Brigitte Wischnewski schrieb noch auf einer Schiefertafel: Schulzeit in Enger und Bünde / 5. Folge
Lübbecke. Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein lernten Schüler das Schreiben noch auf Schiefertafeln. Das sparte Papier. Auch Brigitte Wischnewski, Vorsitzende der Lübbecker Werbegemeinschaft, schrieb während ihres ersten Schuljahrs in Enger noch mit Kreide auf eine solche kleine, in Holz gefasste Tafel.
Zum Abwischen der Tafel benutze sie einen gehäkelten weißen Lappen, der mit einem Band in dem Loch des Tafelrahmens befestigt war. Zum Trocknen ließen die Schüler damals ihre Tafel-Lappen aus den Schulranzen hängen.
Schon zur Einschulung erschien Brigitte 1957 mit dem baumelnden Accessoire. "In der zweiten Klasse kamen dann Hefte", erzählt Wischnewski, die sich mit 41 weiteren Schülern das Klassenzimmer in der Volksschule teilte. Gute Erinnerungen hat Brigitte Wischnewski an den "besonders spannenden" Heimatkundeunterricht: "Heimatkunde bewegte sich zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald.
Mit Schultüte, Ranzen und Tafel-Lappen
Unser Lehrer Herr Fuhrmann hat uns mit einem Kasten, Sand und Steinen gezeigt, wie die Ravensburger Mulde entstand." Vier Jahre hatte sie Unterricht bei diesem Lehrer, dem sie später sogar ihr Abitur-Zeugnis zeigte.
Doch der Vorzeigepädagoge erhob nicht nur seine Stimme, wenn ein Schüler zu laut war. "Er verfügte über kleine Rohrstöckchen und jeder musste seine Hand hinhalten, egal ob Junge oder Mädchen", erinnert sich die Vorsitzende des deutschen Schuh-Einzelhandels.
Strafen gab es auch für freche Antworten: "Im siebten Schuljahr auf dem Progymnasium in Enger fragte die Biologielehrerin einmal, wo man Moose finden könnte. Ein Schüler meldete sich und sagte: In der Bibel", erzählt die Lübbecker Unternehmerin.
Gab es in der Klasse erst noch 23 Mädchen und 23 Jungen, waren gegen Ende des Progymnasiums nur noch drei Jungen dabei. "Die sind in der 7. Klasse alle sitzen geblieben, weil sie nur Mist im Kopf hatten", sagt die Unternehmerin lächelnd.
Sie selbst schwänzte im Winter 1968 mit acht Mitschülerinnen des Mädchengymnasiums Bünde die Schule. Die Mädchen hatten eine Party auf einem Gutshof in Pödinghausen veranstaltet und danach gelogen, sie wären nicht mehr weggekommen, weil der Bus wegen des Schnees nicht gefahren wäre.
Ihr Pech: Ein Mädchen aus Jöllenbeck, das nicht auf der Party gewesen war und den gleichen Bus nehmen musste, erschien in der Schule. Die neun Mädchen bekamen einen Tadel. Mathematik und Französisch waren Brigittes Lieblingsfächer - "in Sport tat ich mich dagegen schwer".
An ihren Englischlehrer erinnert sie sich noch gut, weil er korpulent war und die Schüler ihn "Piggy" nannten; an die Lateinlehrerin, weil sie beim Konjugieren stets gestikulierte und dann den Schülern beim Abfragen mit eben diesen Gesten half.
Heute, 40 Jahre nach ihrem Abitur, sagt Brigitte Wischnewski: "Ich bin gerne zur Schule gegangen."