Stemwede (-sl-). Liegt tief unter Stemwede ein nennenswertes Erdgas-Vorkommen? Exxon Mobil wollte das wissen. Mit seiner Informationspolitik hatte der Energiekonzern in Stemwede aber angeeckt. Deutliche Kritik gab es, als der Konzern an der Probebohrung "Oppenwehe 1" einen Lagerstätten-Drucktest vornahm und dafür 25.000 Liter Diesel ins Bohrloch gekippt hatte. Entgegen der Zusage, stets über neue Entwicklungen informieren zu wollen, hatte der Konzern die Stemweder nicht über den Test informiert.
Nun hat Exxon bei der für Bergrecht zuständigen Bezirksregierung Arnsberg einen Betriebsplan eingereicht, um eine Genehmigung des Abpumpen des Diesels zu bekommen. Das berichtete Birgit v. Lochow, Leiterin des Fachbereichs Bauen der Gemeinde Stemwede, während der Sitzung des Bauausschusses. Mit einem speziellen Verfahren solle der Kraftstoff ohne Rückstände aus dem Bohrloch geholt und durch Stickstoff ersetzt werden. Grund für dieses Vorgehen sei laut Exxon nicht eine Gefährdung der Umwelt - die hatte der Konzern laut eigener Darstellung wiederholt ausgeschlossen. Als Grund habe Exxon allein das "öffentliche Interesse" genannt, sagte v. Lochow.
Gefährdungen hatte Exxon wie berichtet auch ausgeschlossen, wenn das Frac-Verfahren eingesetzt werde - das liegt in Oppenwehe auf Eis. Beim Frac wird mit Chemikalien versetztes Wasser ins Gestein gepresst, um so künstliche Fließwege zu erzeugen. Fachleute hatten dagegen gewarnt, dass durch undichte Stellen im Bohrloch durchaus Gefahren für das Grundwasser entstehen könnten.
Energieberater Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik aus München etwa hatte sich in einer Studie mit den Risiken unkonventioneller Gasförderung befasst. Er hatte wie berichtet vor einiger Zeit darauf verwiesen, dass durch eine schlechte Zementierung im Bohrloch durchaus Stoffe austreten könnten.
Hinsichtlich des nun eingereichten Betriebsplanes zum Diesel-Entfernen entscheide die Bezirksregierung Arnsberg, sagte Birgit v. Lochow. Die Gemeinde Stemwede sei an dem Verfahren nicht beteiligt. Sie müsse von der Bezirksregierung auch nicht informiert werden - das sei "Goodwill".
Das wiederum schien den Mitgliedern des Ausschusses nicht sonderlich zu gefallen. "Exxon wird uns schon informieren", meinte Stemwedes Bürgermeister Gerd Rybak (CDU). "So ausführlich wie in der Vergangenheit?!?" - mit dieser spitzen Äußerung sorgte Ausschuss-Vorsitzender Andreas Weingärtner (CDU) für Gelächter.