Während Fachschaften und AStA über die aktuellen Studienbedingungen beraten, machen Studierende ihrem Ärger im Internet Luft
Paderborn (mkg). "Unfassbar!" oder "Ein absoluter Skandal!" – der Bericht "Volle Hörsäle – volle Kassen" in der Neuen Westfälischen vom 16. Oktober hat für Furore gesorgt – zumindest im Internet. Im Blog (Weblog), sprich Internetforum des besagten Artikels auf nw-news.de , wird derzeit fleißig kommentiert. Zu Diskussionen kommt es aber auch jenseits des Blogs.
Überfüllte Vorlesungen und Losverfahren einerseits, Lobeshymnen auf Rekordzuwächse und die Attraktivität der Universität andererseits – der Artikel hat ohne Frage den studentischen Nerv getroffen. "Die Situation in der Uni ist unerträglich geworden", schreibt eine Studentin, Deckname Daniela. In den Blogs melden sich meist Lehramtsstudierende zu Wort. Die Hauptbetroffenen. Mehr als doppelt so viele Lehrämtlerinnen und Lehrämtler (1.220) als vor einem Jahr haben sich zu diesem Wintersemester neu eingeschrieben. Jedoch melden sich auch andere Studiengänge.
Thomas S., Student der Wirtschaftswissenschaften, berichtet von Veranstaltungen mit 170 Studierenden in einem Hörsaal für 70 Personen und fragt sich: "Wohin fließt das Geld?". Die Studiengebühren haben dazu geführt, dass in den Kommentaren immer wieder von "Dienstleistung" gesprochen wird.
Wirtschaftsjargon. Auf einmal sehen sich die Studierenden Grundsatzfragen ausgesetzt und beziehen Stellung. Während Anonymus Hr. Tichy sich nicht daran stört, dass das "ehemalige Hippiereservat Uni" mittlerweile "nach marktwirtschaftlichen Regeln" funktioniere, erinnert Jules daran, dass Bildung "keine Dienstleistung, sondern ein Kulturgut" sei und dies auch künftig sein müsse.
Ob im Netz oder auf dem Campus, der Unmut der Studierenden hat natürlich längst deren Vertretungen erreicht. So berät beispielsweise die Fachschaft Lehramt morgen Abend in einer außerordentlichen Sitzung insbesondere über die derzeitigen Studienbedingungen der Lehrämtler und eine weitere Vorgehensweise. Beschwerden seitens der Studierenden über "Siebverfahren" per Los oder unangekündigten Eignungstests landen indes auch beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), dem die Situation nicht fremd ist. "Wir weisen schon seit Jahren auf die Missstände an der Universität hin", so Christiane Schmidt, AStA-Sozialreferentin. Leider gewinne das Problem der personellen Überlastung erst jetzt an Aufmerksamkeit. Der AStA will sich nun mit einem offenen Brief an das Präsidium wenden und hofft auf Antwort. "Teilweise gab es in den letzten Jahren überhaupt keine Reaktion", klagt Schmidt.
In einem Leserbrief in der "universal", Zeitung von Paderborner Studierenden für Studierende, heißt es: "Als Studentin der Geisteswissenschaften habe ich hier nichts verloren."