Espelkamp (nw/hak). Bietet eine Sekundarschule die besseren Bildungschancen oder wäre doch eine Gesamtschule für Espelkamp besser? Die Espelkamper SPD will weder das eine noch das andere im Vorfeld kategorisch ausschließen, bevor diese beiden Varianten nicht ausgiebig geprüft und betrachtet wurden.
Fraktionsvorsitzender Reinhard Hülsmann und Stadtverbandsvorsitzender Reinhard Bösch möchten ihre Vorstellungen und Visionen zur Schullandschaft in Espelkamp weiterhin konstruktiv und in einem offenen Dialog mit allen Beteiligten - vor allem aber auch mit den Eltern - weiter entwickeln.
Die Bildungskonferenz, besetzt mit regionalen Bildungsvertretern, Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung und Kirche sowie Eltern- und Schülerschaften, habe nicht über die eigentliche Schulform beraten, sondern lediglich über die Inhalte und Aspekte, die eine zu findende Schulform aus ihrer Sicht unbedingt vereinen müsse, stellen Hülsmann und Bösch im Nachgang zur Sitzung des Schulausschusses fest. Die Vorgaben aus der Bildungskonferenz würden nicht nur mit einer Sekundarschule erfüllt, sondern auch mit einer Gesamtschule. Aus diesem Grund sollte die Elternbefragung und der Auftrag an den Schulplaner Dr. Garbe dahingehend ergänzt werden, alternativ zur Sekundarschule die Gründung einer Gesamtschule zu prüfen und zu planen. Schließlich gehe es bei der zu findenden Schulform um eine, die mindestens für die nächsten 25 Jahre die Bildungskarriere der Kinder prägen werde.
"Doch geht es unter anderem nach den Willen der CDU-Fraktion, werden bereits im Vorfeld zur weiteren Schulentwicklungsplanung die Bildungschancen unserer Kinder eingeschränkt und der mögliche Elternwille zensiert", heißt es in der Erklärung von Hülsmann und Bösch. Durch den Hinweis auf die politischen Mehrheitsverhältnisse scheine es "fast so, als befürchte die CDU-Fraktion in der Elternschaft nicht die Mehrheit zu haben."
Bei der Findung der Schulform sei es "wichtig, dass nicht allein zu entscheiden, sondern nur mit der Zustimmung der Eltern. So wollen wir die beste Möglichkeit für Espelkamp gemeinsam finden. Doch dazu müssen wir uns alle Bildungsmöglichkeiten offen halten und deren Unterschiede kennen", erklären die beiden Sozialdemokraten. Die CDU-Mehrheit scheine "wohl lieber Bildungskarrieren zu diktieren, statt alle Möglichkeiten offen zu halten, diese sinnvoll abzuwägen und eventuell den Elternwillen zu respektieren."
Eine Gesamtschule bedeute nach Ansicht von Hülsmann und Bösch "Bildungschancen, die die Sekundarschule so nicht bietet. Die Gesamtschule könnte mit einem technischen Abitur die Bildungslandschaft in Espelkamp ungemein bereichern. Dieses Abitur könnte unseren Kindern und Jugendlichen ungeahnte berufliche Chancen ermöglichen. Denn als hoch technologischer und innovativer Wirtschaftsstandort benötigen unsere Unternehmen stets kreative und hochqualifizierte Fachkräfte."
Bei allen Überlegungen zur Schullandschaft sei der Erhalt des Gymnasiums eine Voraussetzung. Doch wir sehen mit dem technischen Abitur mehr Perspektiven und Chancen für unsere Kinder. Dabei müsste die Gesamtschule sich selbstverständlich zum Gymnasium ergänzen und somit eine weitere Bildungschance eröffnen, statt eine zukünftige zu versagen."
Warum Dr. Garbe mit der Gründung einer Gesamtschule gerade in Espelkamp eine Gefahr für das Gymnasium sehe, "bleibt uns jedoch bisher noch verschlossen. Schließlich wurde dieses Szenario bisher keiner intensiveren Prüfung unterzogen." In anderen Gemeinden, wie zum Beispiel Warendorf, betone er, Garbe, zumindest, dass die Gründung einer Gesamtschule auf keinen Fall die bestehenden Gymnasien gefährden werde. "Aber da schlägt er ja auch die Gründung einer Gesamtschule selbst vor. Wieso er also gerade für Espelkamp diese Prognose trifft, bleibt wohl sein Geheimnis. Überzeugende Argumente scheint es dafür jedenfalls nicht zu geben beziehungsweise sie entziehen sich wohl unserer Kenntnis."
Jüngste politische Ereignisse ließen "darauf hoffen, dass wir die Diskussion nicht frühzeitig abrechen müssen, denn selbst die CDU-Fraktion scheint Gesamtschulen mittlerweile grundsätzlich positiv gegenüber zu stehen", heißt es abschließend in der Stellungnahme von Reinhard Hülsmann und Reinhard Bösch.