Finanzamt Lübbecke zieht Jahresbilanz / 300 Selbstanzeigen von Steuersündern inWestfalen-Lippe / Steueraufkommen 2009 gestiegen
Lübbecke. Finanzamtschef Ulrich Liehr ist zufrieden. Entgegen dem Landestrend ist das Steueraufkommen des Finanzamtes Lübbecke im Vergleich zu 2008 um 2,4 Prozent auf 530,8 Millionen Euro gestiegen. Diese positive Entwicklung hat sich zu Jahresbeginn 2010 allerdings nicht fortgesetzt. Hier verzeichnet das Finanzamt ein Minus von 16 Prozent. Zusätzliches Geld in die Kasse des Finanzamtes könnten die Nachforderungen an Steuersünder spülen.
Wie Liehr erklärt, sind bei den Finanzämtern in Westfalen-Lippe bislang etwa 300 Selbstanzeigen eingegangen. Das Finanzministerium des Landes NRW hat die Voraussetzungen für den Ankauf der Daten-CD geschaffen. "Zu Recht fürchten nun viele Steuerhinterzieher mit unversteuerten Einnahmen nicht nur aus Schweizer Kapitalanlagen, das sie auffliegen könnten." Landesweit habe die Zahl der Selbstanzeigen um etwa 10 Prozent zugenommen.
Auch in Lübbecke seien etwa eine Handvoll Selbstanzeigen eingegangen. Die Nachforderungen inklusive der Nachverzinsung dürften sich vorsichtigen Schätzungen nach auf einen sechsstelligen Betrag belaufen.
Anders als im Vorjahr stellte 2009 die Umsatzsteuer mit 223,8 Millionen Euro (167,3 Mio. in 2008) wieder den stärksten Posten dar, gefolgt von der Lohnsteuer mit 175, 1 Millionen Euro (186,7 Mio in 2008). "Die positive Steuerentwicklung im Krisenjahr 2009 hat uns überrascht", sagt Liehr. "Vielleicht gibt es im Altkreis Lübbecke nicht so viele krisenanfällige Unternehmen wie anderswo", vermutet Finanzamtsmitarbeiter Karsten Tegeler. Liehr: "Oder die Wirtschaftskrise erreicht die Region verspätet." Dafür würde das sinkende Steueraufkommen zu Jahresbeginn sprechen.
Das Personal im Finanzamt ist geschrumpft – von 130 auf 125 Mitarbeiter, davon fünf Auszubildende. Die Bürger müssen sich auf längere Bearbeitungszeiten einstellen. Für einfache Lohnsteuererklärungen braucht es etwa drei bis vier Wochen, schwierigere Fälle haben eine Bearbeitungszeit von etwa acht Wochen. In diesem Zusammenhang wirbt das Finanzamt noch einmal ausdrücklich für die elektronische Steuererklärung mit dem PC-Programm "Elster". Leider greife nur etwa jeder Fünfte bei der Einkommensteuererklärung auf "Elster" zurück. Die elektronische Steuererklärung spart den Mitarbeitern viel Zeit. Vermehrt Arbeit bringt der April: Dann stehen den Finanzämtern voraussichtlich die Rentenbezugsmitteilungen 2009 zur Verfügung. Ab Juni könne mit der Auswertung der für die Jahre 2005 bis 2008 elektronisch vorliegenden Rentenbezugsmitteilungen begonnen werden. Mit Lothar Wegener steht Bürgern ein Ansprechpartner zur Verfügung, der unter Tel. (0 57 41) 334-2166 häufige Fragen zur Rentenbesteuerung beantwortet. Im Altkreis Lübbecke müsse höchstens jeder fünfte Rentenbezieher mit einer Nachbesteuerung rechnen.
Personell verstärkt wird die Lübbecker Behörde ab Sommer durch sechs junge Leute, die in diesem Jahr ihre Ausbildung im mittleren oder gehobenen Dienst beim Finanzamt beginnen.
Ab 1. Juli können bereits Bewerbungen für das Einstellungsjahr 2011 unter
www.studium-im-finanzamt.de online eingereicht werden.