Mehr als 1.000 Studenten verfolgen die öffentliche Pressekonferenz des Uni-Präsidiums im Audimax
Paderborn. Es ist ein gewohntes Bild für viele Studenten der Universität: dicht drängen sich Zuhörer in den Gängen, auf den Treppen und dem Boden des Hörsaals. Trotzdem ist die Stimmung gut. Die Studierenden sind dankbar, dass die Uniführung versucht, ihnen das Einmaleins der Präsidiumsarbeit zu erklären. Es bleibt jedoch beim Versuch.
Von dem angestauten Unmut, der erst zu dem außerordentlichen Termin im Audimax geführt hatte, ist nichts mehr zu spüren. Als Präsident Professor Nikolaus Risch die Pressekonferenz eröffnet, herrscht Totenstille. "Ich wünsche mir sehr, das wir offen und ehrlich miteinander umgehen können", sagt er und erntet amüsiertes Getuschel von den Zuhörern.
Dann erklärt er die Umstände, die zu dem Gerücht geführt haben, im Zeitraum Wintersemester 2007/2008 und Sommersemester 2008 seien 24 Prozent der Studienmittel ohne Nachweis ausgegeben worden. Im Gegensatz zu anderen Hochschulen hätte sein Präsidium beschlossen, direkt nach Einführung der Studiengebühren diese auch zu verausgaben – obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch keine einheitliche Abrechnungsform für die Fakultäten gegeben hätte. "Unser Ziel ist es jetzt, möglichst rasch ein Raster zu entwickeln, an das sich alle Fakultäten halten", sagt er. Da es dieses Raster zum betreffenden Zeitraum noch nicht gegeben hätte, habe sich die Hochschule "bewusst in die Gefahr begeben, kritisiert zu werden".
Verhöhnendes Gelächter
Als Barbara Tigges-Mettenmeier, Vorsitzende des Prüfungsgremiums jedoch erklärt, ihr Gremium habe lediglich 76 Prozent der Belege tiefergehend studiert, ist die Empörung groß.
Verhöhnendes Gelächter erntet zunächst auch Kanzler Jürgen Plato für seine Ausführungen zur Platznot an der Universität Paderborn. "Es ist immerhin geglückt, einiges in Bewegung zu bringen", sagt er mit Blick auf die aktuellen Baumaßnahmen. Als er jedoch verspricht, bei Bedarf Räume im Technologiepark anzumieten, schlägt die Stimmung wieder ins Positive um.
Auch Risch weiß seine Zuhörer in Verzückung zu versetzen. Er verspricht, künftig zweimal pro Jahr eine Informationsveranstaltung für die Studierenden durchzuführen. Auch die Sorge, die umstrittenen Netbooks seien mit Studienbeitragsmitteln finanziert worden, kann das Präsidium den Studierenden an diesem Abend nehmen. "Ich versichere, das dem nicht so ist", sagt Plato. "Das können sie auch schriftlich haben."
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VON BERNHARD HÄNEL
Das Fass ist übergelaufen. Ausgerechnet die traditionell eher protestabstinente Studierendenschaft der Universität Paderborn macht jetzt dem allgemein verbreiteten Verdruss an den Hochschulen über die Studiengebühren lautstark Luft. Dafür hat sie auch allen Grund, wenn die Hochschulleitung nahezu alles vermeidet, was Transparenz über die Verwendung der Zwangsabgabe herstellt. Obwohl es darauf einen gesetzlichen Anspruch gibt.
Doch Ansprüche gelten wenig in Zeiten des kompletten Umbruchs der Hochschulen. Humboldts Ideal der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden ist passé. Heute sind Studierende im Idealfall Kunden. Doch das Warenangebot ist häufig von minderer Qualität und den Kaufpreis von 1.000 Euro pro Studienjahr nicht wert. Volle Hörsäle, zu wenig Laborplätze und keine Zeit für angemessene Betreuung oder nur Beratung sind einige der altbekannten Stichwörter.
Neu aber ist die Zuweisung von Chancen durch die Selektion nach dem Bachelor-Abschluss. Viel zu gering ist die Zahl der Studienplätze für jene Studierenden, die das höherwertige Master-Examen machen wollen. Dies aber wird erwartet in den meisten Berufsfeldern, auf die sich die jungen Menschen an den Hochschulen vorbereiten.
Diese Generation wird, anders als ihre Vorgänger, nicht schwärmen können von den herrlichen Zeiten während des Studiums. Schon gar nicht bleibt ihr die Zeit für ein Studium generale, den Blick über den Tellerrand des eigenen Faches. Fachidiotentum droht, für das am wenigsten die jungen Menschen verantwortlich sind.
Gut, dass sich die Studierenden dagegen wehren. Bislang waren es viel zu wenige, die sich für ihre eigenen Interessen einsetzten; auch aus Zeitmangel. Diese Generation verdient unsere Solidarität, wenn sie nicht unter die Räder blanker Verwertungsinteressen geraten soll.