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20.12.2011
PETERSHAGEN
Düstere Zukunft für die Weserfischerei
Dioxinwarnung belastet Familienunternehmen
VON UWE VINKE

Besorgt | FOTO: UWE VINKE

Petershagen. Die Aalschokker unterhalb der Staustufen in Petershagen und Schlüsselburg gehören zum Stadtbild und sind für Touristen ein Hingucker. Dies könnte bald vorbei sein.

Mit Sorge blickt Martin Reiter, der letzte Berufsfischer an der Weser in NRW, auf seinen Aalfänger. In diesem Jahr mussten die Netze an Bord bleiben. Grund: Niedersachsen warnt vor dem Verzehr von Flussaalen wegen möglicher Dioxinbelastung. NRW untersucht noch.
"Ich bin seit 60 Jahren Aalfischer", erzählt Reiter. 1972 ließ er sich den ersten Aalschokker bauen, ein Flussschiff mit Netzauslegern. "Pro Jahr haben wir bis zu fünf Tonnen Aal aus der Weser geholt." 1996 übergab er das Unternehmen an Sohn Manfred.

Seit Mai keinen Aal mehr gefangen

Der ist heute auf der Suche nach einem anderen Einkommen, denn seit Mai ist kein einziger Aal gefangen worden. "Man lässt uns im Regen stehen", schimpft Edeltraud Reiter, und Ehemann Martin ergänzt: "Hier ist das Land Nordrhein-Westfalen endlich gefordert."
Im April hatte eine Untersuchung in Niedersachsen erhöhte Dioxinwerte bei Flussfischen ergeben, es folgte die Verzehrwarnung auch für Aale. NRW hat sich bis heute für seine Flusskilometer nicht geäußert.

"Wir haben überall nachgefragt und keine Antworten erhalten", erklärt Edeltraud Reiter. Auf Anfrage dieser Zeitung teilte das zuständige Ministerium jetzt mit, man werde eine Empfehlung aussprechen, sobald das Ergebnis eigener Untersuchungen vorliege. "Spätestens Anfang 2012" soll es so weit sein.

Jeden Fisch auf Belastungen untersuchen

Verwiesen wird in Düsseldorf darauf, dass es kein Fangverbot gebe, also in der Weser gefischt werden dürfe. Jedoch müsse der Fischer jeden Fisch vor Verkauf auf Belastungen untersuchen. "Er handelt auf eigene Verantwortung", so Wilhelm Deitermann vom Verbraucherschutzministerium. Werde dabei festgestellt, dass die Belastung zu hoch sei, dürfe der Aal nicht verkauft werden.

"Diese Vorgabe lässt sich unmöglich umsetzen", meint Martin Reiter. Ehefrau Edeltraud: "Wir haben den Verkauf eingestellt." Kunden müssten seit Monaten vertröstet werden. Martin Reiter vermutet, dass die Behörden eigentlich darauf aus sind, die Flussfischerei auf der Weser ganz abzuschaffen.

"40 Prozent der Aale sollen jährlich zum Laichen die Nordsee erreichen", verweist er auf Vorgaben des Landes. Dies sei bei sieben Staustufen mit Wasserkraftwerken nicht zu erreichen – allein in Schlüsselburg seien 30 Prozent der gefangenen Aale durch Turbinen geschädigt. "Wir machen die Weser zum Industriegraben", seufzt Martin Reiter.

Schon vor zwei Jahren sei ihm vorgeschlagen worden, den Aalschokker in Petershagen nur noch für Touristen zu erhalten. Wirtschaftlich blickt die Fischerfamilie in eine düstere Zukunft. Edeltraud Walter: "Wir leben zurzeit vom Ersparten, aber so geht es nicht weiter."

Kommentare
@MikeCux
Eben, die Familie lebt seit 7 Monaten ( !) von Ihren Ersparnissen. Ich verdiene echt nicht schlecht, aber das wäre für meine Familie unmöglich.
Wenn ich ein oder zwei Monate nichts mehr verdienen würde, muss ich mir was Anderes suchen. Und nicht nach sieben Monaten eine Zeitung aufsuchen.

Viele denken immer noch, der Aal sei "Massenware"...Dies ist leider schon seit einiger Zeit nicht mehr so und wer weiß, wie einzigartig die Vermehrung dieser Tiere ist sollte begreiffen, dass es in jeder Hinsicht 5 vor 12 ist.

@Jan
Denkfehler... es gibt keinen Aal, der aus Deutschland kommt! Alle Aale dieser Welt kommen aus der Saragossasee!

DER AAL IST UNS EGAAL-

wir brauchen aber DRINGEND einen Nationalpark!

Lachnummer!

@Voker
Verstehe ich nicht. Wer jammert auf hohem Niveau ?
Laut Artikel lebt die Familie von den Ersparnissen, weil Behördenschach gespielt wird und der Fluss nicht ausreichend geschützt wird.

Wann kapieren die Menschen eigentlich, dass eine intakte Natur unsere Lebensgrundlage ist und nicht irgendein Luxus, den man sich leisten kann oder auch nicht.
Aber mit Wachstum und Arbeitsplätzen kann man jede Umweltschweinerei rechtfertigen. Echt traurig.



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