Gutsbesitzer Georg-Henrik Warneke plant Anlage für 1,5 Millionen Euro in Gehlenbeck
Lübbecke-Gehlenbeck. Georg-Henrik Warneke will die erste Biogasanlage im Stadtgebiet Lübbecke bauen lassen. Ab dem 1. Oktober möchte der Landwirt sein Herrenhaus mit Bio-Wärme beheizen. Bisher lehnte die untere Landschaftsbehörde Warnekes favorisierten Standort strikt ab. Jetzt wurden die Kritiker im Beirat überstimmt.
Landwirt Georg-Henrik Warneke deutet auf seinen Acker an der Fasanenstraße. "Hier stört die Anlage nicht den Eindruck vom denkmalgeschützten Gut Renkhausen oder von der ebenfalls geschützten Lindenallee, die zum Gut führt." Doch die untere Landschaftsbehörde des Kreises war bisher strikt gegen den Bau: Das Landschaftsbild rund um das Herrenhaus im Neo-Renaissance-Stil sollte gewahrt bleiben. Außerdem liegt das Naturschutzgebiet "Großes Torfmoor" nur einen Kilometer entfernt. Warneke musste wochenlang zittern.
Jetzt folgte die Überraschung, nachdem der Beirat der unteren Landschaftsbehörde am Donnerstag sechs mögliche Standorte um Gut Renkhausen für die Biogas-Anlage besichtigt hatte: die Mehrheit der 16 stimmberechtigten Mitglieder votierte für den Fasanenweg. "Wir haben den betriebswirtschaftlichen Gründen Vorrang gegeben vor den ökologischen", sagt der Beiratsvorsitzende Gerhard Franke. Wie viele Mitglieder sich gegen die Anlage ausgesprochen haben, verrät er nicht.
Nach der Eröffnung würden etwa 1.000 Lastwagen im Jahr den Fasanenweg als Zufahrt nutzen. "Das klingt zunächst nach viel Verkehr", sagt Bauplaner Johannes Möller. "Tatsächlich konzentriert sich der Andrang aber auf wenige Tage im September, an denen der Mais in die Speicher eingefahren wird."
Für Warneke ist die Biogas-Anlage vor allem eine Möglichkeit, Geld dazu zu verdienen. "Der Weltmarktpreis für Weizen ist viel zu niedrig. Da müssen sich Landwirte nach Alternativen umsehen." Dabei wird die Anlage den Betreiber erst einmal kosten – laut Bauplänen etwa 1,5 Millionen Euro. Nach elf Jahren soll sie abbezahlt sein. Dann könnte der Gehlenbecker unternehmerischen Gewinn einfahren. Denn die 100 mal 150 Meter große Anlage erzeugt Energie, die er verkaufen will.
Bei der Maisgärung entsteht Biogas, mit dem wiederum in einem Blockheizkraftwerk vor Ort Wärme und Strom erzeugt werden – 370 Kilowattstunden Leistung. 30 Prozent der Wärme will Warneke zum Heizen des Herrenhauses nutzen. Den Rest könnte er veräußern – etwa an Firmen im nahen Industriegebiet Lübbecke-Ost und an das wenige hundert Meter entfernte Freibad. Über unterirdische Rohre ließe sich die Wärme einen Kilometer transportieren, mit einem Satellitenkraftwerk bis zu zehn Kilometer.
Doch vor Baubeginn muss der Kreis zustimmen. In den vergangenen Monaten hat Warneke 22 Aktenordner gefüllt mit Gutachten über Emissionen, Lärmaufkommen und Brandsicherheit. In zwei Wochen will er den Bauantrag einreichen. Warneke rechnet mit drei Monaten Wartezeit. "Die müssen alle 22 Ordner durchgehen."
Für Lübbecke wäre das Biogas-Werk aufgrund seiner Größe das erste, für das eine Genehmigung erforderlich ist. Im Kreisgebiet arbeiten bereits weitere acht genehmigungspflichtige Anlagen. Georg-Henrik Warneke rechnet fest mit dem Bau: Auf seinen 140 Hektar pflanzt er in den kommenden Wochen nur noch Mais an.
stehenden Code hier ein*: