jörn Westermeyer ruft alle 4.300 Gemeindemitglieder auf, per Mail, Brief und Telefon das Presbyterium von einer Rücknahme der Entscheidung zu überzeugen. "Wir möchten unsere Arbeit mit Ulrike Nebur-Schröder fortsetzen."
Entscheidend ist ohnehin der Beschluss des Synodalvorstands. Das Gremium des Kirchenkreises tagt am Montag. Ulrike Nebur-Schröder will nur die Gemeinde Pr. Oldendorf verlassen. Ihre Jugendarbeit in den Gemeinden Bad Holzhausen, Börninghausen und Alswede möchte die Diakonin fortsetzen.
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