Lübbecke. Seit die Volksbank Lübbecker Land für die Bürgerpark-Immobilie mit zwei Kinos und 410 Sitzen, Geschäftsräumen und insgesamt rund 1.600 Quadratmetern Grundstücksfläche in der Innenstadt bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag erhalten hat, bietet sie den Komplex an. Jetzt steht der Verkauf an einen Investor an.
"Es ist noch kein Vertrag unterschrieben. Der Investor hat noch Klärungsbedarf mit der Stadt", sagte Volksbank-Vorstand Ralf Rehker gestern auf Anfrage. Ob es sich um einen Geldgeber oder eine Gruppe von Investoren handelt, war am Montag nicht in Erfahrung zu bringen. Fest steht aber: Ein Architekt aus dem Mühlenkreis plant auf dem Grundstück - ohne Kino. Was dort bislang erlaubt ist, legt der seit den späten 60-er Jahre geltende Bebauungsplan fest. Dieser sieht für die Niedernstraße eine drei-, für den Innenhof eine ein- bis zweigeschossige Bauweise vor.
Außenwerbung an der Niedernstraße
Auf seiner Internetseite gibt der Architekt und Diplomingenieur einen Überblick über weitere Projekte: vier Eigentumswohnungen und eine Arztvilla in Bad Oeynhausen sowie eine Luxus-Wohnanlage in Bielefeld. Was genau er für den Komplex hinter den Schautafeln in der Niedernstraße plant, in denen noch immer alte Filmplakate hängen, soll zunächst dem Lübbecker Bauausschuss präsentiert werden. Der kommt das nächste Mal öffentlich am Mittwoch, 14. März, um 17 Uhr im Rathaus zusammen.
In einem Interview mit der NW hatte Bürgermeister Eckhard Witte im Oktober vergangenen Jahres dargestellt, wie er sich eine Nachnutzung vorstellt. Er wünsche sich dort ein Objekt, das sich "städtebaulich gut einfügt" und das von der Nutzung aufnehme, "was wir in der Kernstadt benötigen". Vorstellen könne er sich beispielsweise "charmante Gastronomie-Angebote", aber auch "neue Einzelhandelsgeschäfte, die die Angebotspalette ergänzen".
Aufgrund dieser und weiterer Aussagen entwickelte sich wenige Tage später eine Auseinandersetzung mit dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Stenau. Der warf dem Bürgermeister vor, er habe dem Denkmalschutz einen "Bärendienst erwiesen" durch seine Aussagen zur Bürgerpark-Anlage.
Witte hatte unter anderem gesagt, wenn schon ohne Unterschutzstellung kaum ein Investor da sei für die Immobilie - wie solle das erst in Verbindung mit Denkmalschutz-Auflagen möglich sein?
Geklärt ist im Zusammenhang mit der Neugestaltung, dass die 100-jährige Lübbecker Kinogeschichte an diesem Standort beendet ist. Nicht auszuschließen ist aber, dass ein weiterer Investor an anderer Stelle ein Kino errichtet.
Die Stadtverwaltung würde das begrüßen. Wirtschaftsförderer Claus Buschmann sagte gestern, zuletzt habe er auf der Immo-Messe am Wochenende von Bürgern gehört, sie bedauerten den Verlust der zwei Kinosäle. Gerade die Verbindung von Kino und Kneipe "wäre eine schöne Sache gewesen", so Buschmann, der sich "ein "Programmkino mit Gastronomie" vorstellen kann.
Die Volksbank Lübbecker Land hatte im Amtsgericht Lübbecke 2011 in dem von ihr selbst betriebenen Zwangsversteigerungsverfahren den Zuschlag für den Gebäudekomplex bekommen.
Nachdem Apotheker Dr. Karl-Wilhelm Leue als Interessent abgesprungen war, war das heimische Geldinstitut beim zweiten Termin des Verfahrens einziger Bieter gewesen. Bei seinem Gebot in Höhe von 140.000 Euro war der Hammer gefallen.
Im falschen Film
ZWISCHENRUF VON FRANK HARTMANN
Was haben Lemförde, Rahden, Espelkamp, Bad Oeynhausen, Löhne, Bünde, Kirchlengern etc. gemeinsam? Genau, ein Kino. Es hilft aber nicht weiter, nur darüber zu klagen, dass eine Stadt von der Größe Lübbeckes keines mehr hat. Unabhängig vom Standort muss die Frage vielmehr lauten: An wem oder an was lag es, dass die zwei Kinos unrentabel waren, warum kamen nur noch so wenige Besucher? Gerade junge Leute machen heutzutage Kinosäle voll, wenn die Filmauswahl, das Ambiente und der Service stimmen. Wer das anbieten kann, der hätte in Lübbecke bestimmt eine Chance. Film ab.
frank.hartmann@ihr-kommentar.de