Fischsterben und Badeverbote sind die Folge / Betroffene fordern Niedersachsens Landesregierung zum Handeln auf
Lembruch. Der Dümmersee ist mit einem stinkenden Teppich aus Blaualgen überzogen, Fischkadaver treiben im Wasser. Tageweise war sogar das Baden verboten. Eine breite Gruppe von Betroffenen hat sich deshalb formiert. Sie fordert das Land Niedersachsen auf, den Dümmer zu sanieren. Doch schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht.
Das zweitgrößte Binnengewässer in Niedersachsen ist für viele Ostwestfalen ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Der Bielefelder Thomas Bunte ist fast jedes Wochenende dort, verbringt auch seinen Urlaub am Dümmer. Doch der Spaß ist getrübt: Die Blaualgenplage hat überhandgenommen. "Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie." Bunte hat deshalb auf der Internetplattform Facebook die Gruppe "Rettet den Dümmer" gegründet. Sie hat bereits fast 1.000 Mitglieder.
Ein Grund für die Algenplage sei laut Bunte die Überdüngung in der Region. Die als Blaualgen bekannten Organismen sind eigentlich Bakterien. Sie erzeugen Sauerstoffmangel im Wasser, der zum Fischsterben führt. Außerdem verursachen die abgestorbenen Bakterien einen starken Fäulnisgeruch.
Das hat auch Cornels Latsch erlebt. Er ist Vorsitzender des Bielefelder Segel-Clubs, dessen Mitglieder hauptsächlich auf dem Dümmer segeln. "Der blau-grüne Algenfilm geht mit einem grausamen Gestank einher." Es besteht sogar ein Gesundheitsrisiko für Menschen, denn Blaualgen können Giftstoffe bilden. Das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz hatte deshalb tageweise das Baden untersagt. Der Segel-Club hat verschiedene Institutionen angeschrieben, unter anderem den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU). "Wir haben noch nicht einmal eine Lesebestätigung bekommen. Das ist in meinen Augen wirklich arm", sagt Latsch.
Für die Tourismusbranche am Dümmer sind die Algen ein großes Problem. "Wir befürchten einen Rückgang der Gästezahlen", sagt Hendrik Wolff, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Dümmerland. Der Verband hat eine Unterschriftensammlung gestartet. Auch diese soll an die Landesregierung geschickt werden. Das Land Niedersachsen ist Eigentümer des Sees und hat jährlich etwa 150.000 Euro Einnahmen durch Pacht.
Kaum Algen in OWL
- Das NRW-Umweltministerium hat derzeit keine Badeverbote wegen Blaualgen für Badeseen in Ostwestfalen-Lippe ausgesprochen. "Wir haben keine Informationen über ein erhöhtes Blaualgen-Vorkommen", sagt Sprecher Peter Schütz.
- In Höxter gab es in diesem Jahr Probleme mit den Algen. Im Godelheimer See war von Anfang Juni bis Mitte August das Baden verboten.
- Das Problem wurde durch einen Kompressor, der Luft in den See pumpt, zumindest vorübergehend gelöst. Zudem testet die Hochschule OWL Muscheln, die das Wasser filtern sollen. (nibu)
Zu den Forderungen gehören unter anderem eine "effektivere Entschlammung", die die Wasserqualität steigern soll, und der Bau einer 20 Hektar großen Schilffläche, eines sogenannten Polders. Die Pflanzen sollen als natürliche Kläranlage dienen. Der Bau kostet voraussichtlich 20 Millionen Euro.
Auch der Landkreis Diepholz setzt sich für solche Maßnahmen ein. "Diese Ereignisse habe ich in meiner 20-jährigen Dienstzeit noch nicht erlebt", sagt Franz Vogel, Fachdienstleiter für Umwelt und Straßen beim Kreis, über die Algenplage. Im Kreistag wurde eine Resolution zur Seesanierung einstimmig angenommen. Zu den Unterstützern der Forderung nach einem Schilfpolder gehören außerdem Naturschutzverbände, Kommunen, Anlieger, Wassersportler und Angler.
Fischkadaver treiben im Wasser
Das niedersächsische Umweltministerium ist sich des Problems bewusst. "In diesem Jahr ist die Lage überraschend schlimm", sagt Sprecherin Inka Burow. Darum seien kurzfristig 100.000 Euro für eine Untersuchung zur Verfügung gestellt worden. Schon seit vielen Jahren gebe es einen Plan zur Sanierung des Dümmers. Ein Element dieses Plans ist die Errichtung des Schilfpolders. "Im Moment haben wir aber nicht viele Informationen in der Hand, ob der Polder den gewünschten Erfolg bringt. Darum brauchen wir weitere Gutachten", sagt Burow.
Laut Marcel Holy von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer hat es dazu bereits Untersuchungen gegeben. "Tatsächlich wären vor dem Bau des Polders noch offene Fragen zu klären, die generelle Funktionsfähigkeit wurde aber mit einem Versuchspolder nachgewiesen." Die Erstellung des Gutachtens würde etwa ein Jahr dauern. Danach müsste der Niedersächsische Landtag über die Investition entscheiden.
Thomas Bunte ist verärgert über die geplante Untersuchung. "Wir denken, dass das ein verschwendetes Jahr ist." Zuvor sei die Rede davon gewesen, das Geld für Vorplanungen des Schilfpolders einzusetzen. "Das ist Zeitschinderei, und der See hat keine Zeit mehr."
Für sie ist der Verursacher der ganzen Tragödie eindeutig die inzwischen "industrielle Landwirtschaft". Hier muß der Hebel angesetzt werden.
Die Idee Schilfpolder anzulegen kann teilw. helfen. Allerdings müsste dies einiges
in Größenordnungen von min. 200 ha sein. Gegen solche Anlagen steuert wohl
wiederum der Naturschutz. Zudem müsste das Land Flächen hierfür von der Land-
Wirtschaft aufkaufen. Problem: vorher kostete der qm ca. 1 €. Jetzt müsste das
Land 7, 8 oder gar 9 € pro qm zahlen. Ein Herr vom Umweltamt Hannover
soll bereits signalisiert haben, dafür überhaupt kein Geld mehr zu haben. Der
Haushalt sei schon fast pleite.
Alle Maßnahmen, um Einträge von Stickstoffen und Phosphaten zu mindern werden
sich schwierig gestalten, weil die "Giftstoffe" nicht nur über bekannte Zuflüsse und
Grundwasser in die Hunte und Dümmer gelangen. Und das vor allen Dingen im Osnabrücker Raum
Vor allen Dingen nach dem wasserkreuz Mittellandkanal. Es gibt angeblich viele kleine Kanäle, die auch noch mit einer darunterliegenden Drainage versehen sind. Ganz schlimm !
Damit gelangen besagte Stoffe unkontrolliert in den Zufluss zum See.
Dazu kommt noch, dass diverse Großbetriebe ihre Felder bis an den Rand der Hunte
nutzen. Es geht also von den Feldern gleich in die Hunte.
Die Landesregierung muß also unter Druck gesetzt werden, damit sie auf die Bauern-verbände massiv einwirkt, Einträge zu mindern oder ganz zustoppen.
Angesprochen auf die Befahrungsgebühr (wir zahlen 80 € pro Platz, es waren mal über 2000 Boote am Dümmer zugelassen) dass das Geld an das Landwirtschaftsministerium geht, also nicht an das Ministerium für Umweltschutz.
01.09.2011
W. G.