BdV-Vorsitzende fordert Heimatstube für Espelkamp / Unterstützung vom Stadtheimatpfleger
Espelkamp. Sie setzt sich unermüdlich für die Belange der ehemals Vertriebenen ein, versucht das Bewusstsein für deren Schicksal und damit auch das Geschichtsbild zu erhalten. Rosemarie Czitrich, Ortsvorsitzende Espelkamps des Bundes der Vertriebenen (BdV) sowie ihr Stellvertreter Gerd-Manfred Gabler, gleichzeitig auch Schriftführer und Arno Griesbach, Ansprechpartner für alle im Altkreis Lübbecke tätigen Ehrenamtlichen, erheben als "Ureinwohner" Espelkamps nach wie vor ihre Stimme.
Dabei geht der Blick des Triumvirates vor allem Richtung Rathaus Espelkamp. Dort war bis zur Modernisierung des Verwaltungsgebäudes Mitte vergangenen Jahres auf jeder Ebene eine kleine Ausstellung über die Geschichte Espelkamps zu sehen gewesen. Vor allem viele heimatkundliche Stücke sowie auch Bildtafeln hatten hier ihre Bleibe gefunden.
Nachdem das Gebäude mit neuem Farb- und Ausstattungskonzept versehen wurde, passten die Ausstellungsteile einfach nicht mehr zu einem modernen Zweckbau. Seither sucht man sie im Espelkamper Rathaus vergebens. Das empfindet Rosemarie Czitrich als "sehr bedauerlich". "Wir müssen das Erbe unserer Bürger, die sich als erste in unserer neuen Stadt niederließen, in Erinnerung halten", sagt die BDV-Vorsitzende.
Sie regt auch an, unbedingt Gespräche mit den noch lebenden Zeitzeugen zu führen, die die Gründung der Stadt miterlebten und diese Interviews dem Archiv zur Verfügung zu stellen.
Ganz eng mit der Geschichte der "Ureinwohner" Espelkamps verbunden ist die Geschichte des Bundes der Vertriebenen vor Ort. Auch hier appelliert Rosemarie Czitrich an alle Espelkamper, ihre Organisation nicht zu vergessen.
Denn kaum noch 100 Männer und Frauen gehören ihr inzwischen noch an. Und von Jahr zu Jahr nimmt die Sterberate zu - es kommt aber kein Nachwuchs hinterher.
Die BdV-Ortsgruppe Espelkamp - der Kreisverband wurde inzwischen aufgelöst - gibt es seit Bestehen der Stadt. Seither gehört der Verband zum städtischen Leben einfach dazu. Organisiert wird einmal im Jahr das Schlesische Schlachtfest, der Tag der Heimat wird gefeiert - häufig mit prominenten Politikern oder markanten Köpfen wie Otto von Habsburg.
Auch die Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit am großen Kreuz auf dem Anger wird vom Vertriebenen-Verband ausgerichtet. Das soll auch - so lange es geht - so bleiben, so die Vorsitzende im Gespräch mit der NW.
Weil die demographische Entwicklung so ist wie sie ist und sich keine Jüngeren finden, die die Geschicke des Vereins weiterführen könnten, fordert sie umso mehr die Einrichtung einer Heimatstube für Espelkamp. "Das ist wichtig für unsere Jugendlichen und Kinder, damit sie wissen, wie alles angefangen hat. Das Bewusstsein für unser Schicksal und das der Flüchtlinge muss wach bleiben. Es muss doch etwas von uns bleiben."Czitrich könnte sich gut vorstellen, dass vor allem auch das "Espelkamp-Zimmer" und weitere Fundstücke, die früher auf den Rathausfluren ausgestellt waren, dort ihren endgültigen Platz finden.
Am liebsten wäre es ihr und ihren Mitstreitern, wenn diese Präsentation im Martinshaus untergebracht wäre. "Das spiegelt wie kein anderes die junge aber ereignisreiche Geschichte unserer Stadt wider."
Auf alle Fälle müsse diese Ausstellung in der Innenstadt gut zu erreichen sein. Schon schwieriger fände sie eine Unterbringung in der vielleicht später einmal leerstehenden Ostlandschule. "Ich nehme auf alle Fälle mit den entsprechenden Verantwortlichen Kontakt auf und suche nach einer Lösung", so Czitrich. Auf große Unterstützung darf sie da auf Stadtheimatpfleger Karl-Heinz Hentschel hoffen. Auch er und seine Mitstreiter im Espelkamper Geschichtskreis wünschen sich für die Stadt ein "Haus der Geschichte". Er weist darauf hin, dass diejenigen Objekte, die früher in den Rathaus auch wieder dorthin zurückgebracht wurden und hier inzwischen zu sehen seien.
Das "Espelkamp-Zimmer" ist ausgelagert worden und befindet sich zurzeit in einem städtischen Gebäude an der Greifswalder Straße 9. Dort hat auch die BSG ihre Geschäftsstelle Als Lieblingsort für eine Präsentation käme für ihn eine alte Munahalle in Betracht. In einer ist heute die Gaststätte Sudetenland untergebracht, in der anderen befindet sich eine Tierarztpraxis.
Möglich wäre auch, so Hentschel, das Bodelschwingh-Haus am Albert-Pürsten-Stadion. Aber das wird als Vereinsheim genutzt. Hentschel: "Wir sind guter Hoffnung, dass sich bald was tun wird. Es werden immer wieder Gespräche mit der Verwaltungsleitung und auch mit Kulturamtsleiter Torsten Siemon diesbezüglich geführt." (Zu dieser Thematik ein Leserbrief auf der Seite Espelkamp)