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28.10.2009
PADERBORN
Das Angst-Papier der Uni Paderborn
Hochschule äußert sich Donnerstag zur Verwendung von Studiengebühren
VON MARIUS GIESSMANN

Gut gehütetes Geheimnis | FOTO: MARIUS GIESSMANN

Paderborn. Wiederholt verweigerte das Präsidium der Universität Paderborn die Stellungnahme zu dem jüngst bekannt gewordenen Fakt, dass 2008 mindestens 24 Prozent der Studienbeitragsmittel nicht oder ohne Nachweis ausgegeben wurden. So befand es das hauseigene Prüfungsgremium PG-QDL, dessen Bericht einzig die Senatsmitglieder erhielten – allerdings mit einer klar formulierten Warnung.

Präsident Professor Nikolaus Risch verweist im entsprechenden Anschreiben auf "die deutliche Gefahr", die von einer Veröffentlichung der vorliegenden Berichte ausgehe. Weiter heißt es, diese könnten eine "unsachgemäße Diskussion mit erheblichem Schaden für die Universität nach sich ziehen."

Das verwundert einige der Senatsmitglieder nicht. Sie sprechen in Zusammenhang mit dem Verwendungsbericht der Fakultäten – der der Neuen Westfälischen vorliegt – von einem "Chaosbericht". Und tatsächlich enthält das mehr als 300 Seiten starke Dokument Verwendungsnachweise der unterschiedlichsten Form und Detailtiefe. Einige Institute erklären mit Hilfe von Tabellen auf den Cent genau, wie die Mittel verwendet wurden, andere erläuterten die Verwendung mehrerer zehntausend Euro lediglich mit einem Prosatext.

Nach Einschätzung aktiver sowie ehemaliger Mitglieder des Prüfungsgremiums handelt es sich beim PG-QDL um ein Scheingremium, dass nur aus Alibigründen eingeführt worden sei. Gleicher Meinung ist die Juso-Hochschulgruppe. Seit Einsetzung des Hochschulgremiums, das nach dem Hochschulgesetz als Kontrollorgan verpflichtend ist, plädierten sie für dessen öffentliche Sitzung oder zumindest für die Veröffentlichung der Prüfungsergebnisse.

"Es genügt ein Hinweis per Mail"

Bis jetzt sei das jedoch immer am Veto des Präsidiums gescheitert – nach Aussage von André Zimmermann eine landesweit beinahe einmalige Praxis. "Eigentlich herrscht bei allen Hochschulen in NRW mittlerweile sehr viel Transparenz", sagt der Pressesprecher des zuständigen Landesministeriums, dem die Rechtsaufsicht über die sachgemäße Verwendung von Studienbeitragsmitteln gehört.

Dieser Fakt ermächtigt das Ministerium, in begründeten Verdachtsfällen der Mittelverwendung nachzugehen, gleiches gilt für den Landesrechnungshof. "Dazu genügt ein Hinweis per Email", so der Sprecher des Rechnungshofes auf Anfrage.

Als Reaktion auf den steigenden öffentlichen Druck kündigte Pressesprecher Tibor Werner Szolnoki indes ein Pressegespräch an. Am Donnerstag will das Präsidium im Senatssitzungssaal ab 13 Uhr Fragen zur aktuellen Situation der Universität beantworten, darunter auch solche zur Verwendung der Studienbeitragsmittel sowie zur Raumsituation.

KOMMENTAR

Nur Mut

Studiengebührenverwendung bleibt weiter unklar

VON MARIUS GIESSMANN

Transparenz ist für das Präsidium der Universität Paderborn ein hohes Gut, das bisher jedoch nicht jedem zuteil werden sollte. Gerne kassiert man pro Jahr rund 1.000 Euro von jedem Studenten, wendet sich aber pikiert ab, wenn diese über die Verwendung informiert werden wollen.

Für diese Blockadehaltung gibt es einen Grund: Die Verantwortlichen um Präsident Risch fühlen sich unverstanden. Mit ihrem engagierten Einsatz haben sie neben den mehreren Millionen Euro an Landesmitteln aus dem Hochschulpakt auch noch fünf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II für die Zukunftsmeile Fürstenallee nach Paderborn geholt. Bravo! Doch vor lauter ehrgeiziger Betriebsamkeit übersehen die Herrschaften die vollkommen berechtigten Wünsche ihrer rasant wachsenden Gruppe an Beitragszahlern. Dank der explosiven Steigerung an Erstsemester-Studenten herrscht momentan in den Instituten kein Mangel an Mitteln, wohl aber an transparenten Informationen.

Schön, dass sich das Präsidium nun eines besseren besinnt und am Donnerstag die Verwendung der Beitragsmittel offenlegen will. Die an anderen Hochschulen übliche Praxis könnte die befürchtete "unsachgemäße Diskussion" im Keim ersticken.
marius.giessmann@ihr-kommentar.de


Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Achtung! Die Das Gespräch für Presse und Studierende findet nicht um 13 Uhr, sondern um 20 Uhr statt! Ort: Audimax

1. Wer hat die Million € für die Netbook-Aktion bezahlt? Unsere zwei lokalen Banken waren es wohl augenscheinlich nicht. Seht ihr auf dem "Dein Netbook" Flyer auch nur ein Sponsor-Logo? Geht mal in Hörsaal G, dort hängt eine überdimensionale "Tafel der Förderer" So funktioniert Sponsoring! Tue gutes und rede davon. Die Netbooks (bzw. die Million €) kommen wohl von einer 80 Mitarbeiter IT-Gmbh Namens "Datenlotsen" welche als vierter Sponsor genannt wurde. Rein zufällig verkaufen die nur ein Produkt "Campus.net" bzw. unser geliebtes "Paul". Firma Datenlotsen wird aus Studienbeitragsmitteln (über?)bezahlt, um über einen kleinen Umweg wieder die Netbooks zu stiften? Die Indizien für diese Machenschaften sind leider sehr erschreckend real. Da wurde in Zeiten der Wirtschaftskriese, wo niemand etwas zu verschenken hat, eine Million für einen (vermeintlich) guten Zweck gestiftet, und keiner will es gewesen sein? Da stinkt doch was zum Himmel! Also liebe Fachschaften. Ich wünsche mir Aufklärung bzgl. dieses dubiosen Sponsoring der Netbook-Million. Dies ist meine Forderung.

Die Konferenz findet um 13 Uhr in Raum B2.321 statt. Jeder kann und muss kommen !

Mit diesem Link erhält man das Kontaktformular des "Ministerium für Innovation,Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NRW" : http://www.innovation.nrw.de/kontakt/index.php Vielleicht macht es Sinn, dass man einige Umstände des Studierens an der Uni Pb mal an die MitarbeiterInnen des zuständigen Ministers meldet. Immerhin hat die Regierung Rüttgers die Studiengebühren mit vollmundigen Versprechungen über die Verbesserung der Situation an den Hochschulen eingeführt. Im Mai 2010 ist Landtagswahl!!!!

Dass der deutsche Studierende, auch bei Finanzierung seitens der Eltern, mit teils blinden Beschwerden hinzüglich der Verwendung "seiner" Studiengebühren nicht geizt, ist kein Novum. Viele Proteste würden allerdings bei einer zuverlässigen Finanzierungstransparenz und damit einhergehendem Vertrauem gar nicht erst aufkommen. Das Präsidium schmückt sich mit einem bekannten Problem: Mangelnde Transparenz sorgt für Unzufriedenheit und Protest einerseits und (Hochschul)politikverdrossenheit andererseits. Keine dieser Folgen sollte sich eine Universität wünschen. Tut sie es doch, muss die vierte Gewalt es eben richten. In diesem Sinne.



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