Lübbecke-Gehlenbeck. Kulturstaatsminister Bernd Neumann bekleidet das vielleicht beneidenswerteste Ministeramt der Bundesregierung. Trotz der Nähe zur Macht - sein Büro befindet sich direkt im Kanzleramt - ist sein Bekanntheitsgrad geradezu marginal im Vergleich zu manch einem Kabinettskollegen. Nur selten verlangt das Berliner Pressekorps nach seinen Einschätzungen.
Auch den meisten Gästen der Lübbecker Landkreisgespräche muss er sich am Donnerstagabend auf Gut Renkhausen erst einmal vorstellen. Die vermeintliche Anonymität tut seiner Meinungsfreude jedoch keinen Abbruch - sie scheint sogar förderlich. Denn im Gegensatz zu seiner Dienstvorgesetzten nimmt Deutschlands oberster Kulturförderer Stellung zu den derzeitigen Berliner Verhältnissen. "Ich finde es bedauerlich, wie wir in der Koalition miteinander umgehen", so Neumann. "Dabei haben wir weitaus mehr Schnittpunkte mit der FDP als mit der SPD - es merkt nur keiner."
Vieles, was für Minister Neumann zum Alltagsgeschäft gehört, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Zum Beispiel zählt die Aufarbeitung "der beiden deutschen Diktaturen" - des NS-Regimes und der DDR - zu seinen Aufgaben. "Eine Umfrage unter Schülern hat ergeben, dass die Hälfte nicht mehr weiß, dass der SED-Staat eine Diktatur war. Es ist ein Unding, dass so etwas in Vergessenheit gerät", sagt Neumann.
Jugendlichen empfiehlt er einen Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen - dem ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis im Berliner Osten.
Auch die Stasi-Unterlagen-Behörde untersteht Neumann. Deren Chefin, Marianne Birthler, genießt sein volles Vertrauen. "Sie ist 100 Prozent integer", sagt Neumann. Bei ihrem in die Schlagzeilen geratenen Stellvertreter Hans Altendorf ist Neumann vorsichtiger. "Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen", sagt Neumann vieldeutig.
Am Ende beweist Gastgeber Steffen Kampeter seine Qualitäten als (jetzt glattrasierter) Charmebolzen. "Er hat Stil, er hat Kompetenz, er hat Humor", sagt der Staatssekretär über den Minister. Mehr geht nicht in einem Satz.