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04.11.2009
PADERBORN
Wo blieben 24 Prozent der Studiengebühren?
Aussage von Paderborns Uni-Präsident Risch stiftet weitere Verwirrung

In der Kritik | FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn. Es war der Versuch einer Richtigstellung, bereicherte die Diskussion um die Verwendung der Studiengebühren an der Universität Paderborn im Jahr 2008 jedoch nur um eine weitere Sprachregelung.

So erklärte Uni-Präsident Nikolaus Risch am vergangenen Donnerstag den mehr als 1.000 Zuhörern im Audimax, das hauseigene Prüfungsgremium (PG-QdL) habe 76 Prozent der vorliegenden Verwendungsbelege "als Stichprobe" tiefgehend studiert. "Die weiteren 24 Prozent sind dann aus Effizienzgründen nicht weiter überprüft worden, aber selbstverständlich liegen alle Belege dazu vor", sagte Risch. Eine Aussage, die von der Juso-Hochschulgruppe mit Verweis auf den unter Verschluss gehaltenen Bericht des Prüfungsgremiums als "falsch und leicht zu behaupten" bewertet wurde.

Auf Nachfrage der Neuen Westfälischen bestätigte Barbara Tigges-Mettenmeier, Vorsitzende des Gremiums, die Vermutung der Hochschulgruppe, es handele sich bei der kursierenden Zahl von 24 Prozent stattdessen um nicht verausgabte Mittel. "Die Aussage bezog sich definitiv auf die geschobenen Mittel", sagt sie. "Der Prozentsatz ist jedoch in jedem Fall nur ein Schätzwert. Zu genauen Höhe können wir keine klare Aussage machen." Daraufhin habe ihr Gremium den Fakultäten empfohlen, zukünftig Mittel nur projektbezogen ins Folgejahr zu "schieben" – also anzusparen.

"Da muss man sich schonmal ernsthafte Gedanken über die Höhe unserer Studiengebühren machen", fordert Jonas Wagener, Vorsitzender der Juso-Hochschulgruppe. Tigges-Mettenmeier weiß hingegen, dass die 2008 nicht verausgabten Mittel in der Zwischenzeit investiert wurden – nur nicht wo. "Es wurde uns nur pauschal gesagt, dass es verausgabt ist", berichtet sie. Die detaillierten Verwendungnachweise der mehreren Millionen Euro würden jedoch in jedem Fall mit dem kommenden Prüfbericht geliefert. Tigges-Mettenmeier: "Der wird dann ja auch öffentlich."

Wer sich Präsident Rischs Aussagen oder die gesamte Infoveranstaltung der Universität noch einmal auf Video anschauen will, kann dies auf der Internetseite "Upb-Tv" tun, die von Studierenden der Fakultät Medienwissenschaften betreut wird: http://upb-tv.de

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Gut Sarah, also bleiben wir doch einfach alle zuhause und trösten uns mit der tollen Ausrede, dass man eh nichts machen kann, über die eigene Faulheit hinweg, mal für unsere Interessen und Meinungen einzustehen?! Super, dass es so viele Leute gibt, die dieser Maxime nur allzu gerne folgen! Deswegen war es damals nämlich auch nicht möglich, zu verhindern, dass Studiengebühren überhaupt erst eingeführt werden...

Leute, kapiert es endlich: Ihr bzw. wir haben null Rechte, was die Studiengebühren betrifft! Die wurden von den Unis als "Studienbeiträge" deklariert, um sich juristisch abzusichern. Für "Studienbeiträge" muss keine einklagbare Leistung der Uni erbracht werden. Man kann sich also beschweren, Gesprächsrunden machen, Unterschriften sammeln: die Universitätsleitung wird es im Grunde wenig kümmern. Denn sie weiß, dass ihr keine Massenklagen wegen schlechter Studienbedingungen drohen. Es gibt keinerlei Handhabe für Studenten, in diesem Falle Gebühren zurückzufordern. Und deswegen wird auf Seiten der Leitung ein bisschen beschwichtigt, ein paar Räumchen angemietet und in den nächsten Semestern geht es dann munter weiter wie bisher. Der endgültige Super-Gau kommt dann, wenn G8 und G9 gleichzeitig fertigwerden. Aber es wird immer - negative Publicity hin oder her - Studenten geben, die anderswo den NC nicht schaffen und deswegen dann nach Paderborn kommen. Egal ob da ein Studium nur unter miesen Bedingungen möglich ist. Diese Leute haben ja keine Wahl. Der Karren steckt längst im Dreck, weil wir auf der einen Seite eine Menge Gebühren zahlen, die sich viele Studenten sehr hart erarbeiten bzw. zusammensparen müssen, auf der anderen Seite aber keine Rechte dafür bekommen haben. Die Studenten sind und bleiben die Deppen der Nation. Professoren können sich alles erlauben, weil sie verbeamtet sind und nur in ganz ganz schweren Fällen fliegen. Sonst haben die Narrenfreiheit. Die ideale Position für Leute, die es im normalen Arbeitsleben zu nix bringen und achtkantig rausgeschmissen werden würden. Dafür sind sie aber zehnmal so arrogant wie Normalsterbliche. Was die Kommentare hier angeht, hat Meike völlig Recht: Wir können zwar Krach schlagen, aber nützen wird es nix. Eben weil der juristische Weg nicht beschritten werden kann. Weder Unileitung noch Professoren interessieren die Studenten als Individuen, noch haben sie die idealistische Einstellung, junge Menschen für die Wissenschaft zu begeistern oder gut auf den zukünftigen Beruf vorzubereiten. Studenten sind nur dazu da, um Geld reinzubringen - was die Profs angeht, Geld für ihre Forschung, für ihr Institut, für ihren Lehrstuhl. Je mehr Studenten, je mehr Absolventen, desto mehr Kopfgeldprämien. Es geht nur ums Geld. Deswegen könnten wir der Uni auch nur dann wehtun, wenn wir das zurückfordern würden, aber das können wir nicht. Einen anderen Weg gäbe es, nämlich eine massenweise Exmatrikulation. Damit könnte man Herrn Risch in einem Tag zum Rücktritt zwingen. Da findet man aber nicht genug, die mitmachen. Also bleibt alles beim Alten bzw. wird kurzfristig etwas verbessert und dann wird die nächste Studentenmasse reingeholt.

Da bei der letzten Infoveranstaltung nicht alle Fragen geklärt worden sind, gibt es diesen Donnerstag eine zweite Veranstaltung. Wir übertragen natürlich wieder Live ab 20 Uhr aus dem Audimax. Wer also keine Zeit hat, persönlich anwesend zu sein, hat hier die Möglichkeit mitzuerleben, was sich ergibt: http://www.upb-tv.de

Ich verstehe nicht ganz, warum es plötzlich möglich sein soll, daß Geld aufgespart werden kann. Meines Wissens nach steht doch in der Ordnung für die Verwendung von Studienbeitragsmitteln, daß die Einnahmen in dem Semester ausgegeben werden müssen, für das sie eingenommen wurden. Somit dürfte kein Geld übrig bleiben. Sollten tatsächlich 24% des Kuchens übrig sein, wäre ich für eine Rückzahlung. Bei nur 2Mio. € Rest wären es bei 14000 zahlenden Studenten knappe 150€... Ich könnte die gut gebrauchen.

Mal ne ganz naive Frage: Ich nehme von jemandem Geld (hier: Studiengebühren) für eine bestimmte Leistung (Hier: Verbesserung der Studienbedingungen), erbringe diese Leistung aber nicht. Wie nennen das Juristen? Ich vergleiche das mal mit einer Fluglinie, die Flugtickets verkauft, aber gar nicht vorhat, alle von Kunden gezahlten Gelder in Flüge zu investieren. Bzw. (sh. überfüllte Seminare) manchen Kunden sage: "Sorry ihr, habt bezahlt, das Geld kriegt ihr aber nicht wieder. Wir wollen keine weiteren Flugzeuge chartern, wir wollen das Geld auf die hohe Kante legen." Hat das schon jemand geprüft? Denn wenn die Herrschaften das Recht auf Bildung schon verscheuern, dann müssen sie sich auch an die kapitalistische Logik halten. Aber sooo gehts wohl nicht: Wir machen einen auf Bildungsunternehmen verhalten uns aber weiter wie eine Behörde.



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