Espelkamp. Manfred Tiemann sitzt am Tisch, greift nach einem Blatt Papier, das direkt vor ihm liegt, hält es hoch und schüttelt den Kopf: "Nach 27 Jahren haben wir es Schwarz auf Weiß, dass mein Vater gestorben ist und dort, wo er begraben ist, auch richtig begraben ist." Genauer gesagt : Familie Tiemann besitzt zu Recht und jetzt auch amtlich bestätigt das Reihengrab Nr. 1431 auf dem Espelkamper Waldfriedhof. "So etwas habe ich noch nie erlebt", wundert sich der Rentner, der das Schreiben am 29. Juli erhalten hat.
Sein Vater Friedrich, geboren am 4. Mai 1912, ist aber bereits am 24. Mai 1983 rechtmäßig verstorben und hat besagtes Reihengrab auf der öffentlichen Begräbnisstätte bezogen. Seine heute 93-jährige Frau, Magdalene Tiemann, so berichtete es jedenfalls ihr Sohn im Gespräch mit der NW, hatte sich über das Schreiben der Stadtverwaltung vor allem erst einmal sehr aufgeregt. "Manfred Tiemann: "Meiner Mutter ist fast das Herz stehengeblieben, als sie das las. Das ist fast so, als wenn man von einem lange Verstorbenen plötzlich wieder Post bekommt."
"Zunächst gab es diverse Vermutungen, die sie alle nicht beruhigen konnten, so ihr Sohn. Seine Mutter dachte zunächst, dass ihr Mann auf dem Friedhof illegal beerdigt worden sei und sie ihn vielleicht sogar umbetten müsste.
Doch nichts davon kommt der Wahrheit auch nur ein kleines Stückchen nahe. Die Neue Westfälische erkundigte sich in der Espelkamper Stadtverwaltung und erhielt von der Kämmerei die richtigen Antworten. Denn nicht nur Familie Tiemann hat ein solches Schreiben erhalten. Seit fast einem Jahr hat die Verwaltung hunderte solcher Urkunden verschickt. Das bestätigte jetzt im Gespräch mit der NW Kämmerer Achim Wilmsmeier.
Bei der Neuordnung der Friedhofsakten und der Dateien fand die Kämmerei heraus, dass es kaum oder nur sehr wenige Anhaltspunkte und Aufzeichnungen über die Nutzungsrechte auf dem Friedhof gab. "Was war genau vor 27 Jahren, als Herr Tiemann diese Grabstätte erhalten hat?", so Wilmsmeier.
Noch nicht einmal richtige Karteikarten habe man gefunden. Dies würde jetzt in einem gemeinsam Verwaltungsakt in der für das Friedhofs- und Bestattungswesen zuständigen Kämmerei nachgeholt.
Dies sei ein "neuer Service für alle Bürger", so Wilmsmeier. Es diene der besseren Orientierung und erhöhe die Sicherheit für beide Seiten. Auch die Verwaltung könne jetzt besser nachweisen, wem bestimmte sehr ungepflegte Gräber gehörten und warum sich niemand mehr darum kümmere. Den anderen, wie Familie Tiemann, dient die Urkunde als Nachweis darüber, dass sie über die Grabstätte bestimmen könnten und sie sie rechtskräftig für einen bestimmten Zeitraum erworben habe.
Wie bereits vor einigen Monaten verkündet, sei diese neuerliche Erfassung auch deshalb notwendig, weil der Waldfriedhof mit dem Geo-Informations-Systems (GIS) neu erfasst und vorhandene Lücken somit schnell geschlossen werden können.
Ein erklärendes Schreiben an die Betroffenen im Vorfeld der Urkunde wäre wohl besser gewesen, gab er zu. "Das hätte bei Familie Tiemann und sicherlich auch noch bei anderen für weniger Aufregung gesorgt."