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30.10.2009
PADERBORN
Der große Erklärungsversuch der Uni-Leitung
Mehr als 1.000 Studenten verfolgen die öffentliche Pressekonferenz des Uni-Präsidiums im Audimax
VON MARIUS GIESSMANN

Volles Haus | FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn. Es ist ein gewohntes Bild für viele Studenten der Universität: dicht drängen sich Zuhörer in den Gängen, auf den Treppen und dem Boden des Hörsaals. Trotzdem ist die Stimmung gut. Die Studierenden sind dankbar, dass die Uniführung versucht, ihnen das Einmaleins der Präsidiumsarbeit zu erklären. Es bleibt jedoch beim Versuch.

Von dem angestauten Unmut, der erst zu dem außerordentlichen Termin im Audimax geführt hatte, ist nichts mehr zu spüren. Als Präsident Professor Nikolaus Risch die Pressekonferenz eröffnet, herrscht Totenstille. "Ich wünsche mir sehr, das wir offen und ehrlich miteinander umgehen können", sagt er und erntet amüsiertes Getuschel von den Zuhörern.

Dann erklärt er die Umstände, die zu dem Gerücht geführt haben, im Zeitraum Wintersemester 2007/2008 und Sommersemester 2008 seien 24 Prozent der Studienmittel ohne Nachweis ausgegeben worden. Im Gegensatz zu anderen Hochschulen hätte sein Präsidium beschlossen, direkt nach Einführung der Studiengebühren diese auch zu verausgaben – obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch keine einheitliche Abrechnungsform für die Fakultäten gegeben hätte. "Unser Ziel ist es jetzt, möglichst rasch ein Raster zu entwickeln, an das sich alle Fakultäten halten", sagt er. Da es dieses Raster zum betreffenden Zeitraum noch nicht gegeben hätte, habe sich die Hochschule "bewusst in die Gefahr begeben, kritisiert zu werden".

Verhöhnendes Gelächter

Als Barbara Tigges-Mettenmeier, Vorsitzende des Prüfungsgremiums jedoch erklärt, ihr Gremium habe lediglich 76 Prozent der Belege tiefergehend studiert, ist die Empörung groß.

Verhöhnendes Gelächter erntet zunächst auch Kanzler Jürgen Plato für seine Ausführungen zur Platznot an der Universität Paderborn. "Es ist immerhin geglückt, einiges in Bewegung zu bringen", sagt er mit Blick auf die aktuellen Baumaßnahmen. Als er jedoch verspricht, bei Bedarf Räume im Technologiepark anzumieten, schlägt die Stimmung wieder ins Positive um.

Auch Risch weiß seine Zuhörer in Verzückung zu versetzen. Er verspricht, künftig zweimal pro Jahr eine Informationsveranstaltung für die Studierenden durchzuführen. Auch die Sorge, die umstrittenen Netbooks seien mit Studienbeitragsmitteln finanziert worden, kann das Präsidium den Studierenden an diesem Abend nehmen. "Ich versichere, das dem nicht so ist", sagt Plato. "Das können sie auch schriftlich haben."

Mehr dazu lesen Sie am Samstag in der Neuen Westfälischen!

KOMMENTAR
VON BERNHARD HÄNEL
    
Das Fass ist übergelaufen. Ausgerechnet die traditionell eher protestabstinente Studierendenschaft der Universität Paderborn macht jetzt dem allgemein verbreiteten Verdruss an den Hochschulen über die Studiengebühren lautstark Luft. Dafür hat sie auch allen Grund, wenn die Hochschulleitung nahezu alles vermeidet, was Transparenz über die Verwendung der Zwangsabgabe herstellt. Obwohl es darauf einen gesetzlichen Anspruch gibt.

Doch Ansprüche gelten wenig in Zeiten des kompletten Umbruchs der Hochschulen. Humboldts Ideal der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden ist passé. Heute sind Studierende im Idealfall Kunden. Doch das Warenangebot ist häufig von minderer Qualität und den Kaufpreis von 1.000 Euro pro Studienjahr nicht wert. Volle Hörsäle, zu wenig Laborplätze und keine Zeit für angemessene Betreuung oder nur Beratung sind einige der altbekannten Stichwörter.

Neu aber ist die Zuweisung von Chancen durch die Selektion nach dem Bachelor-Abschluss. Viel zu gering ist die Zahl der Studienplätze für jene Studierenden, die das höherwertige Master-Examen machen wollen. Dies aber wird erwartet in den meisten Berufsfeldern, auf die sich die jungen Menschen an den Hochschulen vorbereiten.

Diese Generation wird, anders als ihre Vorgänger, nicht schwärmen können von den herrlichen Zeiten während des Studiums. Schon gar nicht bleibt ihr die Zeit für ein Studium generale, den Blick über den Tellerrand des eigenen Faches. Fachidiotentum droht, für das am wenigsten die jungen Menschen verantwortlich sind.
Gut, dass sich die Studierenden dagegen wehren. Bislang waren es viel zu wenige, die sich für ihre eigenen Interessen einsetzten; auch aus Zeitmangel. Diese Generation verdient unsere Solidarität, wenn sie nicht unter die Räder blanker Verwertungsinteressen geraten soll.


Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
@wiwi-student: In den Kulturwissenschaften sitzen viele Profs, die schlichtweg nicht in der Lage wären, eine Vorlesung mit Hilfe der Technik für alle zugänglich zu machen bzw es einfach ablehnen. Aber auch ohne Technik hätten in der Vergangenheit Probleme eingedämmt werden können: So gab es in der Anglistik CLC-Kurse mit max. 25 Teilnehmern, rein wollten gut 150, weil Pflichtveranstaltung. Warum diese Kurse nur in so einer kleinen Gruppe statt als Vorlesung im Hörsaal für alle angeboten wurde, entzieht sich mir noch heute jeglicher Logik. Eine Klausur hätte sowieso am Ende gestanden, von daher keine große Umstellung. Englische Grammatik kann man sicherlich gut frontal lehren, die WiWi-Leute lernen ja auch fast alles in Vorlesungen statt in Seminaren, und für die Korrekturen gibt es immer auch Unterstützungsmöglichkeiten durch SHKs. Daß durch solch beschränkte Planung die Studiendauer verlängert wird, ist logische Konsequenz. Die Profs wissen darum, können (?) aber scheinbar nichts tun.

Da heb n wir ja schon ein grundstäzliches Problem: Mit diesem Präsidenten kann man nicht über Probleme reden, da der Präsident das größte Problem ist. Der Risch muss weg. Dann hat meine eine neutrale Situation, in der es sich lohnt, über Verbesserungen zu verhandeln.

dein Kommentar sagt ja schon alles...das sind immer die besten, die zuhause sitzen und rummeckern, aber sich nicht engagieren wollen. und nochmal der hinweis, dich besser zu informieren: die fachschaften haben sich zusammengeschlossen und trinken dabei auch nicht nur tee,sondern besprechen KONSTRUKTIV mit dem präsident,was man ändern kann und wie. das ist allemal besser als jeder, der zuhause sitzt,auf fachschaften schimpft und selber nix macht, außer vielleicht zu der pressekonferenz zu gehen und meinungen in den raum zu schreien. oder kannst du mich eines besseren belehren und mir sagen, was du gerade so effektives planst? die fachschaften nehmen deine hilfe bestimmt gerne an! oder tu doch mal was gegen die fehlende koordination. aber bitte nicht vorm computer sitzen und meckern über die, die wenigstens etwas machen!

Danke für die vermeintlichen Informationen, aber ich winke dankend ab. Die Fachschaften blicken doch durch das eigene Chaos, das sie produzieren, selbst nicht durch. Und: mit einigen anonymen und obskuren Hinweisen von Fachschaften hat die Presse wohl auch nicht viel anfangen können. Das haben die sich selbst erarbeitet. Aber warum streiten wir hier? Es geht doch jetzt darum, dass man sich gemeinsam einen dezidierten Plan erarbeitet, wie es weiter gehen soll. Wir sollten uns hier nicht gegenseitig irgendwelche Dinge an den Kopf werfen. Fakt bleibt jedoch, dass jegliche studentischen Institutionen schon seit einiger Zeit versagt haben. Ein Widerstand beschränkt sich, und auch der der Fachschaften, auf gemeinsames Tee trinken in gemütlichen Büros. Natürlich wollen die Institutionen viel tun. Aber es fehlt einfach an Koordination und zudem haben die Fachschaften auch alle eigene Interessen, die zu verschieden sind, als dass daraus eine konzertierte Aktion gebohren werden könnte. Das müsste eigentlich der AStA übernhemen und den gibt es ja momentan nicht mehr. Zumindest nicht so, dass er handlungsfähig ist

@Langzeitstudent: bevor du hier so groß erklärst wie alles abgelaufen ist und dass du so gut bescheid weisst, solltest du dich besser informieren. aber ich informiere dich gerne: es waren die fachschaften, die das thema an die presse gebracht hat. sonst hätte die presse nicht darüber berichtet. weil die nicht mitbekommen hätten, dass unmut herrscht. und noch ein kleiner tipp: wenn du die arbeit der studentischen selbstverwaltung so schlimm findest, engagier dich doch mal selbst dort, anstatt dich darüber aufzuregen!



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