Paderborn. Wie wäre es, wenn alle Erstsemester ihr Studium bequem selbst organisieren, natürlich online? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, stattet die Uni Paderborn im Selbstversuch zum kommenden Wintersemester alle Studienanfänger mit Mini-Laptops aus. Kostenlos. Die rund eine Million Euro teuren Aktion ist jedoch umstritten.
"Gerade, wenn wir besonders gute junge Leute für uns gewinnen wollen, müssen wir auch in die technische Infrastruktur investieren", begründet Uni-Präsident Professor Nikolaus Risch den bereits im Frühjahr angekündigten Schritt - den die Universitätsführung bis auf weiteres nur ein einziges Mal macht.
"Wir müssen sehen, ob sich diese Investition im Zusammenspiel mit Paul und Koala bewährt", sagt Uni-Kanzler Jürgen Plato. Die Organisations- und E-Learning-Plattformen mit den lustigen Namen sind dank der Mini-Computer und dem schnurlosen Uni-Netzwerk rund um die Uhr auf dem Campus verfügbar. Plato: "Wenn das gut läuft, sind wir bereit und willig, das Projekt auch für die künftigen Erstsemester anzubieten."
Ob die Universität dazu auch finanziell fähig ist, verrät Plato nicht. Die aktuelle Einmal-Investition von rund 3.000 Geräten wird durch unterschiedlichste Geldspenden finanziert: Die Paderborner Volksbank und Sparkasse beteiligen sich, aber auch von Professoren erwirtschaftete Drittmittel sowie Spenden der Präsidiumsmitglieder fließen in das Budget der Maßnahme.
Universität bleibt drei Jahre lang Eigentümer
"Das Geld stammt nicht - wie von vielen befürchtet - aus dem Hochschulhaushalt oder den Studiengebühren", wird Plato nicht müde zu erklären. Außerdem handele es sich bei den Geräten nicht um ein Geschenk. "So etwas dürften wir als öffentliche Einrichtung gar nicht", sagt Risch. Stattdessen bleibt die Universität drei Jahre lang Eigentümer. "Danach sind Dinger abgeschrieben und die Studierenden können sie behalten", sagt Plato.
Wirklichen Mehrwert soll der Mini-Computer jedoch schon vom ersten Tag an bescheren. Bei Software-Problemen helfen hauseigene IT-Profis, für Hardware-Probleme gibt es eine dreijährige Garantie samt weltweitem Austauschservice. Auf Wunsch kommt ein Techniker des Herstellers sogar nach Hause, wie Thomas Schwalk vom Informationstechnischen Dienst der Uni erklärt. "Innerhalb eines Werktages hat der Studierende ein neues Gerät."
Die Paderborner Offensive ist bislang einzigartig in Nordrhein-Westfalen. Die neue Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Kamp-Lintfort plant zwar eine ähnliche Aktion, dort soll es neben dem Laptop noch ein Fahrrad für die Erstsemester geben - aber nur als Leihgabe. "Paderborn sticht im Moment noch aus der Masse heraus," sagte ein Sprecher des Hochschul-Informations-Systems in Hannover.