Sina Ober-Blöbaum (29) ist Juniorprofessorin für Mathematik an der Universität Paderborn
Paderborn. Während sie bei einfachen Rechenaufgaben schon mal ins Stocken gerät, löst sie schwierige mathematische Gleichungen ohne jede Mühe. Sina Ober-Blöbaum ist mit gerade einmal 29 Jahren "Juniorprofessorin für Mathematik"an der Universität Paderborn.
Vor wenigen Tagen wurde die junge Professorin vom Präsidenten der Universität, Prof. Dr. Nikolaus Risch, auf ihre neue Aufgabe vereidigt. Ab sofort darf sie Prüfungen abnehmen und Doktoranden betreuen, die nicht älter als sie selbst sind.
"Meine Mathebegabung war zunächst noch nicht unbedingt abzusehen", erinnert sie sich. "Ich hatte zwar auch in der Grundschule keine schlechten Noten, aber in Deutsch war ich sehr viel besser." Erst als in der fünften Klasse Buchstaben anstatt Zahlen zum rechnen eingeführt wurden, es also a + b und nicht mehr 1 + 2 hieß, fand die junge Schülerin des Mindener Herder-Gymnasiums plötzlich an Mathematik richtig Gefallen. "Je abstrakter alles wurde, je mehr hat es mich fasziniert", erzählt Sina Ober-Blöbaum.
Die Liebe zur Mathematik ging jedoch zu dieser Zeit noch nicht soweit, dass sich fortan alles um Gleichungen und Formeln drehte. In ihrer Freizeit ging die junge Schülerin zum Reiten, nahm an Leichtathletik-Wettbewerben teil und spielte Gitarre.
"Ich habe meine Kindheit in Minden sehr genossen und hatte einen sehr stabilen Freundeskreis, mit dem ich heute noch in Kontakt stehe", freut sich die Juniorprofessorin.
Die Freude am Fach Mathematik ging der Schülerin auch dann nicht verloren, als sie in der siebten Klasse einen sehr strengen und vor allem äußerst korrekten Mathematiklehrer bekam. "Er legte unter anderem Wert darauf, dass wir den Bruchstrich nicht diagonal, sondern stets waagerecht machten", schmunzelt die junge Professorin heute.
In der Oberstufe bekam sie dann erstmals eine Frau als Mathematiklehrerin. "Sie hat mich in meiner Laufbahn sehr geprägt. Bei ihr hat man gelernt, Mathematik etwas kreativer zu sehen und kennenzulernen: Anstatt Methoden, Definitionen und Rechenwege einfach zu lernen, hat sie stets dazu ermutigt, selber etwas herauszufinden, selber den Weg für die richtige Methode zu ergründen, sodass man am Ende einen Beweis geschrieben hatte, ohne sich darüber bewusst gewesen zu sein", berichtet die ehemalige Herderschülerin.
Ihre Liebe zur Physik entdeckte sie erst in der Oberstufe. "Ich musste zwischen Chemie, Biologie oder Physik auswählen", erinnert sich Sina Ober-Blöbaum. Sie entschied sich für Physik, obschon ihr das Fach bis dato nie so richtig Spaß gemacht hatte. "Der Unterricht wurde plötzlich so lebendig und interessant, dass es mir von nun an schwer fiel, mich auf ein Lieblingsfach - Mathe oder Physik - festzulegen", erzählt die 29-Jährige.
Im Laufe der Oberstufe habe sich dann immer mehr herauskristallisiert, dass sie im späteren Berufsleben etwas mit Mathe und Physik machen wolle. "Ich hatte mich damals auch nach Ausbildungsberufen erkundigt, aber bald gemerkt, dass ich doch ein Studium bevorzuge." Da sei ihr dann der Studiengang Technomathematik in Paderborn sehr entgegen gekommen, da dieser Mathematik mit einem ingenieurwissenschftlichen Studiengang kombiniert.
Nach dem Abitur, das sie mit einem Durchschnitt von 1,5 ablegte, begann sie daher ihr Studium an der Universität in Paderborn.
Nach fünf Jahren machte sie ihren Abschluss und arbeitet danach am Lehrstuhl von Prof. Dr. Michael Dellnitz als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt zur "Effizienten Kontrolle von Verbunden von Raumfahrzeugen".
Für ihre Doktorarbeit über ein verwandtes Thema bekam sie eine Bestnote sowie den Dissertationspreis der Hochschule. Bei einem Forschungsaufenthalt am "Institute of Technology" in Kalifornien sammelte sie schließlich weitere Erfahrungen in ihrem Fach und kehrte dann nach Paderborn zurück.