Öffentlichkeitsarbeit der Polizei zeigt Wirkung / Wenige Temposünden bis zum frühen Freitagabend
Lübbecker Land. In dunklem Polizeiblau steht Ulrich Hovemeyer vor einer Nadelholzschonung in Espelkamp. Seine rechte Hand umschließt das Lasermessgerät. Bewegt sich der Hauptkommissar nicht, kann kein Autofahrer ihn auf 300 Meter erkennen. Genau in dieser Entfernung misst er im Rahmen der kreisweiten Blitzaktion die Geschwindigkeit auf der Beuthener Straße.
Tritt Hovemeyer aus dem Schatten heraus, schwenkt er die weiß-rote Kelle und stoppt den Verkehrssünder. Doch gestern Mittag stehen er und seine Kollegen meist untätig in der Kälte herum - ein zweifellos gutes Zeichen. "Im Vergleich zu anderen Einsätzen ist heute wenig los. Die Öffentlichkeitsarbeit der letzten Tage zeigt ihre Wirkung", sagt Hovemeyer, der die Polizeiwache Espelkamp leitet. Gestoppt werden nur Fahrzeuge, die bei erlaubten 50 km/h mindestens 64 km/h fahren.
Der Grund für die landesweite Blitzaktion sind die gestiegene Zahl an Unfalltoten in ganz Nordrhein-Westfalen. In der aktuellen Statistik für 2011 sind im Mühlenkreis zwar weniger Menschen im Straßenverkehr umgekommen als 2010, aber "das Jahr hat nicht gut begonnen", sagt Hovemeyer. Vier Menschen verunglückten in der Silvesternacht nahe Rahden - drei davon starben. Ihr Pkw war ohne Fremdeinwirkung von der Straße abgekommen.
Am 9. Januar wurde eine 78-jährige Frau auf der Tengerner Straße von einem Pkw erfasst - sie starb noch an der Unfallstelle. In der hereinbrechenden Dunkelheit wollte sie mit ihrem Hund die vielbefahrene Straße überqueren. Das Tier überlebte den Zusammenstoß.
Anfang dieser Woche starb eine 83-jährige Fußgängerin, die Tage zuvor frühmorgens in Hille von einem Pkw erfasst worden war.
Gestern gegen 13 Uhr erwischt es auf der Beuthener Straße eine junge Frau in ihrem Renault Twingo - 76 km/h schnell ist sie auf Höhe des Marktkaufs schnell gewesen. Das gibt einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und eine Strafanzeige. Die Frau nimmt es lächelnd hin.
Neben Espelkamp wurden Messungen auch in Lübbecke (Rahdener Straße, Eikeler Straße), Pr. Oldendorf (Berliner Straße) und Hüllhorst (Huchzener Straße, Ortsteil Tengern) durchgeführt. Dort wurden 134 Fahrzeuge kontrolliert. Dabei stach ein Pkw-Fahrer mit 81 km/h hervor - 31 km/h zu viel.
Die Kontrollen hatten gegen 6 Uhr begonnen. Zu dieser frühen Stunde hatte Wachleiter Hovemeyer auch den vorläufigen Spitzenreiter im Mühlenkreis gemessen. Auf der Gestringer Straße in Espelkamp-Fiestel: 86 km/h bei erlaubten 50 km/h.
Ulrich Hovemeyer ist seit den siebziger Jahren Polizist. Nahezu drei Jahrzehnte Erfahrung haben ihn eines gelehrt: "Die Menschen werden nur über den Geldbeutel vernünftig."