Paderborn. Vier Tote durch einen Unfall - damit wird die Nacht zum Karfreitag als eine der schlimmsten in die Paderborner Verkehrsstatistik eingehen. Die Schuld an dem schweren Verkehrsunfall zwischen einem Feuerwehrfahrzeug und einem Taxi tragen dabei offenbar beide Seiten.
Benennt die Fakten | FOTO: REINHARD ROHLF
Mit einer Geschwindigkeit von 70 bis 80 Kilometern pro Stunde sei das Drehleiterfahrzeug mit eingeschaltetem Signalhorn bei Rotlicht in die Kreuzung gefahren, erläutert Oberstaatsanwalt Horst Rürup das Gutachten zum Unfall an der Kreuzung Warburger Straße/Ludwigsfelder Ring. "Das Taxi ist in die Kreuzung eingefahren, als die Ampel gerade von gelb auf rot umschaltete. Wir nennen das dunkelgelb." Der Taxifahrer sei 80 bis 100 Kilometer pro Stunde schnell gewesen. "Bei dieser Sachlage kommt Fehlverhalten beider Seiten in Betracht", sagt Rürup. Der Fahrer des Feuerwehrfahrzeugs habe auf einer Einsatzfahrt zwar Sonderrechte, so Rürup. Aber auch dann sei er der Vorsicht verpflichtet. Bisher sei nur der Taxifahrer als Beschuldigter geführt worden.
Nun haben die beiden betroffenen Seiten drei bis vier Wochen Zeit zur Akteneinsicht. Dann entscheide die Staatsanwaltschaft, in welcher Weise das Verfahren fortgesetzt wird. Und ob es zur Anklageerhebung gegen eine oder beide beteiligten Seiten kommt. Der entsprechende Straftatbestand würde lauten auf: fahrlässige Tötung.
"Vieles zu berücksichtigen"
"Im Grunde hat das Gutachten den ersten Eindruck nach dem Unfall bestätigt", sagt Rürup. Für die Staatsanwaltschaft erstellt hat die Expertise der Paderborner Sachverständige Wilfried Schwarz. Auch bei ihm hat sich das Bild bestätigt, das er schon in den Momenten hatte, als er direkt in der Nacht zum Karfreitag am Unfallort war.
"Es gab Dinge zu berücksichtigen, die nicht unbedingt die Norm sind", erklärt Schwarz. Es gab vieles zu berücksichtigen: angefangen bei den Signalanlagen und der Diagrammscheibe aus dem Feuerwehrfahrzeug. Dabei war es "ein aufwändiges Gutachten, aber nicht ungewöhnlich", so Schwarz. Dennoch wird es ihm in Erinnerung bleiben: Aufgrund der vier Toten und der für einen innerstädtischen Kreuzungsunfall hohen Geschwindigkeiten war es auch für Schwarz kein normales Gutachten.
Nicht bestätigen konnte er die Spekulationen, dass alle drei ums Leben gekommenen Taxi-Insassen - sie saßen auf der Rückbank - nicht angeschnallt gewesen seien. Nach einer "rein optischen Überprüfung" seien zumindest zwei angegurtet gewesen. Eine genaue Untersuchung der Gurte sei aber noch nicht erfolgt. Bei dem Unfall starben zunächst ein Feuerwehrmann (48) sowie zwei Taxi-Fahrgäste (40 und 46) sowie eine Woche später ein weiterer Insasse (56). Für den Taxifahrer (43) bestehe "keine Lebensgefahr mehr", so Polizeisprecher Ulrich Krawinkel. Nach einem siebenwöchigen Koma war dieser auf die normale Station eines Paderborner Krankenhauses verlegt worden.