Das evangelische Jugendzentrum an der B65 in Preußisch Oldendorf, für einige nur ein gelbes Haus, aber für uns 50 Mitarbeiter ein Teil unseres Lebens und nun müssen wir betrübt in die Zukunft blicken.
Seit Jahren treffen wir uns alle zwei Wochen Mittwochabends um 20 Uhr zu einer Besprechung. Bei diesen wird viel gelacht, aber wir stellen auch Einiges auf die Beine.
Die Zusammenarbeit mit den Katechumenen und Konfirmanden hat uns stets sehr viel Spaß gemacht. Ob die gemeinsamen Konfi-Tage, gestaltet zum Beispiel mit einer Reise durch die Bibel oder die Konfirmandenfreizeit auf dem Pollertshof mit den "Ich bin-Worten" als Thema - langweilig wurde es für uns Jugendliche nie.
Am ersten Wochenende im Mai hat jeder Mitarbeiter mindestens eine leckere Torte zum Verzehr für die Besucher des Maispaßes, dem Stadtfest in Preußisch Oldendorf, gebacken. Im Gemeindehaus und im Jugendzentrum haben wir Kaffee und Kuchen an Jung und Alt verkauft.
Im Sonnenschein unter freiem Himmel hatten wir jedes Jahr verschiedene Stände. Im letzten Jahr haben zum Beispiel viele unser Angebot des Kistenkletterns genutzt. Die vielen buntgeschminkten und fröhlichen Kindergesichter – das waren auch wir.
Im Winter beim Preußisch Oldendorfer Sternenzauber wurde es den Besuchern des Weihnachtsmarktes nie kalt, denn wir haben mit einer heißen Tasse Kakao oder Kaffee für Wärme gesorgt.
Einnahmen durch diese Aktionen, sowie Spenden von Firmen und Vereinen gaben uns immer wieder die Möglichkeit neue Dinge, wie zum Beispiel das extra große Trampolin, welches in den Gruppenstunden gerne genutzt wurde, anzuschaffen.
Einige Kinder der ersten bis vierten Klasse der Grundschule in Preußisch Oldendorf freuen sich einmal in der Woche darauf, ins Jugendzentrum gehen zu dürfen. Eine Stunde lang heißt es dann: Spiel, Spaß und Spannung. Wir sehen das nicht als Opferung unserer Freizeit für die Kinder, es bereitet uns einfach unheimlich viel Freude.
Auf Schulungen haben wir gelernt, wie wir die Kinder unterhalten und "in Schach halten" können. So zeichnet sich zum Beispiel bei der bloßen Erwähnung des Wortes "70er-Spiel" ein Lächeln in den Gesichtern der Kinder.
Einmal gab es bei uns sogar das "perfekte Gruppenstunden-Dinner", bei diesem haben die Kinder gezeigt, wie gut sie kochen können. Die Küche im Jugendzentrum sah danach jedes Mal wie ein "Schlachtfeld" aus, doch geschmeckt hat es uns allen.Egal zu welcher Jahreszeit, einen Grund zum Basteln fanden wir immer. Kerzen bemalen, Lichterketten oder Bilderrahmen verzieren. Bei uns im Materialraum findet sich neben Schere und Kleber immer etwas, um aus grauem Unscheinbaren etwas Buntes und Fröhliches zu machen.
In diesem Jahr haben wir Karneval richtig groß und mit sehr vielen lachenden Kindern gefeiert. Die große Musikanlage einer unserer Mitarbeiter mit vielen bunten Lichtern, tollen Preise, süßen Bonbons und lustigen Tanzspielen ließen unsere Kinderdisco zu einem freudigen Erlebnis werden.
Zweimal in der Woche haben sich bei uns die Türen für die Jugend in Preußisch Oldendorf geöffnet. Bei uns steht ein sehr beliebter Billardtisch, gleich im Eingangsbereich zwei Kicker und in unser renovierten Lounge eine Playstation, die von den vielen Besuchern mit Begeisterung genutzt wird.Bei uns kommt nie Langeweile auf!
Das alles bedeutet uns so viel, weil wir unsere Gemeinschaft so sehr schätzen. Jeder, wird von uns akzeptiert – Nächstenliebe wird bei uns großgeschrieben. Christ sein, bedeutet für uns nicht jemand anderem aus der Bibel vorzulesen, sondern in einer Gemeinschaft zu leben, in der die christlichen Werte vermittelt werden. Für uns sind diese die Grundlagen für soziales Handeln.
Alles was wir uns über die Jahre hinweg aufgebaut haben, gibt es nun nicht mehr. Das Presbyterium der Gemeinde Preußisch Oldendorf entschied am Dienstagabend, 9. März 2010, Ulrike Nebur-Schröder aus ihrem Dienst in Preußisch Oldendorf zu entlassen.
Ulrike ist die Jugendreferentin in den Gemeinden Alswede, Gestringen, Börninghausen und Bad Holzhausen. Bis vor kurzem war sie es auch noch in Preußisch Oldendorf.
Viele werden sich die Frage nach dem Warum stellen und genau die stellen wir ehrenamtlichen Mitarbeiter uns auch. Ulrike Nebur-Schröder ist nicht einfach nur eine Jugendbeauftragte, sie ist wie eine Mutter für uns. Wir nennen sie "Mutti" und schätzen ihre Hingabe bei der Arbeit mit uns.
Liebevoll nennen wir sie "Chefin" und danken ihr, wenn sie uns und unsere Planungen mal wieder rettet. Für niemanden ist sie "Frau Nebur-Schröder", denn ihre herzliche und offene Art, lässt sie für jeden zu einer Freundin werden.
Ohne sie bewältigen wir die Arbeit nicht. Wir sind viele, aber niemand von uns kann diese Verantwortung alleine tragen.
Mit Tränen in den Augen saßen wir am Mittwochabend in unserer sonst so lustigen Besprechung und keiner von uns wollte es wahr haben, dass unsere Arbeit in der Gemeinde so wenig geschätzt wird.
Nie im Leben hätten wir gedacht, dass das, was wir auf die Beine stellen, niemandem etwas bedeutet. Alle sind sich einig, dass uns ein Teil unseres Lebens, unser größtes Hobby weggenommen und glückliche Stunden in der Gemeinschaft zu Erinnerungen gemacht wurden.
Traurig blicken wir in die Zukunft und das nur wegen einer einzigen Pfarrerin, die alles ins Rollen brachte, weil sie ihren Konflikt mit Ulrike Nebur-Schröder nicht einfach nur Konflikt sein lassen wollte. Und so was in einer evangelischen Kirchengemeinde.
Die evangelische Jugend in Preußisch Oldendorf, vertreten von Katharina Kleemann (17)
















