Paderborn. Heute schreibt die Klasse 8D am Gymnasium Schloß Neuhaus eine Mathearbeit. Ohne Lehrerin. Der Leistungskurs Informatik der Jahrgangsstufe 13 bereitet sich außerdem auf seine Abiturprüfung vor. Ohne Lehrerin. Dafür gibt es einen guten Grund. Eva Nicolin-Sroka ist in Berlin. Dort überreicht ihr Bundespräsident Horst Köhler den Deutschen Lehrerpreis.
"Mit sowas habe ich überhaupt nicht gerechnet", sagt die 55-Jährige und wirkt etwas peinlich berührt. Nach ihrem Selbstverständnis ist sie Teil des engagierten Kollegiums ihrer Schule – und eine Lehrerin, die sich gerne für ihre Schüler einsetzt. Nach dem Verständnis der elfköpfigen Jury ist sie eine von 21 verdienten Preisträgern.
Diese verdanken die Nominierungen allesamt ihren Schülern, wie Nicolin-Sroka erklärt. "Ich weiß nicht mal ganz genau, von wem ich vorgeschlagen wurde", sagt sie. "Es müssen Schüler aus meinem ehemaligen Abiturjahrgangs sein." Die bescheinigten der Pädagogin nicht nur ein überdurchschnittliches Maß an Engagiertheit und Hilfsbereitschaft, sondern lobten auch Nicolin-Srokas starkes Interesse an Schülerprojekten und Kooperationen mit lokalen Firmen und ’Bildungsinstitutionen.
Kontaktpflege mit Unternehmen
"Das hat sich langsam entwickelt", erklärt die in Hövelhof wohnende Mathe-, Informatik- und Erdkunde- Lehrerin bescheiden. Sie kam 1988 an das Gymnasium Schloß Neuhaus, nachdem sie im Anschluss an ihr zweites Staatsexamen etwa fünf Jahre lang im Hochschulrechenzentrum der RWTH Aachen gearbeitet hatte. "Ich habe halt den richtigen Background", sagt sie kurz. Mit diesem Background übernahm sie schnell die Betreuung der Schulpartnerschaft mit der Firma Siemens und knüpfte in den Folgejahren zahlreiche Kontakte zu Unternehmen in der Region, darunter Wincor-Nixdorf, Team oder S&N. Nicolin-Sroka: "Der Rest hat sich dann einfach so entwickelt."
Hinter der Floskel "einfach so" verbirgt sich harte Arbeit. Neben ihrem Unterricht ist sie an vielen Schulprojekten, Gruppenarbeiten und Veranstaltungen zum Teil federführend beteiligt, aber auch immer um Praxiserfahrungen für ihre Schüler bemüht. Für die Studienfahrt ihres Informatik-Leistungskurses nach Barcelona organisierte sie zum Beispiel den Besuch der dortigen Benteler-Niederlassung und die anderer Firmen. Wer Nicolin-Sroka nach der Notwendigkeit solcher Kontakte oder Projekte fragt, spürt, woher die zierliche Frau die nötige Energie schöpft: aus ihrer tiefsten Überzeugung: "Ich will, dass meine Schüler möglichst viele Perspektiven kennen lernen, bevor sie die Schule verlassen."
Heute lernt das Jurymitglied des hauseigenen Schülerpreises "GSN Award" selbst eine neue Perspektive kennen. "Sonst müssen immer die prämierten Schüler auf die Bühne", sagt sie. "Jetzt bin ich in dieser Situation. Genau genommen ist das natürlich eine große Ehre und etwas sehr Schönes."
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