PR. OLDENDORF
Elternabend zur geplanten Sekundarschule in Pr. Oldendorf / Zwei Säulen
Pr. Oldendorf. "Binnendifferenziert", "inklusiv" und mit "offenen Unterrichtsformen" - so soll sie sein, die neue Sekundarschule. Alle diese modernen Zauberformeln der Pädagogik klingen natürlich erstmal wie Musik in den Ohren der Eltern, die jetzt zum Informationsabend in die Aula der Hauptschule kamen. Genau in diesem Gebäude soll die brandneue Schule untergebracht werden. Sie wird von den beteiligten Pädagogen und der Verwaltung als "die Zukunft des Schulsystems" gepriesen.
Der "Pädagogische Ausschuss" ist in Mannschaftsstärke angetreten, um die Sekundarschule den Eltern von jetzigen Grundschülern schmackhaft zu machen.
Dabei redet vor allem Universitätsprofessor Dr. Bernd Zymek ihnen den Mund wässrig und schwärmt: "In Zukunft wird das Schulssystem auf zwei Säulen stehen: Der Sekundarschule und den Gymnasien. Eine der ersten dieser Schulen steht dann in Pr. Oldendorf."
Ebenso steht eine enge Kooperation mit den Schulen, die zum Abitur führen, auf der Agenda. Friedhelm Sauerländer vom Wittekind-Gymnasium in Lübbecke, Christiane Seibel vom Söderblom-Gymnasium Espelkamp und Stefan Becker vom Berufskolleg Lübbecke sichern vertraglich zu, dass sie die Schüler mit "Q-Vermerk" bei sich aufnehmen.
So stolz die Oldendorfer ihr "Preußisch" im Namen tragen, das dreigliedrige Schulsystem aus Kaiserzeiten soll jetzt eingemottet werden.
Praktisch existieren während der Übergangszeit drei Schulen im Stadtgebiet. Grund für die Umstrukturierung auf nur noch eine Sekundarschule sind die zurückgehenden Schülerzahlen. Zwei Schulen sind dauerhaft nicht mehr tragfähig. In der 5. und 6. Klasse lernen die Kindern zukünftig integriert, was bedeutet, dass noch keine Unterscheidung der Lernstärke getroffen wird, wie es eigentlich nach der Grundschulzeit mit der Schulempfehlung üblich ist. Es wird während des Unterrichts jedes Kind individuell gefördert.
Eine Aussage, die bei den Eltern erstmal für Skepsis sorgt: "Braucht es dafür nicht neue Lehrer?", fragt eine Mutter. Grundschulrektorin Elise Hülsermann beruhigt: "Unsere Kollegen können dass genauso gut." Fortbildungen für die ersten Sekundarschullehrer sind dennoch geplant.
Immer wieder ist von einer "integrativen Schule" die Rede. Somit sollen Kinder mit Behinderung ebenfalls in Pr. Oldendorf beschult werden. "Wie soll das funktionieren?", möchte ein Elternteil wissen. Sonderschulleiter und Moderator des Abends Axel Grothe erklärt, dass "es Sonderpädagogen an der Sekundarschule geben wird. In beratender Funktion, aber auch in den Klassen als Lehrer."
Ein Vater zeigt sich angesichts des fehlenden Technikunterrichts besorgt, "gerade bei vielen technischen Unternehmen in unserer Umgebung". Dieser Unterricht werde dann in in den höheren Klassen durch den Arbeitsbereich "Gestaltung und Beruf" abgedeckt. Weitere Bereiche sind "Arbeit und Soziales" und das im Schulprofil verankerte Leitmotiv "Sport und Gesundheit".
Auf die Stadt als Schulträger kommt weitere Planungsarbeit zu. Eine Mutter möchte wissen, wie es mit den Gebäuden der Haupt- und Realschule weiter geht. Bürgermeister Jost Egen erklärt: "Wir beginnen in einem barrierfreien Trakt der Hauptschule. Später brauchen wir eine größere Cafeteria. Alles weitere wird die Zeit zeigen. Wir hoffen auf finanzielle Unterstützung vom Land."