Vorstandsvorsitzender rechnet mit 50 Jahren, bis behinderte Menschen vollständig eingebunden sind
Lübbecke. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung hat ein neues Grundsatzprogramm verabschiedet. Es orientiert sich an der UN-Konvention für Behindertenrechte und fordert eine inklusive Gesellschaft. Die Lebenshilfe Lübbecke treibt dieses Ziel jetzt verstärkt voran. Ist es erreicht, kann sie sich auflösen.
Drei Jahre hat die Bundesvereinigung Lebenshilfe diskutiert und konferiert, dann war das neue Grundsatzprogramm fertig und wurde im November 2011 in Berlin verabschiedet. Es gilt auch für die Lebenshilfe Lübbecke, die mit Einrichtungen, Wohnungen und Betriebsstätten im ganzen Lübbecker Land und darüber hinaus vertreten ist. Angesichts ihres Jahresumsatzes von 35 Millionen Euro vergleicht Vorstandsvorsitzender Horst Bohlmann aus Hüllhorst sie mit einem "großen mittelständischen Unternehmen".
Die Lebenshilfe Lübbecke betreut 1.500 Menschen mit Behinderung, in ihren sechs Werkstätten arbeiten 850 Mitarbeiter, 200 Menschen leben in Wohnheimen der Lebenshilfe. Hinzu kommen 50 Plätze für ambulant betreutes Wohnen, zwei integrative Kindergärten für 80 Kinder und ein Familiendienst, der sich um 300 Familien kümmert. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit liegt derzeit bei 580. Sie alle freuen sich auf die Feiern zum 50-jährigen Bestehen in diesem Jahr.
Ob die 1962 als Selbsthilfe-Organisation entstandene Lübbecker Lebenshilfe auch ein 100. Jubiläum feiern wird, daran zweifelt ihr Vorstandsvorsitzender: "Es wird 50 Jahre dauern, den Teilhabe-Anspruch behinderter Menschen umzusetzen", schätzt Bohlmann. "Aber wenn die Inklusion da ist, kann die Lebenshilfe sich auflösen."
Bohlmann weiß, dass solche Aussagen provozieren. Und er weiß, dass etwa die eigenen Werkstattleiter sich fragen, was aus ihnen werden soll, wenn es die Lebenshilfe nicht mehr gibt. Gleichwohl behält er das Ziel im Auge, das die Vereinten Nationen vorgegeben haben und "auf das in Deutschland ein Rechtsanspruch besteht", wie Bohlmann betont: Behinderte Menschen ganz selbstverständlich in sämtliche Lebensbereiche einzubinden und ihnen dabei die gleiche Qualität an Unterstützung zu gewähren wie bisher.
Das heißt, die Betreuer der Lebenshilfe werden irgendwann in der Wirtschaft, in den Kirchen, im Sport, in den Vereinen, selbst in den Familien tätig sein, um dort "den Unterstützungsbedarf sicherzustellen, den die behinderten Menschen bei uns haben", erläutert Bohlmann.
Für die Politik sei Inklusion "noch ein "Fremdwort" und auch "keine Möglichkeit, Geld zu sparen", meint Bohlmann, der sich Behinderten-Beiräte auf politischer Ebene vorstellen kann. Genau so wie Paten in der Wirtschaft, VHS-Angebote auch für Behinderte und gemeinsame Ferienspiele für behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche.
Der Weg dahin, sagt Bohlmann, sei das Ziel. Und: "Wir können die Gesellschaft nicht verändern, das muss aus ihr heraus passieren."
www.lebenshilfe-luebbecke.deZWISCHENRUF
Inklusion
Aufgabe für alle
Die Lebenshilfe Lübbecke macht Ernst. Ohne die aktive Mithilfe politischer, gesellschaftlicher, kirchlicher und gesellschaftlicher Gruppen und Vereine im Lübbecker Land kann sie ihr Ziel jedoch nicht verwirklichen: Alle geistig und körperlich behinderten Menschen an allem, was Leben ausmacht, teilhaben zu lassen. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die jeden Einzelnen etwas angeht. Die Zeit, in der man sich auf Organisationen und Institutionen berufen konnte, die sich kümmern, ist vorei. Jetzt wird’s
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