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16.10.2009
Gesponsorte Netbooks für Erstsemester spalten die Studentenschaft
Ältere Semester erwägen symbolische Protestaktionen

Blaues Wunder | FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn (tim/mkg). Mehr als 2.800 von ihnen wandern täglich in Rucksäcken, Taschen oder offen unter dem Arm getragen durch die Uni Paderborn: die umstrittenen Netbooks. In den Sitzecken und überfüllten Hörsälen verschanzen sich die Beschenkten reihenweise hinter den aufgeklappten Minicomputern, die den Studienanfängern nach mehr als 30 Jahren erstmals einen neuen Spitznamen verschaffen. "Erstis gibt es an der Uni Paderborn seit diesem Jahr nicht mehr", verrät ein Mitglied des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). "Von den älteren Studierenden werden sie nur noch liebevoll Dellis genannt."

Das Gerät der namensgebenden amerikanischen Computerfirma spaltet die Studentenschaft in Befürworter und Skeptiker, die offen die Notwendigkeit der kostenlosen Dreingabe anzweifeln. Bereits im Sommer hatte die Fachschaftsvertretung der Fakultät für Kulturwissenschaften ihre Bedenken in einem offenen Brief an das Präsidium geäußert. Der Wegfall des Numerus clausus, verstärkte Werbung, aber eben auch die Einführung kostenloser Netbooks habe zu einem Erstsemesterzuwachs geführt, "der die Infrastruktur der Universität überlasten könne", gibt der Fachschaftsrat Medienwissenschaften in einem Schreiben zu Bedenken.

Zur Zeit befinden sich Präsidium und Fachschaften im Gespräch und beraten über mögliche Verbesserungen. Die angehenden Medienwissenschaftler sorgen sich indes aber auch über eine Beeinträchtigung des Klimas unter den Studierenden selbst. "Leider fallen der Ärger und die Enttäuschung über die schlechten Bedingungen fälschlicherweise auf die Erstsemester zurück", so Julian Schienemeyer, Mitglied der Fachschaft Medienwissenschaften.

Netbook als Schreibunterlage

Ähnlich nüchtern wird das Novum in der Tat selten bewertet. "Letzten Endes ist das Ding nicht mehr als eine 1,4 Kilogramm schwere Schreibunterlage", kommentiert ein Altsemester gehässig. "Aber das ist total praktisch – wenn man auf der Treppe sitzen muss, weil alle Plätze des Hörsaals schon belegt sind."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
1. Wer hat die Million € für die Netbook-Aktion bezahlt? Unsere zwei lokalen Banken waren es wohl augenscheinlich nicht. Seht ihr z.B. auf dem "Dein Netbook" Flyer auch nur ein Sponsor-Logo? Geht mal in Hörsaal G, dort hängt eine überdimensionale "Tafel der Förderer" So funktioniert Sponsoring! Tue gutes und rede davon. Die Netbooks (bzw. die Million €) kommen wohl vom vierten genannten Sponsor. Einer 80 Mitarbeiter IT-Gmbh Namens "Datenlotsen" welche rein zufällig Produkt "Campus.net" bzw. unser geliebtes "Paul" verkauft. Firma Datenlotsen wird aus Studienbeitragsmitteln (über?)bezahlt, um über einen kleinen Umweg wieder die Netbooks zu stiften? Die Indizien für diese Machenschaften sind leider sehr erschreckend real. Da wurde in Zeiten der Wirtschaftskriese, wo niemand etwas zu verschenken hat, eine Million für einen (vermeintlich) guten Zweck gestiftet, und keiner will es gewesen sein? Da stinkt doch was zum Himmel! Ich wünsche mir Aufklärung bzgl. dieses dubiosen Sponsoring der Netbook-Million. Dies ist meine Forderung.

"Zur Zeit befinden sich Präsidium und Fachschaften im Gespräch und beraten über mögliche Verbesserungen." Der Fachschaft Lehramt ist keinerlei Dialog bekannt.

Stress und Angst zerstören Kreativität. Aber: Wer braucht heute schon Kreativitätt? Hochschulrankings und Ländervergleiche wollen und können nicht messen, welches Bildungssystem die kreativsten Köpfe produziert. Auswendiglernen und Verstehen, das wissen wir nicht erst seit Wilhelm von Humboldt, sind zwei grundverschiedene Dinge. Wer verstehen will, muss Interesse haben - und Zeit, um diesen Interessen auch nachgehen zu können, um die eigene Neugier wecken und befriedigen zu können. Wer heute neugierig ist, der sollte nicht an die Universität gehen. Dort wird er von Lehrkräften gegängelt, von Studienordnungen eingekreist und von der Landesregierung zur Kasse gebeten. Wer sich dennoch dieser systematischen Konditionierung unterzieht, wird zu einem braven, kantenlosen, stromlinienförmigen, angepassten Ja-Sager. Gerade die kann man in einer modernen Demokratie sehr gut gebrauchen. Ja, bang wird einem dabei nur um das künftige Deutschland. Einst galt dieses Land als ein Land der Dichter und Denker. Der Anteil eines viele hundert Jahre alten Studiensystems, das bis zuletzt weltweit als vorbildlich galt, an dieser Vorstellung über Deutschland, ist nicht hoch genug einzüschätzen. Wer Magister studierte, wurde zum demokratischen Staatsbürger erzogen, der gelernte hatte, sich eine Meinung zu bilden und sich nicht davor scheute, sie deutlich und lautstark zum Ausdruck zu bringen. Wer heute Bachelor oder Master studiert, wird ausgebildet. Sein Bildungsprofil ist auf sein Berufsprofil abgestimmt und optimiert. Wer heute studiert, lernt nicht für sich. Er lernt für die Wirtschaft. Da nimmt es nicht Wunder, dass die hiesige Unileitung Ködersysteme zur Optimierung ihrer Kundenfrequenz einsetzt, wie man sie sonst nur aus den Spelunken schmieriger Handyverkäufer in drittklassigen Fußgängerzonen kennt: "Wenn sie einen Vertrag machen, bekommen sie ein Handy, einen MP3-Spieler, eine Tüte Bohnerwachs und eine Heizdecke dazu - und ein Laptop." Na, wenn sich das nicht lohnt. Die Kommerzialisierung der Bildungslandschaft ist Wirklichkeit. In Paderborn hat das Streben nach Bildungsprofit bereits die Züge eines Casino-Kapitalismus angenommen, dessen Chef-Zocker mit breitem Lächeln das wichtigste Kapital unserer Region und unserer Republik verspielen: Eine Bildung, die bildet – und nicht nur ausbildet.

1. Die Netbooks wurden nicht aus Studiengebühren finanziert, sondern von einer externen IT-Firma. 2. Vor diesem Hintergrund hatte das Präsidium wenig Spielraum was die Verwendung des Sponsoring angeht bzw. macht eine Investition in Netbooks da schon Sinn. 3. Falls irgendjemand aus den höheren Semestern wirklich eine Aversion gegen die "Dellis" enwickelt haben sollte ist das natürlich nicht gerechtfertigt... Allerdings kenne ich persönlichen niemanden aus meinem Semester, auf den das zutreffen würde, und ich bin auch kein Erstie mehr^^.

Ganz große Klasse, was sich die UPB da ausgedacht hat! Die "Universität der Infomationsgesellschaft". dass ich nicht lache. Schonmal jemand versucht, ohne Ellenbogeneinsatz eine Fremdsprache zu lernen? Keine Chance, alles überfüllt, keine Mittel, keine Räume. Aber Internet auf kleinen Bildschirmen lenkt ganz groß ab! Im StudiVZ lernt man immer noch am meisten ;-).



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