Keine Zahlen zu HIV-Infizierten im Kreis / Urteil gegen No-Angels-Sängerin auch in Lübbecke ein Thema
Kreis Minden-Lübbecke. Das Urteil im HIV-Prozess gegen No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa ist gesprochen: Zwei Jahre Haft auf Bewährung bekommt die 28-Jährige, weil sie laut Gericht einen Sexualpartner mit dem tödlichen Virus angesteckt hat. HIV ist auch ein Thema im Kreis. Wie viele Menschen hier allerdings mit der Diagnose leben, ist unbekannt.
"Für den Kreis Minden-Lübbecke veröffentlicht das Robert-Koch Institut wegen zu kleiner Fallzahlen keine regionalen Ergebnisse", sagt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Instituts. Zahlen gibt es nur für den gesamten Regierungsbezirk Detmold. Hier wurden im vergangenen Jahr 51 HIV-Neu-Diagnosen gezählt, 2001 noch 14. "Das ist ein deutlicher Anstieg", sagt Glasmacher.
Das Gesundheitsamt des Kreises bietet seit 1999 anonyme HIV-Tests an. Amtsärztin Dr. Elke Lustfeld: "Seit 2006 haben wir steigende Untersuchungszahlen." Im Jahr 2009 war einer von 151 Tests positiv, seit 2000 sind insgesamt 1.373 Tests durchgeführt worden, von denen acht positiv ausfielen.
Peter Struck ist Geschäftsführer der Aids-Hilfe in Bielefeld. Zu ihm kommen auch Infizierte aus dem Kreis Minden-Lübbecke. Wie viele im Kreis tatsächlich mit dem HI-Virus leben, kann er nicht sagen: "Die Beratung findet häufig anonym statt, per Mail oder Telefon."
Struck ist seit 24 Jahren Geschäftsführer der Aids-Hilfe – eine Zeit, in der sich der Umgang mit dem Virus verändert habe: "Mittlerweile lassen sich mehr Menschen als noch in den Achtzigern testen." Je früher die Menschen von ihrer Infektion wüssten, desto höher seien ihre Überlebenschancen. "Trotzdem kann die Krankheit noch immer nicht geheilt werden." Das weiß auch Julia Jakob von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Sie meint: "Die Menschen sind mittlerweile gut über die Krankheit informiert, aber nach wie vor ist die Aufklärung wichtig im Kampf gegen Aids. Eine Sorglosigkeit darf sich nicht einstellen."
Sozialpädagogin Astrid Volkening macht seit sechs Jahren die Aids-Prävention für die AWO im Kreis. Sie berät an Schulen und auch in der AWO in Lübbecke zu Fragen im Zusammenhang mit Aids und Sexualität. "Aids ist nach wie vor ein Tabu-Thema, das hat man am Fall Nadja Benaissa gesehen. Wenn es die Diskriminierungen im Zusammenhang mit der Krankheit nicht geben würde, würde es Infizierten viel leichter fallen, darüber zu sprechen", sagt Volkening.
Für die Experten ist klar: Prävention steht an erster Stelle. "Eine Behandlung ist möglich und auch erforderlich aber langwierig und meistens mit erheblichen Nebenwirkungen belastet", sagt Dr. Lustfeld.
Fragen zum HIV-Test beantwortet das Gesundheitsamt unter Tel. (05 71) 8 07 28 39. Die AIDS-Prävention der AWO ist unter Tel. (0 57 41) 29 68 15 zu erreichen, die Aids-Hilfe Bielefeld unter Tel. (05 21) 13 33 88.
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