Lübbecke. Einst war es das große Freiheitsversprechen einer ganzen Generation: das Auto. Doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Das ehemalige Statussymbol wird nun bei vielen Jugendlichen unter eher pragmatischen Gesichtspunkten gesehen.
"Dieser Trend verfestigt sich besonders in Ballungsräumen statt, wo junge Leute andere mobile Möglichkeiten haben", sagt Ralf Collatz, Pressesprecher des ADAC für Ostwestfalen-Lippe. "Sie nutzen dann lieber Bus und Bahn oder das sogenannte Car-Sharing."
Auch in Lübbecke ist die Wandlung vom begehrten zum reinen Nutzobjekt zu beobachten. "Hauptsache, ich kann überhaupt fahren", sagt Tim Horstmann. "Es muss kein eigenes Auto sein." Der 17-Jährige besucht zur Zeit die Fahrschule, ebenso wie Sebastian Schmidt und Niklas Fahrinsland. Die beiden haben ebenfalls eine eher lockere Einstellung zum eigenen Wagen. "Wenn sich ein günstiges Angebot ergibt, würde ich mir vielleicht ein Auto kaufen", meint Niklas "Ansonsten nicht, da ich vermutlich auch für mein Studium wegziehen werde." Sebastian hingegen ist viel mit seinem Fahrrad und seinem Mofa unterwegs.
Mit leuchtenden Augen über den Lack streichen
Für ihn ist ein eigenes Auto zweitrangig: "Es lohnt sich einfach nicht." Den Grund für diese pragmatische Haltung sieht Collatz zum einen in den unsicheren Berufsaussichten für Jugendliche. Zum anderen macht er die erhöhten Kosten dafür verantwortlich: "Die Beträge für das Auto sind in den letzten Jahren mehr gestiegen als andere Lebenserhaltungskosten. Für einen Fahranfänger und gleichzeitig meistens auch noch Berufsanfänger ist das kaum zu bezahlen."
Dazu komme das gesteigerte Umweltbewusstsein, das bei vielen jungen Leuten vorherrsche und sicher auch eine Rolle spiele. Es gäbe zwar noch eine gewisse emotionale Bindung an das Auto. "Das sieht man besonders auf Automessen, wenn Jugendliche mit leuchtenden Augen über den Lack eines neuen Modells streichen", meint Collatz und schmunzelt "Aber wenn es um den tatsächlichen Kauf geht, siegt dann doch der Pragmatismus."
Friedrich Schmale, Geschäftsführer des Autohaus Schmale, kann bisher keine rückläufigen Zahlen beim Autokauf von Jugendlichen erkennen, da besonders in der ländlichen Gegend der Wunsch bestehe, mobil zu sein. Allerdings meint auch Schmale, dass der Wagen als Statussymbol ausgedient hat: "Junge Leute kaufen schon noch Autos, aber sie legen keinen Wert auf schicke Felgen. Der Wagen ist meist reines Fortbewegungsmittel."