Rahden/Minden. Premiere für die Rahdener Feuerwehr: 35 Mann rücken Mittwochabend an die Leverner Straße im Rahdener Ortsteil Varl im Kreis Minden-Lübbecke zu einem Strahlenschutzeinsatz aus. Der Verdacht: Ein Überseecontainer auf einem bäuerlichen Anwesen soll radioaktiv belastet sein. Während die Rahdener Wehr einen sogenannten Dekontaminationsplatz einrichtet, rücken Spezialisten der Berufsfeuerwehr Minden mit zwei Fahrzeugen an.
Am Einsatzort herrscht die Atmosphäre einer fast schon vergessenen Epoche. Kalter-Kriegs-Stimmung macht sich breit, als die Feuerwehr weiße Anzüge zum Schutz gegen die vermeintliche Radioaktivität anlegt. Nur die moderne, langstielige Version des Geigerzählers zur Strahlenmessung bringt den Beobachter wieder in die Gegenwart zurück.
Der Anruf einer besorgten Anwohnerin hatte den abendlichen Einsatz am Ortsrand von Varl ausgelöst - sie vermutete radioaktives Material in dem seit mehreren Wochen auf dem Bauernhof stehenden Container, der kyrillische Schriftzeichen aufweist. Unter der Länderkennung CCCP für die ehemalige Sowjetunion steht übersetzt der Name "Morflot", der sinngemäß sowjetischen Marine bedeutet.
Neben der örtlich zuständigen Löschgruppe Varl werden auch Wehrmänner aus dem gesamten Stadtgebiet alarmiert. Auch der Rahdener Gerätewagen "Umweltschutz/Gefahrgut" kommt zum Einsatz. Von der Berufsfeuerwehr Minden rückt der "Gerätewagen Messtechnik" mit speziell geschulten Wehrmännern an Bord in die Leverner Straße an.
Unter Atemschutz und in weiße Schutzanzüge gehüllt bewegen sich schließlich zwei Einsatzkräfte aus Minden langsam auf die vermeintliche Gammastrahlenquelle zu. Die erste Rückmeldung ist beruhigend: Das direkte Umfeld des Containers ist "sauber". Auch im Innern schlägt der Geigerzähler nach genauer Prüfung nicht aus. Um genau 20.11 Uhr gibt Einsatzleiter Jörg Meyer offiziell Entwarnung.
"So einen Einsatz haben wir hier noch nicht gefahren", sagt der Rahdener Ordnungsamtsleiter Uwe Trentelmann, der Mittwochabend ebenfalls vor Ort ist. In enger Absprache mit der Feuerwehr hatte er die Spezialisten der Berufsfeuerwehr Minden angefordert. "Dies war eine vergleichsweise sparsame Aktion. Hätten wir erst einmal radioaktive Strahlung gemessen, wäre hier weitaus mehr los gewesen", sagte Trentelmann.
Worauf die Anwohnerin ihren Verdacht stützte, ist bislang nicht geklärt. Auch wer die Kosten für den Einsatz trägt, konnte gestern von Amtsseite nicht beantwortet werden. Trentelmann möchte in einem persönlichen Gespräch klären, wie die Anruferin zu ihrem Verdacht kam.
In so einem Fall müssen die Behörden reagieren. Sie müssen ausrücken, auch wenn der Verdacht noch so abwegig scheint. "Wir haben keine Wahl und müssen die vorhandene Lage erst einmal sauber abarbeiten. Danach kann man sich um die Hintergründe kümmern", so Ordnungsamtsleiter Trentelmann weiter.
Neben der fehlenden Gammastrahlung hatte der Abend noch weitere positive Aspekte. "Das war eine gute Übung unter Ernstfall-Bedingungen", sagte Trentelmann.