Etwa jeder zehnte Mitarbeiter in Paderborn muss gehen - Kurzarbeit für alle anderen
Paderborn. Die Absatzkrise in der Autoindustrie trifft jetzt auch die bisher von Erfolg verwöhnte Ideenschmiede dSpace. Das Unternehmen, das im letzten Jahr noch rund 100 Mitarbeiter eingestellt hatte, entlässt nun etwa jeden zehnten am Standort Paderborn Beschäftigten. Betroffen sind vor allem hoch qualifizierte Softwareentwickler. Ende letzten Jahres hatte dSpace in Paderborn mehr als 700, weltweit mehr als 900 Mitarbeiter.
Wie dSpace-Geschäftsführer Dr. Herbert Hanselmann (60) gestern mitteilte, habe man nach drastischen Auftragseinbrüchen seitens der Forschungsabteilungen der großen Automobilfirmen seit Februar der Belegschaft schon Mitte April mitgeteilt, dass man wohl um Entlassungen nicht herum komme. Gestern schließlich seien nach einem schwierigen Entscheidungsprozess die letzten Entlassungsgespräche geführt worden. Dr. Hanselmann: "Das ist für uns auch deswegen so schade, weil wir sehr nach qualifizierten Mitarbeitern gesucht haben und diese Leute alle sehr gut sind."
dSpace, deren Kundschaft zuletzt zu 80 Prozent aus der Automobilindustrie kam, hatte auch für dieses Jahr noch auf Wachstum gesetzt, nachdem das Unternehmen in den letzten Jahren jeweils zwischen 13 und 17 Prozent, im Jahr 2005 sogar um 27 Prozent gewachsen war. Deswegen habe man im letzten Jahr auch noch Personal aufgebaut. Dr. Hanselmann: "Wir konnten nicht voraus sehen, dass die Absatzkrise der Automobilindustrie zu einem derart starken Liquiditätsproblem bei den Autoherstellern führen würde, so dass sogar die Aufwendungen für Forschung gestoppt würden."
Hier mache sich der besonders kräftige Absatzeinbruch bei Premium-Modellen bemerkbar, für die traditionell ein hoher Entwicklungsaufwand betrieben werde. Dr. Hanselmann: "Im Moment basieren unsere Maßnahmen nach den drastischen Einbrüchen auf einem Worst-Case-Szenario. Wir wissen aber, dass wir mit unseren Angeboten in Richtung ,grüner’ Technologie und Fahrerassistenz genau richtig liegen und erwarten eine Steigerung spätestens für 2011/2012, auch wenn wir jetzt erstmal wieder auf das Niveau von 2008 zurück gehen."
Schon für Mai hatte man bei dSpace einen zehnprozentigen Gehaltsverzicht aller Mitarbeiter vereinbart. Dieser wird laut Dr. Hanselmann jetzt hinfällig, weil für alle ab Juni Kurzarbeit im Umfang von bis zu sechs Tagen pro Monat angezeigt werden soll. Im Zusammenhang mit der Zahlung des bisher üblichen 13. Monatsgehaltes im November gebe es noch keine konkreten Überlegungen. Auch lasse sich das Umsatzziel für 2009 nicht planen (2008 lag der Jahresumsatz noch bei 98 Millionen Euro nach 87 Millionen Euro 2007).
Völlig unberührt von der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens stehe der Erweiterungsbau am Hauptstandort an der Rathenaustraße. Er soll wie geplant bis Ende Dezember bezogen werden. Dr. Hanselmann: "Das Gebäude ist schon voll belegt und wird auf jeden Fall gebraucht." Der 25-Millionen-Euro teure Komplex werde im übrigen nicht vorfinanziert, sondern geleast. Wirtschaft