Strikter Sparkurs nach der Insolvenz der Paragon AG / Starke Konzentration auf Standort Delbrück
Kreis Paderborn. Den Standort Delbrück will die Paragon AG trotz der Insolvenz stärken. Das Personal wird allerdings auch dort von 62 auf 58 reduziert. Sogar 13 Mitarbeiter bekommen eine Kündigung, während andere neu hinzu kommen. Dennoch setzt Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär Klaus Dieter Frers auf Delbrück als Hauptquartier und künftiges Gehirn des Autozulieferers.
"Delbrück bleibt die Zentrale von Paragon." Zudem würden dort Entwicklung, Vertrieb, Einkauf, Projektmanagement und Administration zukünftig zentralisiert. Dafür sind kleinere Umbauten in den Labors notwendig. Mit diesen konzerninternen Umbauten im Zuge einer Restrukturierung gehe man konzeptionell ins Jahr 2004 zurück. "Das fällt mir nicht leicht zu sagen. Die Entwicklung von fünf bis sechs Jahren ist vernichtet", erklärte ein sichtlich enttäuschter und ob der Entwicklungen angegriffen wirkender Frers. Um gleich darauf wieder Optimismus zu verbreiten: "2004 haben wir Gewinn gemacht. Und die Produktivität ist heute viel günstiger."
Es war ein schwerer Gang, den Klaus Dieter Frers gestern Mittag in Paderborn antrat: Zum Amtsgericht, um einen "geordnete Insolvenz" der Paragon AG wegen Zahlungsunfähigkeit einzuleiten. Doch offensiv ging das einstige Delbrücker Vorzeigeunternehmen das Thema an. Man werde eine eigenverantwortliche Planinsolvenz anstreben, erklärte Frers, der angesichts der "Blockadehaltung" einzelner Banken und seinem "großen Unverständnis" darüber von der Insolvenz als der "zweitbesten Möglichkeit" sprach. Als Gründe machte der Mehrheitsaktionär (knapp 52 Prozent) vor allem den mit Verzögerung eintreffenden Absatzeinbruch in der Autoindustrie verantwortlich, gab aber auch "hausgemachte" Fehler zu. Frers ist es wichtig, dass das Unternehmen als solches saniert werden und weiter existieren kann. Und darauf, dass die Paragon AG eine Zukunft hat, setzt Frers aus tiefster Überzeugung. Dennoch sei der Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2009 mit 39,2 Prozent und gegenüber der Soll-Planung mit 50 Prozent "geradezu dramatisch" gewesen.
Erst am Sonntag hatte es noch eine Aufsichtsratssitzung gegeben, bei der Markus Werner (41; Betriebswirt) in den Finanzvorstand und Andrew Seidl (48; Fachanwalt für Insolvenzen, Dresden/Erfurt) temporär als Sanierer in den Vorstand berufen worden waren. Vier Monate soll diese Restrukturierung dauern. Man werde im zweiten Halbjahr 2009 bereits wieder Geld verdienen. Der Auftragseingang mit einem Plus von 82 Prozent im zweiten Quartal, Pilotaufträge unter anderem für Audi (Gurt-Mikro) und einem Arretier-Sensor sowie die gute Auslastung der Werke (bis zu 80 Prozent) bestätigte, dass die Talsohle durchschritten sei, sagte Frers in seiner optimistischen Art. Kurzarbeit wird es allerdings demnächst in Nürnberg geben. Andere Werke arbeiten hingegen in drei Schichten. Dennoch betont der Vorstandschef, es seien derzeit weder Löhne noch Abgaben oder Steuern offen.
Zurückgefahren hatte die Paragon AG in den vergangenen Monaten bereits ihr Sport-Sponsoring: So wurde das Paderborner Stadion bereits von Paragon-Arena in Energieteam-Arena umbenannt (die NW berichtete): 50.000 Euro jährlich (höchstens 300.000 Euro) hätten sich die Delbrücker den Namen bis dahin kosten lassen, so Frers. "Überschaubare Beträge" flossen ins Delbrücker Radrennen oder den Reitsport. Auch die Rennsport-Aktivitäten mit 250.000 bis 300.000 Euro jährlich hatte die AG bereits 2008 eingestellt. Wegen "nicht zeitgemäßer Beträge", so Frers.
Er blickt nach vorn: "Es is wie’s is. Da müssen wir durch. Angesichts der Umstände ist dies das Beste fürs Unternehmen."