Pro Monat sterben im Altkreis mehr Menschen, als jährlich aus der Kirche austreten / Themen der Synode
Lübbecke. Kommenden Montag kommt die Kreissynode des Kirchenkreises Lübbecke zu ihrer jährlichen Tagung in Nettelstedt zusammen. Nach dem frühmorgendlichen Abendmahlgottesdienst wird es über weite Strecken um die Finanzen gehen. Die Kirche muss sparen, denn aus den steuerlichen Zuwendungen des Staates lassen sich die Kosten schon lange nicht mehr decken.
Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) bekommt für das Haushaltsjahr 2011 403,1 Millionen Euro an Steuern zugewiesen. 6,6 Millionen Euro davon gehen an den Kirchenkreis Lübbecke, der damit unter anderem die knapp 30 Pfarrstellen im Altkreis finanziert (2,63 Millionen Euro). Ein Pfarrer schlägt pauschal mit 88.000 Euro zu Buche. Trotz sinkender Einnahmen (2008 traten deutschlandweit fast 170.000 Protestanten aus der Kirche aus) erhält der Kirchenkreis gegenüber dem Vorjahr 26.811 Euro mehr in die Kasse - einer geringeren Umlageverpflichtung an die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) sei Dank.
Die Kirchensteuer ist direkt an die Einkommensteuer gekoppelt: je mehr Menschen einem sozialversicherungspflichtigen, gut bezahlten Beruf nachgehen, desto mehr Kirchensteuer wird gezahlt. Eine lahmende Wirtschaft mit niedrigen Löhnen schwächt also auch die Kirchen.
Superintendent Rolf Becker sieht aber vor allem im demografischen Wandel ein Problem. "Die Altersstruktur der Gesellschaft macht uns zu schaffen", sagt Becker. "Pro Monat sterben hier im Altkreis mehr Menschen, als im ganzen Jahr aus der Kirche austreten".
Neben dem demografischen Wandel, den Kirchenaustritten und der wirtschaftlichen Entwicklung sieht die EKvW auch die künftige Gewährung von öffentlichen Zuschüssen als Faktor in ihrer Finanzplanung. Laut dem soeben erschienenen "Violettbuch Kirchenfinanzen" des Kirchenkritikers Carsten Frerk erhalten die evangelische wie auch die katholische Kirche längst nicht nur Kirchensteuern, sondern darüber hinaus weit umfangreichere staatliche Zuwendungen. Diese Leistungen gehen häufig nicht direkt an die Institution, sondern an Hilfswerke und Bildungseinrichtungen.
Autor Carsten Frerk nennt die Summe von 19,9 Milliarden Euro, die der Steuerzahler so jährlich aufbringt. Zwar sind nur zwei Drittel aller Steuerzahler in einer Kirche - für die zusätzlichen Leistungen müssen aber alle Steuerzahler aufkommen. Die finanzielle Basis der Kirchen bleibt so trotz vieler Austritte stabil.
Dennoch stehen die Zeichen auch im Kirchenkreis Lübbecke auf Sparen. "Wir haben einen Strukturausschuss gebildet, der im Dezember Bericht erstatten wird", sagt Superintendent Becker. "Wir müssen weitere Synergieeffekte erzeugen und Kirchenkreis übergreifend denken". Becker befürchtet für die Zukunft eine "Quadratur des Kreises", denn "wir dürfen nicht zu einer unpersönlichen Kirche werden".
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