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08.01.2011
RAHDEN
Bonner Bahnbetreiber liebäugelt mit Strecke Rahden-Bremen
Bereits stillgelegter Abschnitt möglicherweise vor Entwidmung
VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Historische Ansicht | FOTO: ARCHIV

Rahden. Die Deutsche Bahn AG denkt über eine Entwidmung der stillgelegten Bahnlinie von Rahden nach Bremen nach. Sie behauptet, dass es in den vergangenen 13 Jahren keine tragfähigen Verkehrskonzepte gegeben habe. Das aber stimmt nicht. Die Planungen der Stadt Sulingen für die so genannte Südschleife stehen aus Sicht von Bahn-Experten nicht im Einklang mit der geltenden Gesetzgebung. Eine Entwidmung könne es zum jetzigen Zeit nicht geben. Denn es gibt für das Sulinger Kreuz wieder einen Interessenten.

Die Stadt Sulingen will das Bahnhofsgelände städtebaulich entwickeln. Sie möchte deshalb eine Südschleife bauen. Die kostet nach Angaben der Stadt rund 700.000 Euro und soll zur Hälfte aus EU-Mitteln zur Förderung von Infrastruktur im ländlichen Raum gefördert werden. Über die Südschleife sollen Güterzüge von und nach Barenburg fahren – ohne Richtungswechsel im Sulinger Bahnhof . Das Planfeststellungsverfahren läuft, dagegen gibt es Einwände.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) verweist in seinem Einwand auf das Gutachten der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR), das "dringend" den Erhalt der Trasse als Option für spätere Güterverkehre auch aus den Seehäfen empfiehlt. Würde der Bahnhof Sulingen aufgegeben und überplant, dann befürchtet der VCD das Aus für die direkte Schienenverbindung Bremen-Rahden-Bielefeld. Die Stadt Sulingen betont, dass für mögliche künftige Personen- oder Güterverkehre auf der Schiene ein Korridor frei gehalten werde, der auch nicht als Verkehrsweg entwidmet werde. Bahn-Kenner sprechen dagegen von einer "kalten Entwidmung" und verweisen darauf, dass im Fall von Südschleife und Abbindung des Bahnhofes nur noch ein Zug zur gleichen Zeit zwischen Barenburg und Diepholz fahren könne. Mangels Weichen gibt es nämlich keine Kreuzungsmöglichkeit.

Einsprüche erhoben

Der Weicheneinbau würde die Schleife aber erheblich verteuern. Und deshalb wundern sich Bahn-Kenner darüber, dass eine Stadt, die "kaum Geld für ihr Freibad hat, so etwas plant". Der VCD hat nun ebenso Einspruch gegen das Vorhaben erhoben wie das Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bünde-Bassum (AEBB).

Mit der Bonner Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) gibt es wieder einen Interessenten für die Strecken des Sulinger Kreuzes. Die RSE hat unter anderem die Betriebsführung für die Museumsbahnstrecke von Rahden nach Uchte. "Wir standen schon einmal in Verhandlungen mit der DB", sagt Diplom-Ingenieur Daniel Preis von der RSE. Die Bahn AG habe damals dann doch einige Streckenteile selbst behalten wollen. Diese Erfahrung machte auch die Osthannoversche Eisenbahn (OHE). Die hatte Ende der 1990er Jahre Interesse am kompletten Sulinger Kreuz. Damals weigerte sich die DB aber strikt, den von Güterzügen befahrenen Abschnitt Barenburg–Sulingen–Diepholz abzugeben."Wir haben Interesse am Sulinger Kreuz", bekräftigt RSE-Vertreter Daniel Preis gegenüber der NW. Die Strecken wolle die RSE betreiben. Daher müsse auch die Anbindung an den Bahnhof Sulingen und somit zum Rest der Strecke erhalten bleiben. Reis: "Die Südschleife wäre kein Problem – wenn zwei Weichen drin wären." Man sei gesprächsbereit gegenüber der Stadt Sulingen und halte beides für machbar – Bahnverkehr und Stadtentwicklung.

"Man muss sich schon an Recht und Gesetz halten"

Gegen die jetzigen Pläne für die Südschleife habe man Einspruch eingelegt, so Preis. "Wir wollen zusammen mit dem AEBB die Strecken erhalten", so Preis. "Daher ist der Bahnhof Sulingen zwingend notwendig." Man sei nicht gegen die Südschleife, sondern gegen die Abbindung des Bahnhofes.

Preis verweist gegenüber der NW auf das Eisenbahngesetz. Eine Entwidmung könne nur dann erfolgen, wenn langfristig kein Verkehrsbedürfnis mehr gegeben sei. Bei einer Abbindung des Bahnhofes Sulingen werde das Verkehrsbedürfnis etwa der RSE aber nicht berücksichtigt. "Man muss sich schon an Recht und Gesetz halten", macht Preis deutlich. "Und wir haben Interesse am Sulinger Kreuz."



KOMMENTAR: Die fünf Feinde der DB AG

Diskussion um die Bahnlinie nach Bremen

VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Kunden der Deutschen Bahn AG kennen die spöttische Frage: "Was sind die fünf Feinde der Bahn AG?" Und bleiben die Antwort nicht schuldig. "Die vier Jahreszeiten und der Kunde".
Die DB AG steht wegen technischer Probleme und mangelnder Fahrzeug-Kapazitäten in der Kritik. In die Kritik gerät die Bahn AG auch, weil sie weiter Infrastruktur vernichten will – so wie im Fall des Sulinger Kreuzes. Es muss einen Grund haben, wenn die DB verschweigt, dass es einen Interessenten gibt, der mit dem Konzern Gespräche führt.

Den Gelüsten wegen des Börsengangs zum Trotz: Die Bahn gehört zur Daseins-Vorsorge der Menschen im ländlichen Raum. Dass muss die DB AG endlich begreifen. Sie und die Stadt Sulingen müssen einsehen, dass man nicht an Recht und Gesetz vorbei planen, nicht Strecken "kalt" entwidmen darf und dabei wie in der Vergangenheit mögliche Interessenten einfach ausbremst.

Bahnchef Rüdiger Grube soll sich dem Vernehmen nach selbst für die Abgabe des Bahnhofes Sulingen engagiert haben. Ganz schöner Aufwand des Konzern-Chefs für eine Strecke, die zumindest nach DB-Lesart überflüssig sein soll. Die Stadt Sulingen erscheint dabei wie ein willfähiger Gehilfe.

Es zeigt auch, dass Grube ebenso agiert wie sein viel gescholtener Vorgänger Hartmut Mehdorn. Grube sägt in Sachen Bahn-Infrastruktur munter weiter an dem Ast, auf dem er sitzt. Ihn scheinen die Interessen der Menschen im ländlichen Raum offenbar nicht zu interessieren.

Nun gibt es einen Interessenten und das ist vielleicht die letzte Chance. Politiker, die sich nun nicht kümmern, würden ihren Anspruch verwirken, zum Wohl der Bürger und der Kommune tätig zu sein. Worauf sie übrigens einen Eid abgelegt haben.

Die Deutsche Bahn AG hat fünf Feinde. Das weiß jeder Kunde. Ein sechster Feind kommt für den Staatskonzern hinzu und den will man offenbar auf Gedeih und Verderb "außen vor" halten – koste es, was es wolle: Der Mitbewerber. Im ostwestfälischen Interesse kann man nur hoffen, dass die DB AG und die Stadt Sulingen in Sachen Entwidmung/Südschleife Schiffbruch erleiden.

joern.spreen-ledebur@ihr-kommentar.de



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Kommentare
Wer Teilstücke der Strecke Rahden - Bremen entwidmen lässt oder in Sulingen größere Bahnflächen auf ein oder zwei Durchgangsgleise reduziert, raubt langfristig größeren Teilen der Bevölkerung die Chance auf Mobilität jenseits von Fahhrad oder Elektroroller. Jeder der es sehen will, wird wissen, dass in absehbarer Zeit Öl und Benzin und damit Energie insgesamt erheblich teurer sein werden. Zu teuer um drei Autos pro Familie auf dem Land finanzierbar zu halten. Spätestens dann wird ein flächendeckender öffentlicher Personnennahverkehr nötiger gebraucht denn je. Frachtverkehr wird logischerweise ebenfalls von LKW auf energieeffizientere Verkehrsträger verlagert werden müssen. Das Rückgrat dieses Personen- und Frachtverkehrs, kann egentlich nur die Schiene bilden. Die Entwicklung eines modernen flächendeckenden Eisenbahnnetzes, das im Nahbereich durch ein schickes Elektrobussystem ergänzt wird, steht auf der Tagesordnung. Dafür müssen Eisenbahntrassen ausgebaut werden. Politiker, die das Gegenteil tun und Schienenwege entwidmen lassen wollen, handeln nicht im Sinne der Menschen die sie vertreten sollen. Sie gehören abgewählt. Es ist Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass die Möglichkeit zur Mobilität für alle erhalten bleibt. Wer dann die Züge auf den Strecken betreibt muss ebenfalls die Politik im Interesse des Bürgers entscheiden. Wenn die DB das dann nicht tun will, muss sie sich nicht um die Ausschreibungen bewerben. Aber es darf nicht so bleiben, dass DB Manager, um die Gewinne der Aktionäre zu steigern, Bahnstrecken, die von uns Bürgern bezahlt wurden zerstören können. Der überwiegende Teil der Eisenbahner bei der DB sieht das übrigens ganz genau so. Schauen wir und hauen wir den Stillegungs- und Entwidmungs-Politikern und Bahn-Managern auf die Finger. Die Bahn gehört uns - bauen wir sie aus!

Sicher werden die das entwidmen.Die sind ja nicht dumm denn wer einmal auf der Schiene ist könnte ja auch durch Stuttgart fahren.Kann man ja von Sulingen oder sonst wo auch mit dem Auto.

Das ist eine klassisches Reaktion der DB AG. Solange die DB AG selbst Geld machen kann, wird der Wettbewerb verhindert. Jetzt, da ein Mitbewerber einen Verkehr aufnehmen möchte, will die DB AG die Strecke entwidmen, um damit die Konkurrenz zu behindern/auszuschalten. Das ist gegen den Willen der EU und auch der Bundesregierung (zumindest offiziell). Dieses Verhalten ist überall im Lande zu beobachten. Die DB AG versucht überall verbrannte Erde zurückzulassen. Kein Meter Schiene soll freiwillig den fähigeren Mitebewerber überlassen werden. Schuld an dieser Politik sind unsere Politiker selber. Mit dem geplanten Börsengang wird das Volksvermögen verschleudert und unsere wirtschaftliche Zukunft geradzu verhindert. Alle (stillgelegten) Strecken, auch die der Nichtbundeseigenen Bahnen (NE-Bahnen) sind für den (sofort und auch in naher Zukunft) internationalen Verkehr notwendig. Zudem gibt es zu bedenken, das die Strecken, Bahnhöfe und Grundstücke aus Steuermitteln finanziert wurden und auch bereitgehalten werden (sollten). Bei der Entwidmung sollte man wissen, das die Gelder vom Erlös in den Konzerngewinn fliesst und der öffentlichen Hand entzogen wird!!! Damit wird Volksvermögen im großen Stil privatisiert! Das ist den Bürgern noch nicht klar geworden und wird von der Politik gerne verschwiegen. Die Strecken sind rentabel und als Bypass (Krisen, Störungen, hohes Wirtschaftliches Transportaufkommen) erforderlich. Das Problem liegt in Berlin im Kanzleramt. Solange dort eine Schienenfeindliche Politik weiter fortgeführt wird, ist die Mobiltität der Wirtschaft und der Bevölkerung gefährdet. Daher hat diese Strecke auch eine bundesweite Bedeutung und nicht nur eine regionale. Die Bürger sollten sich mehr einmischen in die Belange ihres Eigentums und der Landes- und Bundespolitik. Keine Neubaustrecken, wenn vorhandene Strecken eine bessere, preiswertere und umweltverträglichere Lösung bieten, da diese den Verkehr großflächiger Verteilen können. Und dieser Winter hat gezeigt, wie es um die Eisenbahn bundesweit steht. Solange die Bahn an die Börse soll/will (sowohl die des Kunden, als auch an den Aktienmarkt) wird die Eisenbahn keine Chance haben. Jeder Bürger ist daher verpflichtet, sein Eigentum zu schützen. Besser ist es, einem ÖPNV-Fahrgastverband anzugehören, statt einem Autolobbyverband. Daher die Forderung: Keinen Meter schiene dem Aktienmarkt zu übelassen. Volksvermögen gehört in Volkshand.

statt stillegen.lieber grube von der db fristlos rausschmeissen.als marionette mehdorns.stadtwerke bie.sollten sich drum kümmern,bevor es wieder an die franzosen fällt.


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