Espelkamp. Mathias Johannmeier, bekannter Orgelbauer aus Bad Essen, zeigt dem Fotografen eine metallene Orgelpfeife. "Daraus kann man jetzt trinken". In der Tat: Sie blitzt und blinkt innen wie außen.
Fast liebevoll streicht er über die danebenliegenden Pfeifen, die allerdings aus Mahagoniholz gebaut worden sind. Sie haben einen warmen rötlichen Farbton. Alles ist sauber, gereinigt, der Schimmel beseitigt. Sonntag erklingt die "Königin der Instrumente", so wird eine Orgel auch gern bezeichnet, wieder mit ihrer vollen Stimme in der katholischen Marienkirche in Espelkamp.
Mehrere Monate lang mussten die katholischen Christen Espelkamps zum Teil ganz oder teilweise auf den vollen Einsatz des sie begleitenden Instrumentes im Gottesdienst verzichten. Denn Johannmeier, der eigentlich nur angefordert worden war, um das Instrument zu reinigen, musste schließlich doch deutlich mehr Arbeiten an der "Königin" verrichten, als geplant war.
Nach dem Öffnen des Orgelgehäuses und dem Ausbau der 1.132 Pfeifen zeigten sich Schäden, mit denen so niemand gerechnet hatte. So musste schließlich mehr oder minder das gesamte Instrument auseinandergebaut und schließlich auch wieder zusammengesetzt werden. Die Pfeifen nahm er teilweise mit in seine Werkstatt, wo er eine spezielle Reinigungsvorrichtung besitzt.
Johannmeier hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt und ist mit Leib und Seele Orgelbauer. Er ist nicht nur als Restaurator tätig sondern bespielt die "Königin" auch selbst. Er spielt oft selbst im Gottesdienst in Barsinghausen und Blasheim und kennt somit auch die Stimme seines Instrumentes sehr genau und hört auch auf deren Feinheiten. Auch die Orgel in der benachbarten Thomaskirche der evangelisch-lutherischen Martinskirchengemeinde kennt er sehr genau, hat er diese oft selbst gereinigt und auch schon gespielt.
Als er das Gehäuse der Speith-Orgel –erbaut im gleichnamigen Orgelbaubetrieb in Rietberg – in der Marienkirche öffnete, bot sich ihm zunächst ein erschreckendes Bild. "Überall war Schimmel. Er blühte aus allen Ecken und Enden. Wenn nichts getan worden wäre, wäre das Instrument bald schrottreif gewesen", sagte er im Gespräch mit der NW.
Pfarrer Wolfgang Brinkmann, der die gesamte Öffnung der Orgel und die Reinigung mitverfolgte hatte, zögerte nicht lange und informierte den Kirchenvorstand. Schließlich musste auch tiefer ins Portemonnaie gegriffen werden.
Zwei Brandschäden in der Marienkirche zu Beginn der 90-er Jahre hatten ihre Spuren hinterlassen und gleichzeitig auch die zu hohe und vor allem auch wechselnde Luftfeuchtigkeit im Kircheninnern hatten ihr zugesetzt. Dazu tragen vor allem feuchte Mäntel und Kleidung im Winter, unregelmäßiges Heizen und angezündete Kerzen bei. Johannmeier erhielt den Auftrag nicht nur umfänglich zu reinigen sondern auch Verschleißteile zu erneuern. Sehr zeitintensiv war beispielsweise das Auswechseln der Lederhütchen, "Pulpeden" genannt. Sie dienen zum Abdichten der Trakturen. Davon gibt es insgesamt 142. Sie wurden gegen solche aus Blei ausgetauscht.
So "ganz nebenbei" hat er der Marienkirchen-"Königin" auch noch eine etwas andere Stimme verschafft. Der Klang der Speith-Orgel wirkte etwas schrill und entsprach dem eher neo-romantischen Zeitgeschmack. Johannmeier: "Ich werde die Schärfe abmildern, abrunden und insgesamt einen weicheren Klang versuchen hinzubekommen".