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20.10.2009
Viel Lärm um die Hochschulpolitik
Während Fachschaften und AStA über die aktuellen Studienbedingungen beraten, machen Studierende ihrem Ärger im Internet Luft

Improvisation statt Organisation | FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn (mkg). "Unfassbar!" oder "Ein absoluter Skandal!" – der Bericht "Volle Hörsäle – volle Kassen" in der Neuen Westfälischen vom 16. Oktober hat für Furore gesorgt – zumindest im Internet. Im Blog (Weblog), sprich Internetforum des besagten Artikels auf nw-news.de , wird derzeit fleißig kommentiert. Zu Diskussionen kommt es aber auch jenseits des Blogs.

Überfüllte Vorlesungen und Losverfahren einerseits, Lobeshymnen auf Rekordzuwächse und die Attraktivität der Universität andererseits – der Artikel hat ohne Frage den studentischen Nerv getroffen. "Die Situation in der Uni ist unerträglich geworden", schreibt eine Studentin, Deckname Daniela. In den Blogs melden sich meist Lehramtsstudierende zu Wort. Die Hauptbetroffenen. Mehr als doppelt so viele Lehrämtlerinnen und Lehrämtler (1.220) als vor einem Jahr haben sich zu diesem Wintersemester neu eingeschrieben. Jedoch melden sich auch andere Studiengänge.

Thomas S., Student der Wirtschaftswissenschaften, berichtet von Veranstaltungen mit 170 Studierenden in einem Hörsaal für 70 Personen und fragt sich: "Wohin fließt das Geld?". Die Studiengebühren haben dazu geführt, dass in den Kommentaren immer wieder von "Dienstleistung" gesprochen wird.

Wirtschaftsjargon. Auf einmal sehen sich die Studierenden Grundsatzfragen ausgesetzt und beziehen Stellung. Während Anonymus Hr. Tichy sich nicht daran stört, dass das "ehemalige Hippiereservat Uni" mittlerweile "nach marktwirtschaftlichen Regeln" funktioniere, erinnert Jules daran, dass Bildung "keine Dienstleistung, sondern ein Kulturgut" sei und dies auch künftig sein müsse.

Ob im Netz oder auf dem Campus, der Unmut der Studierenden hat natürlich längst deren Vertretungen erreicht. So berät beispielsweise die Fachschaft Lehramt morgen Abend in einer außerordentlichen Sitzung insbesondere über die derzeitigen Studienbedingungen der Lehrämtler und eine weitere Vorgehensweise. Beschwerden seitens der Studierenden über "Siebverfahren" per Los oder unangekündigten Eignungstests landen indes auch beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), dem die Situation nicht fremd ist. "Wir weisen schon seit Jahren auf die Missstände an der Universität hin", so Christiane Schmidt, AStA-Sozialreferentin. Leider gewinne das Problem der personellen Überlastung erst jetzt an Aufmerksamkeit. Der AStA will sich nun mit einem offenen Brief an das Präsidium wenden und hofft auf Antwort. "Teilweise gab es in den letzten Jahren überhaupt keine Reaktion", klagt Schmidt.

In einem Leserbrief in der "universal", Zeitung von Paderborner Studierenden für Studierende, heißt es: "Als Studentin der Geisteswissenschaften habe ich hier nichts verloren."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Ich kann mich da allen nur anschließen. Ich hoffe das endlich mal was passiert. Zwar sieht es in meinem Studiengang der Informatik noch ganz gut aus, aber in meinem Nebenfach der Medienwissenschaft sieht es ganz anders aus. Wie viele Seminar konnte ich auch in den letzten Jahren schon nicht besuchen, weil ich ausgelost wurde. Oder machen wir doch mal nen Sprachkurs im Studium Generale, Pustekuche, ausgelost...Das ist leider schon seid Jahren Alltag. Ich bin nun 6 Jahre an der Uni Paderborn und die Situation wird von Jahr zu Jahr shclimmer. Vielleicht werden inzwischen neue Hörsäle gebaut, gut und schön, Dozenten gibts immer noch zu wenig...Plätze in diesen Räumen auch..Von Mensa, Cafete, Pub etc. mal ganz zu schweigen. Lernen oder Übungszettel in der Uni lösen? Wenn man erstmal 2 Stunden nach einem Platz oder Raum suchen mag vielleicht möglich aber ansonsten... Ich finde es eine unverschämtheit wie seid Jahren vom Rektorat mit den Studenten der Uni umgegangen wird. Wir sollen in Rekordzeit unser Studium schaffen, nebenher Jobben, super Notenschreiben und dann noch Studiengebühren zahlen deren Wirkung nicht mal zu sehen ist. Ich fühle mich verarscht und abgezockt. Zahlen ok, wenn ich dafür vernünftige Bedingungen bekomme. Aber nicht so.

Also ich kann mich dem nur anschließen... Ich bin Gott sei Dank mit meinem Deutschstudium im Rahmen des Lehramtes durch... Es wurde von Semester zu Semester schlimmer. Während einige Professoren kämpften ("Ich besorge uns jetzt einen großen Hörsaal, damit alle bleiben können"), resignierten die meisten und über das Losverfahren wurde meist die Hälfte (!!!) der Studenten heraus gelost. Es war letzten Endes einfach nur frustrierend. Alle verfahren anders und die Informationen werden auch nur im geringen Maße weiter gegeben, wenn den überhaupt mal jemand eine Auskunft geben kann. Wie oft standen die Dozenten vorne und meinten, wir sollen Fotos machen und sie dem Präsidium vorlegen? Dutzende Beschwerden, nichts wurde beachtet, nicht einmal die kleinste Reaktion. Und inzwischen (ich bin zum Glück nur noch 2x/Woche in der Uni) ist es die reinste Katastrophe. Will man sich mal in den Pub setzen? PUSTEKUCHEN! SIch schnell eine Kleinigkeit in der Cafété holen? Kann man knicken. In die Mensa? Da kommt man doch fast garnicht mehr rein. Vor 2 Jahren haben wir uns noch beeilt, um vor viertel vor eins in der Mensa zu sein, so braucht man heute noch nicht einmal um halb 12 hingehen. Allgemein habe ich beim Laufen durch die Uni eher das Gefühl, dass ich durch einen Hindernisparcour laufe. Es ist einfach nicht genügend Platz vorhanden: Ob im Hörsaal, im Seminarraum (wobei man bei der Anzahl von Leuten nicht mehr von Seminaren sprechen kann), in der Bibo, in der Mensa, auf den Treppenstufen... Hier wurde die Kapazität der Uni gnadenlos überschätzt, bzw. scheint es den Verantwortlichen egal gewesen zu sein. Das Thema mit den Studiengebühren, welches jetzt wieder ganz aktuell ist, bzw. zu der Sache mit den Netbooks will ich mich garnicht äußern. Man hat sich einfach genug aufgeregt und gefragt "Warum zahle ich überhaupt?"

Eine blöde Situation, ganz klar. Wie aber Christiane Schmidt sagt: Die jetzige Situation hat sich seit Jahren voraussehbar angebahnt, und besonders an der Uni PB fehlte es bisher immer an Aufmerksamkeit dafür. Für Leute, die sich in PB gegen die "Verwirtschaftlichung" der Lehre eingesetzt haben, war das oft ganz schön frustrierend. Und jetzt ist die Aufregung groß. Berechtigterweise natürlich. Aber neu ist das nicht. Trotzdem oder gerade deswegen: Dranbleiben!

Die Verfechter der Studiengebühren wollen ja, dass die Uni zur Dienstleistung wird. Das war genau ihr Gedanke - dann muss sie sich jetzt auch wie in der freien Wirtschaft beurteilen lassen. Und die "Kundenzufriedenheit", sprich die Interessen der Studenten, kommt an der UPB eindeutig zu kurz. Von der Frechheit mit den Netbooks mal abgesehen sind die Äußerungen des werten Herrn Risch schon seit längerem eine einzige Provokation. Wir (ich studiere nicht auf Lehramt) spüren keinerlei Verbesserungen durch die Gebühren - im Gegenteil. So kann es nicht weitergehen!

Zunächst ein Wort an die Redaktion. Ich finde es gut, dass das Thema wieder aufgegriffen und nicht einfach verdrängt wird. Danke! Leider musste ich erneut feststellen, dass in dem Artikel nicht die überall herrschende Überfüllung angesprochen wird, sondern wieder hauptsächlich die Lehramtsstudenten. Ich studiere Wirtschaftswissenschaften und besuche auch völlig Überlaufende Kurse. Der Kurs mit den 70 Sitzplätzen für 170 Leute wurde mittlerweile "gesplittet". Aus 5 Stunden wurden 2,5. Und das natürlich mit demselben Stoff. Obwohl das noch eine sehr nette Lösung ist. Alle die keinen Sitzplatz haben raus, wäre die Alternative gewesen. Das ganze leider trotz der rechtzeitigen Bemühung des Professors um einen größeren Raum. Die beschriebene Situation ist eine von ganz vielen zurzeit. Und es gibt noch einen großen Punkt, der noch nicht wirklich angesprochen wurde. Dank der neuen Netbooks ist das Uni-Netzwerk ständig überlastet. Es ist fast unmöglich geworden sich in Freistunden nötige Informationen aus dem Internet zu besorgen, die man für Vorträge oder Seminararbeiten benötigt. Egal wo man hinguckt, die ganze Struktur der Uni ist völlig überlastet. Ob Räume, Mensa, AStA, oder WLAN spielt dabei keine Rolle.



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