Paderborn (nw). Einem aus Paderborn agierenden Drogendealerring haben Drogenfahnder das Handwerk gelegt. Monatelange Ermittlungen des Paderborner Drogenkommissariats führten am Wochenende zu fünf ersten Festnahmen. Nach einer erneuten Drogenlieferung mit 18 Kilogramm Haschisch griffen die Fahnder zu. Von dem eingenommenen Drogengeld lebten die mutmaßlichen Dealer auf großem Fuß, fuhren teure Autos und finanzierten ihren eigenen Drogenkonsum: Kokain und Marihuana.
Anfang März erlangten Ermittler der Paderborner Drogenfahndung erste Erkenntnisse über einen Haschischdealer, der im großen Stil die Cannabisdroge nach Paderborn einführen sollte. Kriminalhauptkommissar Hans-Werner Meyer, Leiter des Kommissariats 31, erläutert: "Nach unseren Informationen sollte der Paderborner seit mehreren Jahren Haschisch im zweistelligen Kilobereich aus dem Ruhrgebiet einschmuggeln."
Mitte Mai setzte die Kreispolizeibehörde eine Ermittlungskommission aus vier Drogenfahndern ein, die ausschließlich an der Aufklärung dieses Verfahrens arbeiteten. In der folgenden Zeit trugen die Ermittler Details zur Arbeitsweise des Dealerrings zusammen und identifizierten die beteiligten Personen. Als Drahtzieher gilt ein aus Syrien stammender Pizzeriabesitzer (28) aus Paderborn, der den Drogenhandel gemeinsam mit zwei Cousins (27/29) betrieb. Ein Italiener (29) und ein Deutscher (23) waren zumindest als Kuriere beteiligt. Weitere Personen arbeiteten im Umfeld des Haschischrings.
Mehrfach fuhren die Kriminellen ins Ruhrgebiet. Sie standen in Kontakt zu einem Marokkaner, der das Haschisch lieferte.
Hauptkommissar Meyer: "Die Beteiligten gingen äußerst konspirativ vor. Wir mussten sehr vorsichtig agieren, um nicht erkannt zu werden." Dennoch gelang es den Fahndern unbemerkt, das Transportkonzept des Rings zu enttarnen. Demnach wurde ein Fahrzeug ein bis drei Tage vor dem eigentlichen Deal nach Dortmund gebracht.
Rauschgift steckte in Hohlräumen
Komplizen des Marokkaners holten das Auto ab und brachten es zu einer abgesprochenen Zeit an einen vereinbarten Ort. In der Zwischenzeit waren die Haschischpäckchen irgendwo in Hohlräumen des Fahrzeugs verstaut worden. Ein Kurier brachte das Drogenauto nach Paderborn, wo das Haschisch über Zwischenhändler weiterverkauft wurde.
Am vergangenen Freitag fuhr erneut ein Kleinwagen nach Dortmund, um von dem Haschisch-Großhändler "bestückt" zu werden. Die Rückgabe fand einen Tag später gegen 17 Uhr statt. Den 23-jährigen Kurier brachten sein Boss und einer der Cousins nach Dortmund. Die verdeckten Ermittler der Paderborner Fahndung hatten sie dabei nicht zu Gesicht bekommen. Erst als in Paderborn zeitgleich die Handschellen klickten, wurde den Dealern klar, dass sie beobachtet worden waren.
Drogenspürhund kaum zu halten
Vor der Pizzeria schnappten die Polizisten den Kurierfahrer mit dem Drogenauto. Der eingesetzte Drogenspürhund war kaum zu halten.
Eine solche Menge an Haschisch hatte seine Nase noch nie erspürt.
Hinter einer Seitenverkleidung des Kleinwagens fanden die Beamten knapp 18 Kilo in Blöcken verpacktes Haschisch.
Der Wagen, mit dem der Drahtzieher und sein Vetter aus Dortmund zurückkamen, wurde in der Stadtheide gestoppt und beide Insassen festgenommen. In der Wohnung des Pizzeriabetreibers warteten die beiden übrigen Dealer vergeblich auf die neue Lieferung. Polizeibeamte überraschten die Männer und nahmen sie ebenfalls fest. In der Wohnung stellte die Polizei Drogenutensilien für den Weiterverkauf sowie Bargeld in Dollarnoten und Schweizer Franken sicher.
Autos und Schmuck beliehen
Um den kiloschweren Drogeneinkauf bezahlen zu können, hatten die Paderborner ihre teuren Autos oder auch Schmuck bei einem Paderborner Finanzier beliehen. Das Drogengeld gelangte bei jedem Deal in mehreren "Raten" in die Hände des Marokkaners. Etwa 2.500 bis 3.000 Euro verlangte der Dortmunder pro Kilo. Für etwa die doppelte Summe konnte das Rauschgift in Paderborn umgesetzt werden.
Kommissariatsleiter Meyer: "Wir müssen davon ausgehen, dass von dieser Tätergruppe mehrere Zentner Haschisch in Paderborn umgesetzt worden sind." In ihren Vernehmungen schwiegen die bereits polizeilich bekannten Tatverdächtigen zu den Vorwürfen. Sie lassen sich anwaltlich vertreten. Am Sonntag schickte der Haftrichter am Paderborner Amtsgericht die Festgenommen in Untersuchungshaft. Zwei weitere Haftbefehle gegen Mittäter sollen in Kürze vollstreckt werden.