Minden (nw). Mehr als ein Jahr lang wurde ein Mindener Verbraucher von der Abrechnungsstelle eines Stromlieferanten mit Mahnschreiben verfolgt, ohne dass er Kunde war. Mangels hausinterner Kommunikation endeten seine Gespräche am Servicetelefon ergebnislos. Und während ihm gestern der Firmenanwalt wieder schrieb, entschuldigte sich das Unternehmen gleichzeitig nach der Anfrage dieser Zeitung zum Fall.
"Da weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut", ist die Vermutung des Stromkunden aus Minden. Erst kürzlich sah er einen Fall aus Holte Stukenbrock im Fernsehen. Ein Verbraucher bekam seit einem Jahr Rechnungen für Strom, den er nie bezogen hatte. Trotz Anrufs beim Servicetelefon und Briefen an die Geschäftsführung blieben Mahnungen und Anwaltsschreiben nicht aus. "Mein Fall ist aber schlimmer", meint der Mindener.
Der Fall begann am 1. Juni 2010, als der Rentner sein vermietetes Haus mit Grundstück am Hessenring verkaufte - worüber der Stromlieferant des Mieters auch informiert worden sei. Nach dem Eigentümerwechsel zog der Mieter aus. Doch im November schickte die Gesellschaft Post an den ehemaligen Eigentümer - der seinen Strom sonst von der Konkurrenz bezog - und begrüßte ihn als Neukunden für das Grundstück am Hessenring. "Ich habe das natürlich sofort am Servicetelefon richtiggestellt", so der Mindener. Die Nummer war im Schreiben angegeben.
Doch am 9. Februar 2011 erhielt er eine Schlussrechnung (164 Euro) und Jahresrechnung (53 Euro) zum Verbrauch des Hauses, von dem er sich schon vor acht Monaten getrennt hatte.
"Ich hatte daraufhin erneut eine Richtigstellung des Vorgangs in die Wege geleitet", sagt der unfreiwillige Neukunde. Natürlich zahlte er die Beträge nicht.
So folgten eine Mahnung mit Hinweis auf eine mögliche Sperrung des Stroms, eine letzte Mahnung - und dann, am 6. Juli 2011, die Post des Potsdamer Anwaltsbüros Ecoris. Die Kanzlei vertritt Eon Westfalen Weser bei Rechtsangelegenheiten. Sie forderte von dem Mindener nun 218 Euro und drohte mit "kostenpflichtigen Maßnahmen".
"Wenn ich die Servicenummer wählte, wurde der Vorfall zwar registriert, meine Briefe und Einwände, die ich bereits abgeschickt hatte, waren dort aber unbekannt", erinnert sich der Mindener. Nachdem mündliche und schriftliche Klarstellungen nicht fruchteten, verweigerte er den Empfang der Post. Doch nachdem er am 14. Juli Widerspruch gegen das Anwaltsschreiben eingelegt hatte, begann alles von vorne.
"Herzlich willkommen bei Eon Westfalen Weser Vertrieb", hieß es bereits am 17. Juli. Wieder sollte er Stromkunde für das längst verkauften Haus am Hessenring sein. Diesmal kam zuerst die Mahnung mit Hinweis auf mögliche Sperrung. Dann folgte die Mahnung. Und schließlich die Schlussrechnung. Eine Servicetelefonistin forderte nun eine notarielle Kopie des Eigentümerwechsels des fraglichen Hausgrundstücks. Und der Eon-Anwalt schickte am 18. Januar eine Forderung von 291 Euro inclusive der Drohung.
Übrigens: Am Donnerstag erhielt der Mindener wieder Post aus Potsdam für 218 Euro aus der vorherigen Mahnakte. "Wir können uns nur entschuldigen und bereinigen den Fall", erklärte - ebenfalls gestern - Edgar Schroeren, Pressesprecher von Eon Westfalen Weser Vertrieb. Hintergrund des Vorfalls sei die gesetzlich vorgeschriebene Trennung der Abrechnungssysteme für das Versorgungsnetz und die Energielieferung. "Das ist ein komplexer Datenaustausch zwischen zwei Systemen."
Wie aber kann man sich aus der Klemme zwischen zwei Unternehmen befreien? Die Mindener Verbraucherberatung empfahl dem unfreiwilligen Kunden, sich einen Anwalt zu nehmen. Der Pressesprecher von Eon wies auf den Treffpunkt Energie (Lindenstraße 36 in Minden) seines Unternehmens hin. Hier hätte das Personal vermutlich besser helfen können, als die Kräfte am Servicetelefon.
Unseriöse Firmen wissen das und vertecken oder verschweigen deshalb diese Information.
Übrigens ist ein Fax an eine 01805 Nummer billiger als ein Brif oder ein Anruf.