Über den Wolken . . .
Espelkamp-Frotheim. Das Modell fiel sofort ins Auge. Mit seiner Spannweite von 3,33 Meter und drei Metern Länge war die Bücker Jungmeister das größte Flugzeug am ersten Tag des Freundschaftsfliegens des MSC (Modell-Sport-Club) Kreis Minden-Lübbecke. Es mussten schon die helfenden Hände einiger Vereinsfreunde dem stolzen Besitzer Willi Starke dabei helfen den Doppeldecker zusammen zu bauen.
Sie taten es gerne, denn der 90-jährige Mindener ist ein Urgestein unter den heimischen Modellbaufreunden. Er kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. "Ich bin seit 1934 Modellbauer, als Pimpf von 14 Jahren bis ich angefangen", erzählt er. Später war Willi Starke Pilot bei der Luftwaffe, Fluglehrer und Konstrukteur von Flugzeugen und Modellen.
Zusammen mit seinen Freunden schiebt Starke die schneeweiße einsitzige Bücker Jungmeister, die er originalgetreu im Maßstab 1:2 konstruiert und gebaut hat, auf das Flugfeld. Stolz ist er auf den Fünf-Zylinder-Stern-Motor. "Viertakter, 250 Kubik und 16 PS", nennt er die wichtigen Leistungsdaten.
Auf dem Rasen hinter dem Sicherungsnetz wartet bereits Starke’s "Chefpilot" Ralf Müller. Die Modelle steuern und fliegen ist sein Ding nicht mehr. Dafür zeigt der Sohn des Vereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Müller eine runde Flugvorführung, die von den Zuschauern nach der sanften Landung mit viel Applaus bedacht wird. Nicht ganz so zufrieden war Harald Werner.
Die KI-84 Hayate, das Modell eines japanischen Jagdflugzeugs des Wittlagers wäre bei der Landung auf dem weichen Untergrund fast auf die Nase gefallen. Ein Rad hatte sich verhakt. Er sah anschließend von weiteren Flugvorführungen ab. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Werner "von der Idee bis zum Einfliegen" rund fünf Monate Arbeit und etwa 7.500 bis 8.000 Euro in die Maschine gesteckt hat. Insgesamt sieben Modelle nennt der Stammgast bei den Frotheimer Flugtagen sein eigen und das achte ist bereits in Planung.
"Eine La 7 Lawotschkin, ein russisches Jagdflugzeug aus dem zweiten Weltkrieg. Das Modell wird eine Spannweite von vier Metern haben und 65 Kilo schwer sein", kündigt Harald Werner an. In Frotheim nebelt er erst einmal das halbe Flugfeld ein, als er zusammen mit Vereinsfreund Hermann Kemper die Rauchanlage seiner Ki-84 Hayate testet. Als dann die ersten Regentropfen fallen, rollte er seine Maschine zu seinem Auto.
Andere schützen ihre Modelle mit großen Planen. Insgesamt leidet das Freundschaftsfliegen unter den nicht gerade optimalen Witterungsbedingungen. Weniger Modellfliegerfreunde als üblich sind gekommen. Rund 15 hat Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Müller gezählt, ist aber angesichts der dunklen Wolken am Himmel noch zufrieden, zumal die Frauen des MSC Falke wieder für eine leckere Kaffeetafel im Vereinsheim gesorgt haben.