Betriebskonzept für Sulinger Kreuz weitgehend fertig / Klage gegen den Bund wird nun doch eingereicht
Rahden (-sl-). Die Bemühungen zur Wiederbelebung des Sulinger Kreuzes und damit der Bahnstrecke von Rahden nach Bremen gehen in die nächste Runde. Das Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bünde-Bassum (AEBB) wird eine gemeinnützige GmbH auf den Weg bringen, die dann als Betreibergesellschaft auftreten wird. Auch ein Name für diese Gesellschaft ist jetzt gefunden: "Dümmer-Weser-Bahn".
Die Betriebsgenehmigung, die die Bonner-Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) nun auf den Weg bringen wird, ist jetzt zunächst für den Abschnitt von Sulingen nach Bassum beim Verkehrsministerium in Hannover und der Landeseisenbahnaufsicht beantragt worden. Das erklärte gestern AEBB-Vorsitzender Matthias Huck. Sollte die Genehmigung erteilt werden, dann könnte die Strecke wieder instand gesetzt und von der RSE befahren werden.
Für die Wiederbelebung des Abschnittes nach Bassum müsste eine neue Bahnbrücke über die Bundesstraße 61 gebaut werden. Das AEBB prüft, ob hier eine gebrachte Konstruktion eingebaut werden kann. Eine solche mögliche Brücke habe man bereits gefunden, sagten die AEBB-Aktiven Matthias Huck und Bernd Vollmer.
Weitgehend fertig gestellt ist auch ein Betriebskonzept, erklärte Huck. Nur einige Details müssten noch verfeinert werden. Im Personenverkehr könnte in Richtung Bassum ein Stundentakt angeboten werden, auf der Linie Sulingen-Nienburg durch eine Bürgerbahn ein Zwei-Stunden-Takt. Diese Angebote könnten kostendeckend gefahren werden. Wenn diese Strecken angelaufen seien, dann wäre der Abschnitt von Sulingen nach Rahden an der Reihe.
Bekanntlich hat das Eisenbahnbundesamt aber die Umgehungsbahn ("Südschleife") genehmigt. Damit wäre der Bau einer Verbindungsbahn zwischen den Strecken Rahden-Bassum und Diepholz-Nienburg möglich - der Bahnhof Sulingen würde abgekoppelt und die Rahdener Linie unterbrochen.
Die Stadt Sulingen, die lange auf die Südschleife gesetzt hatte und sie bezahlen wollte, wird das Vorhaben nicht weiter verfolgen. Im Rat hatten sich wie berichtet die Mehrheiten geändert. SPD, Grüne und Freie Wähler, die das Projekt ablehnen, haben nun die Mehrheit. Bürgermeister Harald Knoop verwies gestern gegenüber der NW auf den Beschluss des Verwaltungsausschusses der Stadt. Der DB werde das mitgeteilt, sagte Knoop.
Bei den Planungen für die Stadtsanierung und eine bessere Anbindung von Gewerbebetrieben und Schulen durch eine Straße über das Bahngelände habe man nicht gewusst, dass dann eine Entwidmung der Bahnstrecke erforderlich sei. Die Stadt wolle aber nichts kaputtmachen. Der Trassenkorridor werde freigehalten, erinnerte Knoop an wiederholte frühere Aussagen.
Unklar ist nach wie vor, wie sich die bundeseigene Deutsche Bahn AG verhalten wird. AEBB-Vorsitzender Huck vermutet, dass der Staatskonzern die Südschleife auf eigene Rechnung bauen will. Wenn Investoren für den Wiederaufbau der Strecken da seien und das finanzierten, dann wolle die DB "den Kuchen selber backen und fahren". Diese Ansicht, die aus Richtung DB gekommen sein soll, kann Huck nicht teilen. "Kein privates Unternehmen wird ein staatliches finanzieren."
In der vergangenen Woche gab es zwischen der DB und der RSE Gespräche, sagte Daniel Preis von der Bonner Privatbahn. Das Klageverfahren gegen den Planfeststellungsbeschluss habe bis zu diesem Gesprächstermin geruht. "Nun wird die Klage endgültig erhoben", machte er gestern deutlich. Die DB wolle die Südschleife umsetzen, erklärte Preis.
Daher beschreitet die RSE als privates Bahnunternehmen nun doch den Klageweg gegen die Bundesrepublik Deutschland. Das Eisenbahnbundesamt ist schließlich eine Behörde des Bundes.
Die DB hüllte sich gestern wie schon gewohnt in Schweigen. Ein Sprecher teilte auf NW-Anfrage lediglich mit, dass es aus DB-Sicht "keinen neuen Sachstand gibt".
Der Rahdener CDU-Landtagsabgeordnete Friedhelm Ortgies hatte bei einer Veranstaltung im April vorigen Jahres im Bahnhof Rahden angekündigt, wegen einer möglichen Wiederbelebung der Bahn mit den Beteiligten sprechen zu wollen. Mit wem er seitdem konkret gesprochen habe - dazu äußerte sich Ortgies trotz wiederholter Nachfragen bis gestern nicht.