Paderborn. Auch in der dritten Vorlesungswoche gibt es Ärger an der Universität Paderborn. Erst gestern brach eine Dozentin ihre Veranstaltung aus Sicherheitsgründen ab. Etwa 240 Studierende hatten sich in den Raum gedrängt, der nur 181 Sitzplätze bietet. Kein Einzelfall, wie ein Zusammenschluss beinahe aller Studienvertreter mitteilt. Seit gestern sammelt er Unterschriften für bessere Studienbedingungen – mit ersten Erfolgen.
"Wir haben allein in den vergangenen 50 Minuten mehr als 350 Unterschriften bekommen", sagt Marvin Köhler im Mensafoyer. Dann erklärt er einer Gruppe von interessierten Studentinnen, um welche Missstände es geht: Überfüllte Hörsäle, Losverfahren bei der Seminarplatzvergabe sowie "die total überlastete Infrastruktur". Alles Dinge, die Carina Ebeler und ihre Freundinnen nur zu gut aus ihrem Unialltag kennen. Sie unterschreiben.
Etwa 100 Meter weiter steht Köhlers Fachschafts-Kollegin Ann-Christin Saegert. Bei ihr hinterließen in dreieinhalb Stunden mehr als 1.500 Studierende ihre Unterschriften als Zeichen des Protests. "Es läuft gut", sagt Saegert, die sich freut, dass es bereits eine erste Reaktion des Präsidiums gab. "Herr Risch hat auf Anfrage per Mail mitgeteilt, dass er generell zu Gesprächen bereit ist", erklärt Fachschaftsvorsitzender Mathias Schwiddessen. Ein Termin hierfür stünde jedoch noch nicht fest.
Paul macht Probleme
Auch deshalb will der Zusammenschluss der Studentenvertretungen der Fachbereiche Lehramt, Medienwissenschaften, Musik-Kunst-Textil, Mathe/Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Physik, Chemie sowie der AStA Paderborn bis kommenden Mittwoch weitersammeln. Schwiddessen: "Dann können wir ganz genau zeigen, wie viele Studenten wirklich unzufrieden mit den Studienbedingungen sind."
Grund zur Unzufriedenheit hätten auch Dozenten wie Dr. Rosa Maria Puca. Sie hat eine Lehrstuhlvertretung im Fachbereich Lehramt und kennt die Probleme, die Erstsemester an der Uni Paderborn haben, aus eigener Erfahrung. Es heißt Paul. Das digitale Organisations- und Aktionsplattform ermöglichte 240 Studenten, sich für Pucas Veranstaltung zur Entwicklungspsychologie anzumelden. Der reservierte Hörsaal P5.203 bietet jedoch lediglich gut 180 Sitzplätze. "Die Veranstaltung konnte ich unmöglich halten, überall saßen Studierende auf dem Boden und den Treppen", sagt Puca. "Die Fluchtwege dürfen schließlich nicht besetzt sein." Das Resultat: Die Veranstaltung dauerte lediglich eine Viertelstunde, die statt Lerninhalten der Diskussion gewidmet wurde.
Mittlerweile ist das Problem behoben. Puca versandte Gesternmittag an alle Studierenden, die sie noch vormittags heimschicken musste, eine Mail mit einer doppelten frohen Botschaft. Kommende Woche gibt es genug Platz. Die Veranstaltung wurde auf 7.30 Uhr vor- und in den Raum P5.201 umverlegt – und die maximal mögliche Teilnehmerzahl auf 260 erhöht.
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