Paderborn (JS). Wenn Donnerstagvormittag Präsidium und Aufsichtsrat des SC Paderborn zusammenkommen, wird der Name Peter Evers wohl sehr häufig fallen. Nicht nur weil der Erwitter, wie die Neue Westfälische exklusiv berichtete, in seiner Position als Vizepräsident zur Diskussion, gar zur Absetzung ansteht.
Der 44-Jährige präsentierte sich nämlich jüngst in den Medien als Retter des Vereins, der nur dank persönlichen Engagements das finanzielle Aus für die Kicker abwenden konnte. Am Donnerstagvormittag lud der Verein für 15 Uhr zu einer Pressekonferenz ein.
Als er Ende April dieses Jahres nach dem Rücktritt von Wilfried Finke das Präsidentenamt im SC Paderborn übernahm, seien die Kassen leer gewesen. Die Banken hätten alle Kredite fällig stellen wollen und ihm geraten, für den Verein die Insolvenz zu beantragen, so Peter Evers. Nur weil er sich mit seinem Privatvermögen engagiert hätte, indem er sein eigenes Haus mit einer Grundschuld belastete und Bürgschaften übernahm, hätte die Pleite noch abgewendet werden können.
Gerüchte um Evers' Privatschatulle
Außerdem will der Spross einer Erwitter Zementdynastie den Kickern vom SCP Aufenthalte im Trainingslager Klosterpforte wie auch die gesamten Übernachtungskosten bei den letzten Auswärtsspielen aus seiner Privatschatulle bezahlt haben. Der im Juni erfolgte (Wieder-)Aufstieg in die Zweite Bundesliga sei Rettung in höchster Not gewesen, denn ein weiteres Jahr in der Dritten Liga hätte es laut Evers nicht gegeben. Dann wäre der SCP bis in die Westfalenliga durchgereicht worden.
Von einem solchen Szenario war vor just einer Woche auf der Mitgliederversammlung keine Rede. Zwar musste der Aufsichtsratsvorsitzende Elmar Volkmann bekunden, dass die Lage des Vereins alles andere als rosig sei mit immerhin 3,37 Millionen Euro Schulden, doch er gab sich auch hoffnungsvoll, die laufende Saison ohne Verluste zu überstehen. Für die kommenden zwei Spielzeiten stellte Volkmann sogar jeweils 700.000 Euro als Plus in Aussicht.
Von einer Insolvenz, die im Frühjahr dieses Jahres gedroht haben soll, also kein Wort. Dafür herrschte aber Zufriedenheit, dass man innerhalb von einem Jahr den Wiederaufstieg feiern durfte und damit die eigenen, auf zwei Jahre ausgerichteten, Planungen überflügelte.
Inwieweit Evers’ Berichte über die finanzielle Situation des SC Paderborn der Wahrheit entsprechen, war gestern nicht zu ermitteln. Niemand aus der Führungsriege werde sich momentan zu diesem Thema äußern, sagte Pressesprecher Matthias Hack.
Erst nach der Sitzung von Aufsichtsrat und Präsidium am heutigen Donnerstag sei mit Verlautbarungen zu rechnen.
ZWISCHENRUF: Klartext reden
Geld ist ein Thema, über das viele Menschen nicht gerne sprechen. Die Verantwortlichen des SC Paderborn sollten nun in dieser Hinsicht ihre Schamhaftigkeit fallen lassen und Klartext reden, wie es um den Verein finanziell bestellt war, als im Frühjahr Wilfried Finke zurücktrat, und ob tatsächlich Peter Evers die (monetäre) Rettung des Vereins zu verdanken ist. Denn Offenheit und Ehrlichkeit sind sie vor allem ihren Mitgliedern und Fans, die jetzt mit gestiegenen Mitgliedsbeiträgen und Eintrittpreisen nicht unerheblich zur Kasse gebeten werden sollen, schuldig.
jutta.steinmetz@ihr-kommentar.de
Peter Evers 4 President! Peter Evers, Rächer der Unterdrückten! Peter Evers, unser Held! #Ironie aus