Paderborn (tim/mkg). Mehr als 2.800 von ihnen wandern täglich in Rucksäcken, Taschen oder offen unter dem Arm getragen durch die Uni Paderborn: die umstrittenen Netbooks. In den Sitzecken und überfüllten Hörsälen verschanzen sich die Beschenkten reihenweise hinter den aufgeklappten Minicomputern, die den Studienanfängern nach mehr als 30 Jahren erstmals einen neuen Spitznamen verschaffen. "Erstis gibt es an der Uni Paderborn seit diesem Jahr nicht mehr", verrät ein Mitglied des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). "Von den älteren Studierenden werden sie nur noch liebevoll Dellis genannt."
Das Gerät der namensgebenden amerikanischen Computerfirma spaltet die Studentenschaft in Befürworter und Skeptiker, die offen die Notwendigkeit der kostenlosen Dreingabe anzweifeln. Bereits im Sommer hatte die Fachschaftsvertretung der Fakultät für Kulturwissenschaften ihre Bedenken in einem offenen Brief an das Präsidium geäußert. Der Wegfall des Numerus clausus, verstärkte Werbung, aber eben auch die Einführung kostenloser Netbooks habe zu einem Erstsemesterzuwachs geführt, "der die Infrastruktur der Universität überlasten könne", gibt der Fachschaftsrat Medienwissenschaften in einem Schreiben zu Bedenken.
Zur Zeit befinden sich Präsidium und Fachschaften im Gespräch und beraten über mögliche Verbesserungen. Die angehenden Medienwissenschaftler sorgen sich indes aber auch über eine Beeinträchtigung des Klimas unter den Studierenden selbst. "Leider fallen der Ärger und die Enttäuschung über die schlechten Bedingungen fälschlicherweise auf die Erstsemester zurück", so Julian Schienemeyer, Mitglied der Fachschaft Medienwissenschaften.
Netbook als Schreibunterlage
Ähnlich nüchtern wird das Novum in der Tat selten bewertet. "Letzten Endes ist das Ding nicht mehr als eine 1,4 Kilogramm schwere Schreibunterlage", kommentiert ein Altsemester gehässig. "Aber das ist total praktisch – wenn man auf der Treppe sitzen muss, weil alle Plätze des Hörsaals schon belegt sind."