Hüllhorst-Tengern. "Einfach so aus dem aktiven Schuldienst entlassen zu werden, das geht nicht." 120 Grundschüler aus Tengern und ihre Lehrer waren sich einig: Sie setzten Schulleiterin Marlies Rahe kurzerhand auf einen Ehrenstuhl.
Auf dem Ehrenstuhl hatte sich die Pädagogin an ihrem letzten Schultag einigen komplizierten Fragen zu stellen: "Gut hat ihm nicht gereicht", lautete beispielsweise eine Aufgabe, und aus vier Antwortmöglichkeiten kam dann wie aus der Pistole geschossen das Ergebnis: "Der Besserwisser". Auch ein Publikumsjoker durfte eingesetzt werden, bis dann die Schüler resümierten: Marlies Rahe hat alle Fragen richtig beantwortet und ist damit für den Ruhestand geeignet.
Auch ein Gedicht trugen die Schüler vor, das sie eigens für ihre Lehrerin geschrieben und eingeübt hatten. Es zeichnete auf amüsante Art Lebensstationen ihrer Schulleiterin nach: "Nach 57 Jahren im Lehr- und Lernverein kannst du nun sagen, ich lass es endlich sein!" Zum Abschluss formierten sich alle Schüler mit Luftballons auf dem Schulhof, um auf Kommando alle Ballons mit guten Wünschen in die Luft steigen zu lassen - begleitet von Karl Orffs Klängen "Carmina burana".
Bevor einige der rund 70 Gäste Gelegenheit erhielten, Reden zu halten, hatte die Rektorin noch eine Überraschung für die Kinder bereit: Hausmeister Paul Pimpfke, alias Karin Müller, trat mit seinem Ensemble auf, um Lösungen für das Ausscheiden der Schulleiterin zu finden. "Wer könnte nun der Nachfolger sein?", fragte er das Publikum. Der Hausmeister, der das Wichtigste an einer Schule ist? Oder könnte Rosi, die erste sich selbstsortierende Mülltonne diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen? Aber Rosi streikt gerade. Die Ratte, die seit vielen Jahren gerne an der Schule lebt, weil sie so viel leckeres Essen bekommt, das die Kinder gerne liegenlassen, hatte eine Idee: "Wir leben hier auf dem Lande. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Außerdem muss frischer Wind hier rein." Mit diesen Worten kündigte sie an, dass am besten gleich das ganze Kollegium ausgetauscht werden könnte, worauf die Kinder der Grundschule Tengern sofort mit Protest reagierten. Und Rosi meinte: "ne, ne, die Kinder lachen den ganzen Müll bei dir ab. Für die paar Kröten mehr, mache ich das nicht." So wurden die alte und die neue Schulleiterin ausgemessen: "Na ja, das nimmt sich nicht viel", hieß es dann: Damit war klar, dass Gudrun Upheber die Neue sein soll.
Doch eine Abschiedsfeier hat auch ernste Töne und manchmal verläuft das Leben und die Planung anders, als gedacht, begann Marlies Rahe ihre Abschiedsworte, die seit 25 Jahren an der Grundschule Tengern unterrichtet. Rahe wünschte allen, dass sie so viel Rückhalt von ihrer Familie bekommen, Kinder, Familie und Beruf mit einander vereinbaren zu können, wie sie es selbst hat erleben dürfen und betonte, dass sie sich als Ratsfrau auch weiterhin in die Schulpolitik einmischen und diese kontinuierlich begleiten werde.
Genau hieran ließe sich die Haltung ablesen, mit der Marlies Rahe mehr als 40 Jahre zum Wohle der Kinder, der Eltern und des Kollegiums gearbeitet habe. "Sie geht nicht, ohne Hausaufgaben zu geben" ergänzte Schulrätin Doris Dockhorn und hob besonders die Zielstrebigkeit der Ausscheidenden hervor.
Auch Bürgermeister Wilhelm Henke lobte Rahes besonderen Einsatz im Bildungswesen, der für die vielen Kinder sicherlich tiefe, umfassende und weitreichende Erlebnisse und Bedeutung habe.
Doris Rodenberg vom Personalrat überbrachte ihren Dank für die unermüdliche Arbeit vor allem auch in Sachen Gleichstellung der Frauen.
Dank gab es auch von Pfarrer Christoph Ovesiek, der bewunderte, dass "Sie es immer wieder geschafft haben, zwischen so vielen Stühlen zu sitzen und trotzdem alles gut geworden ist", und wünschte zugleich der Nachfolgerin ebenso viel Erfolg.