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04.02.2012
STEMWEDE-HALDEM
"Sehe mich als Vermittler"
Neuer Gemeindeheimatpfleger Klaus Winkelmeier hat viel vor
VON SONJA ROHLFING

Geschichtsträchtiger Ort | FOTO: SONJA ROHLFING

Stemwede-Haldem. Die potenziellen Arbeitsfelder sind fast unbegrenzt. Direkte Vorgaben, was er in Angriff nehmen soll, hat Klaus Winkelmeier allerdings nicht. Nachdem alle politischen Gremien ihr Okay gegeben haben, ist der neue Gemeindeheimatpfleger jetzt seit dem 1. Januar offiziell im Amt. Groß sind dabei die Fußstapfen, die ihm sein Vorgänger Wilhelm Dullweber hinterlassen hat.

"Wilhelm Dullweber ist eine Ausnahmeerscheinung. Ich habe nicht vor zu versuchen, in seine Fußstapfen zu treten", hebt Klaus Winkelmeier hervor. Wilhelm Dullweber habe ein unglaubliches Wissen über die Menschen und das Leben hier. "Ich kenne ihn schon aus meiner Jugend. Jetzt begegnen wir uns auf einer neuen Ebene", erklärt der gebürtige Haldemer.

Wilhelm Dullweber sei sehr aktiv und werde auch weiterhin präsent sein. "Es ist gut, dass er noch da ist", betont Klaus Winkelmeier. "Ich sehe mehr ein miteinander - Fußstapfen nebeneinander." Als neuer Gemeindeheimatpfleger habe er schon vor, eigene Schwerpunkte zu setzen.

Heimatpflege wird in der Regel spontan mit Museen oder ähnlichem in Verbindung gebracht. Zwar gehört es zu den Aufgaben eines Heimatpflegers, dazu beizutragen, Gewachsenes und Traditionen, die gut und wichtig sind, zu erhalten und zu pflegen. Genauso zählt aber auch dazu, den Blick auf die Gegenwart zu lenken. "Wie gelebt wurde, hat Nachwirkungen bis heute. Wie wir leben, wirkt sich auf die nachfolgenden Generationen aus", verdeutlicht der neue Gemeindeheimatpfleger.

"Es gibt hier tolle Sachen. Auf dem Land passiert sehr wohl was", stellt Klaus Winkelmeier fest, der nach verschiedenen Stationen vor drei Jahren wieder nach Haldem zurückgekehrt ist. Dass ihm die Gemeinde einerseits vertraut ist, er sie aber durch die lange Abwesenheit mit den Augen eines Neubürgers betrachtet, empfindet er als Vorteil für seine Aufgabe.

Noch sieht er sich in der Phase des "Hineinwachsens". "Man kommt mir mit viel Zuspruch und Wohlwollen entgegen", freut er sich.

Interesse an Geschichte war bei Klaus Winkelmeier immer vorhanden. "Ich hatte Geschichte als Abiturfach", erzählt er und schmunzelt. Er macht in der Geschichtswerkstatt Haldem mit und hilft als Aktiver, das Dorfarchiv aufzubauen. Und irgendwann habe Wilhelm Dullweber angefragt, ob er nicht den Posten des Gemeindeheimatpflegers übernehmen wolle, erinnert sich Klaus Winkelmeier. "Ich habe mir überlegt, dass das eine interessante Aufgabe sein könnte."

Als "Chef" über 13 Ortsheimatpfleger fühlt er sich nicht. "Ich sehe mich eher als Vermittler", sagt Winkelmeier. Den Austausch der Ortsheimatpfleger untereinander zu fördern und Kontakt zu halten zu Heimatvereinen, Dorfwerkstätten, Politik, Verwaltung und Presse, das ist ihm ein wichtiges Anliegen.

"Hier zu begleiten, zu sehen, wo die Ortsheimatpfleger ihre Schwerpunkte und Bedürfnisse haben, wahrzunehmen was fehlt und was ich tun kann, da sehe ich meine Aufgabe", erklärt der 54-Jährige. Als Gemeindeheimatpfleger werde er dabei Stemwede als Ganzes im Blick haben.

Von Anfang an arbeitet Klaus Winkelmeier in der Zukunftswerkstatt im Arbeitskreis "Gesundheit und Generationen" mit. "Das ist nicht aus meiner Aufgabe als Gemeindeheimatpfleger gewachsen, passt aber gut zusammen", merkt er an.

Der Haldemer hat die von Robert Jungk entwickelte Idee der Zukunftswerkstatt bereits während seines Studiums kennen gelernt. "Es ist ein gutes Werkzeug, interessierte Bürger mitgestalten zu lassen. Ich finde toll, dass es das hier gibt", urteilt Klaus Winkelmeier.

Er hofft, dass zunehmend Menschen Lust verspüren, aktiv an ihrer Heimat mitzugestalten. Heimat sei ein Lebensgefühl und eine wichtige Basis für Identität. "Ich freue mich darauf, was hier werden will", blickt er optimistisch in die Zukunft.

   

Haldemer – aber Neubürger

Klaus Winkelmeier ist in Haldem aufgewachsen. Auf die Realschule Rahden folgten das Abitur am Söderblom-Gymnasium in Espelkamp, der Zivildienst im Wittekindshof und ein Landwirtschaftsstudium in Göttingen. Danach war er auf biologischen Betrieben an der Schweizer Grenze und in der Schweiz beschäftigt.

Gemeinsam mit seiner Frau Petra baute er ein Naturkostfachgeschäft in der Nähe von Stuttgart auf. Nach 20 Jahren stand das Paar vor der Frage, im Laden in der Stadt im Schwäbischen zu bleiben oder sich zu verändern. Die Entscheidung fiel, dem Wunsch nach Entschleunigung folgend, zugunsten des Landlebens in Stemwede aus. Vor drei Jahren ist Klaus Winkelmeier nach Haldem zurückgekehrt. Das Ehepaar wohnt in Sichtweite zum Haldemer Schloss. Zur Familie des 54-Jährigen gehören zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe seiner Frau. (son)



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