Paderborn. Peter Evers (44), Vizepräsident des SC Paderborn, ist bekannt dafür, dass er nicht gerne ein Blatt vor den Mund nimmt. Auch vor dem Paderborner Amtsgericht, wo er wegen Widerstands und Körperverletzung angeklagt ist, redete sich der Diplom-Kaufmann manchmal in Rage, was ihm den einen oder anderen Rüffel der Justizvertreter eintrug. Andererseits sprach Evers aber auch auf der Anklagebank mit einer herzerfrischenden Offenheit, die beim Publikum manchmal Heiterkeit und Erstaunen auslöste.
Beispiel: Als der Richter Werner Meier die Verhandlung auf den 9. Dezember vertagen wollte, erhob Evers spontan Einspruch. An diesem Tag könne er in Paderborn nicht vor Gericht erscheinen, denn er fliege in den Urlaub. "Nach Las Vegas zum Zocken", sagte Evers mit einem breitem Lachen im Gesicht. Beim Glücksspiel suchen heute viele Menschen manchmal Entspannung und Zerstreuung - und Evers gehört offenbar dazu. Seine Ankündigung, er werde Paderborner Staatsanwälte wegen Vorteilsannahme anzeigen, weil diese kostenlose VIP-Karten eingefordert und erhalten hätten, schlägt sehr hohe Wellen. Sogar die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm befasst sich schon mit der Angelegenheit. "Wir lassen uns von der Paderborner Staatsanwaltschaft berichten", sagte Sprecherin Claudia Hurek dieser Zeitung.
Der Paderborner Oberstaatsanwalt Horst Rürup, der die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme bereits zurückgewiesen und als "Unverschämtheit" bezeichnet hatte, sagte am Freitag, man werde den Anschuldigungen von Evers "intern nachgehen". Ob, wann und gegen welche Staatsanwälte Evers tatsächlich Strafanzeige erstatten wird, war nicht in Erfahrung zu bringen. Der Anwalt von Peter Evers, Olaf Schilasky, sagte, er sei "noch nicht beauftragt, jemanden anzuzeigen".
"Partnerschaft funtioniert bestens"
Derweil rückt der SC Paderborn keineswegs von seinem Vizepräsidenten ab - im Gegenteil. "Das Ganze ist eine Privatangelegenheit von Herrn Evers", sagte SC-Sprecher Matthias Hack. Von kostenlosen VIP-Karten für Staatsanwälte sei ihm nichts bekannt. Das "Geschäftsverhältnis" zu Evers sei "einwandfrei", die "Partnerschaft" funktioniere bestens, betonte Hack. Wenn überhaupt, dann werde sich das Präsidium erst nach einem Urteil zu dem Fall äußern. Der SC Paderborn habe "Evers einiges zu verdanken".
Wer sich von der Verhandlung vor dem Paderborner Amtsgericht Klarheit über das Ausmaß der Sponsorentätigkeit von Evers erhofft hatte, wurde enttäuscht. Evers sei "kein Großsponsor", betonte der Aufsichtsratsvorsitzender Elmar Volkmann im Zeugenstand. Die Bezeichnung "Großsponsor" beginne aus seiner Sicht bei etwa 300.000 Euro, sagte Volkmann. Wie viel Geld Evers dem SC Paderborn insgesamt zukommen lasse, wisse er nicht. Evers habe dem Verein mehrere Darlehen zur Verfügung gestellt, so Volkmann. "Diese Darlehen habe ich über Kredite finanziert", betonte Evers und überreichte dem Gericht mehrere Dokumente. Außerdem habe er sich das Logo des SC Paderborn "exklusiv für drei Jahre" zur Vermarktung gesichert, dafür zahle er dem Verein Lizenzgebühren in Höhe von 110.000 Euro.
Auch an jenem 6. Mai, als die Bielefelder Steuerfahndung eine Razzia beim SC Paderborn durchführte, sei er "mal wieder auf dem Weg zu Bankengesprächen gewesen, um die Liquidität des Vereines zu sichern", erklärte Evers vor Gericht. Dass er zu seinen finanziellen Verhältnissen keine Angaben machen möchte, begründete er mit einem "Ehrenwort", das er seiner Familie nach einem länger zurückliegenden Entführungsfall gegeben habe. "Durch Beteiligung der Staatsanwaltschaft" sei der Entführer damals nicht gefasst worden, sagte Evers.
Ermittlungen dauern noch
Es bleibt abzuwarten, ob Evers wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt wird. Geduld müssen auch der geschäftsführende Vizepräsident Martin Hornberger und der ehemalige SC-Geschäftsführer Michael Born aufbringen. Gegen sie laufen Ermittlungen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit VIP-Karten. Nach vorläufiger Einschätzung in Fahnderkreisen werden sich diese Ermittlungen noch "mindestens bis Mitte 2010 hinziehen". Allerdings hätten sich einige VIP-Karten-Besitzer bereits "reumütig gezeigt" und entsprechende Erklärungen abgegeben. Andere Beschuldigte hingegen seien nach wie vor der Meinung, sie hätten die VIP-Karten steuerlich korrekt behandelt. Hier müssen eines Tages vielleicht die Finanzgerichte entscheiden.
Der Prozess gegen Peter Evers vor dem Amtsgericht Paderborn wird am 8. Dezember fortgesetzt.