Wie das gerade entstehende Wasserkraftwerk in der Lippe Rücksicht auf Tiere nimmt
Paderborn. Bisher sind nur Metall, Beton und Kies zu sehen - geformt zu einem künstlichen Seitenarm der Lippe in Schloß Neuhaus. Ab Sommer sollen hier Äschen, Bachforellen, Aale und Hechte durchschwimmen. Vorbei an den Rädern eines innovativen Wasserkraftwerks, das hier entsteht (die NW berichtete mehrfach). Innovativ aus vor allem aus einem Grund. Denn während bei konventionellen Anlagen häufig Tiere sterben, so ist diese durchlässig für Fische und andere Lebensformen.
Die Wasserkraft-Staudruckmaschine ist eine Pilotanlage. "Es ist das erste Mal, dass eine solche Anlage in Deutschland gebaut wird", sagt Thomas Rieck, Dezernent für Oberflächengewässer bei der Bezirksregierung in Detmold. Das Land fördert die von der Paderborner Firma Öwatec gebaute Wasserkraft-Innovation zu einem beachtlichen Teil. Für den Bereich der Durchgängigkeit - dies bedeutet, dass Tiere trotz des Betriebs die Anlage in beide Richtungen passieren können - beträgt der Zuschuss vom Umweltministerium 80 Prozent, erklärt Rieck. Allein die Fischtreppe kostet 180.000 Euro. Hinzu komme eine geschätzte Förderung von 20, 25 Prozent des Wirtschaftsministeriums für den Sektor regenerative Energie, so Rieck.
Die Bezirksregierung wird in Zukunft mit einem Monitoring überprüfen, ob die Durchlässigkeit für Fische und andere Organismen auch tatsächlich gegeben ist. Dezernent Rieck hofft, dass die Erwartungen erfüllt werden und wünscht der Firma Öwatec, dass ihre Idee zu einer echten Alternative wird zu bestehenden Wasserkraftformen. Bisher hatte diese jedoch mit etlichen bautechnischen und witterungsbedingten Schwierigkeiten zu kämpfen.
Bereits vor knapp einem Jahr begannen die Arbeiten an der Lippe an jener Stelle, wo der Boker Kanal abgezapft wird. Der Plan, Teile des Flussbetts für die weiteren Arbeiten gezielt trocken zu legen durch Hunderte von Säcken, die mit Erde gefüllt waren, schlug fehl. Es mussten Spundwände her, was aufwändiger war. Auch war zunächst die Macht der Lippe unterschätzt worden, die hier in weiten Teilen ausgekolkt ist, das heißt: der Untergrund ist ausgespült und musste erst verfüllt werden. Eine Arbeit, die das zuerst beauftragte Unternehmen nicht ausführen konnte. Hinzu kamen weitere Verzögerungen bei der Anpassung der Pläne des österreichischen Entwicklers an die Maschinenbaufirmen, die die Anlage bauen. Doch es gab auch Lichtblicke. "Im Winter kamen wir besser voran als gedacht", sagt Christoph Hermesmeier, Kaufmännischer Direktor von Öwatec. Von Januar bis März gab es wiederum wochenlanges Hochwasser, so dass nicht weiter gearbeitet werden konnte.
Waren zunächst vier Schaufelräder mit einem Durchmesser von vier Metern angedacht, so wird es nun drei geben. Die maximale Gesamtnennleistung wird jedoch annähernd gleich bleiben. "Zirka 200 Kilowatt", sagt Hermesmeier. "Im Sommer soll dann der erste Teil der Anlage in Betrieb gehen und zeitnah Strom ins Netz einspeisen." Rund 200 bis 300 Haushalte könnten mit dem Ökostrom versorgt werden. Mit Strom, der mit Rücksicht auf Fische und andere Tiere produziert wird.