Drei gigantische Großfeuerwerke schießen den Sternenzauber in den Schloß Neuhäuser Himmel
Paderborn-Schloß Neuhaus. Um 22.32 Uhr ist die Dunkelheit da. Der Himmel ist klar, Sterne funkeln. Zwei Minuten später explodieren, blitzen, zerbersten, verglühen und entstehen immer wieder neue Formationen am Firmament. Ein brennender Silberstreif gleitet sanft durch die dunkle Unendlichkeit. 1.000 Kilo Sprengstoff machen diese Nacht zu einer pyrotechnischen Offenbarung. 6.000 Menschen schauen im Barockgarten des Schlosses zu. Ungezählt ist die Zahl derer, die irgendwo da draußen stehen und deren Augen wie gebannt auf das Flammenmeer gerichtet sind.
"Mit 1.000 Kilogramm Schwarzpulver könnte man das ganze Schloss wegsprengen", scherzt Gerhard Göllner, Geschäftsführer des Energie Musikverlags, der mit dem Festival "Sternenzauber" durch neun deutsche Städte tourt. Am Samstag gastierte er im Neuhäuser Schlosspark. Gut für Willy Steffens, den Geschäftsführer Schlosspark und Lippesee Gesellschaft, dass der Feuerwerkstross aus dem Ruhrgebiet keine Sprengmeister, sondern Feuerwerkskünstler mitgebracht hat. Drei sind es an der Zahl. Die Pyro-Experten treten in einem Wettstreit gegeneinander an. Hinter ihnen liegt eine Menge Arbeit: Drei Monate dauert die Planung der jeweils 13-minütigen Himmels-Choreographien.
Wer gerne mit dem Feuer spielt
Um 21 Uhr zünden die Veranstalter große Kerzen an. Wenig später betreten die "Ladys of Fire" die Bühne am Brunnentheater. Die jungen Frauen tragen dunkle Anzüge und spielen gern mit dem Feuer. Sie wirbeln brennende Fackeln durch die Luft, lassen einen hell gleißenden Feuerhammer um ihre durchtrainierten Körper rotieren. Das Publikum ist begeistert.
Dann kommt der Countdown. Die Zuschauer zählen von zehn herunter. Bei null drückt der Feuerwerkskünstler der Gruppe "Westfälisches Feuerwerk" auf den Auslöser. Eine Bombette explodiert im Nachthimmel. Dann hört man Klaviermusik. "Der Tag fliegt eilig aus der Stadt", singt die Sängerin. Und die Feuerwerksmacher peitschen eine Explosion nach der anderen durch die Luft. Als die Sängerin von einem Silberstreif singt, türmt sich eine breite, silberstrahlende Wand vor den Köpfen der Zuschauer auf.
"Es kommt einerseits darauf an, dass die Effekte parallel zur Musik gezündet werden", erläutert Moderatorin Stefanie Josefs die Kriterien zur Punktevergabe. Natürlich werde aber auch die choreographische Leistung bewertet, ergänzt Göllner. Immerhin müssen die Feuerwerkspoeten über 12 Minuten frei entscheiden, was zu sehen und zu hören sein soll. In den ersten beiden Minuten ist die Musik vorgeschrieben. Die "Westfälischen Feuerwerker" setzen auf das Lied Eisblume: "Wir sind Eisblumen, wie blühen in der Nacht." Dazu malen sie eine Eislandschaft an den Himmel.
Die zweite Feuerwerkstruppe startet mit dem Titel "Music was my first Love" von John Miles. Und entfesselt einen endlosen Funkenhagel. Die letzte Gruppe "The Art of Fire" zeichnet zur Musik aus dem König der Löwen eine hitzeflimmernde Wüstenlandschaft in die Nacht.
Am Ende kann sich die fünfköpfige Jury, in der auch Bürgermeister Heinz Paus und Willy Steffens sitzen, nicht auf einen Gewinner einigen. Schließlich entscheidet die kleine Alina aus dem Publikum darüber wer gewinnt: "The Art of Fire". Der Chef der Gruppe darf nicht nur einen Pokal mit nach Hause nehmen, sondern auch 3.000 Euro.