Wilfried Finke dementiert die Aussagen des zurückgetretenen Peter Evers zur Finanzlage des Vereins
Paderborn. Am 25. November 2008 hatte Peter Evers das Amt des Vizepräsidenten beim SC Paderborn 07 übernommen. Gestern gab er es wieder ab. Nach einer gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Aufsichtsrat erklärte der 44-jährige Erwitter seinen Rücktritt. Evers bleibt dem Fußball-Zweitligisten aber als Sponsor, Betreiber des Fanshops an der Energieteam-Arena sowie als Gesellschafter der Paderborner Stadion-Gesellschaft erhalten.
Seine Zeit als Vize ist dagegen vorbei. Mit seinem Rücktritt wolle er Schaden vom Verein fernhalten. "Ohnehin habe ich mich in diesem repräsentativen Amt zuletzt nicht wirklich wohl gefühlt", betonte Evers in der offiziellen Presseerklärung des SC Paderborn. Für weitere Stellungnahmen war der scheidende Vizepräsident gestern nicht zu erreichen. Dafür redete SCP-Präsident Wilfried Finke Klartext.
Im Namen von Vorstand und Aufsichtsrat distanzierte er sich von den Vorwürfen, die Evers der Paderborner Staatsanwaltschaft gemacht hatte. Zudem dementierte Finke die Aussagen des Erwitters zur Finanzlage des Vereins. So hatte Evers behauptet, dass der SCP im vergangenen Frühjahr vor der Insolvenz gestanden habe. Und letztlich habe er den Verein durch seinen persönlichen finanziellen Einsatz vor der Pleite bewahrt.
"Das ist alles absoluter Quatsch", bekräftigte Finke. Eine Insolvenz habe zu keinem Zeitpunkt gedroht. Einige Banken seien lediglich kurzzeitig nervös geworden, nachdem er Ende April als SCP-Präsident zurückgetreten war. "Sie hatten wohl befürchtet, dass ich mich auch als Sponsor zurückziehe. Aber die Irritationen waren innerhalb von Stunden beseitigt, indem ich meinen Sponsorenvertrag um drei Jahre verlängerte", erklärte Finke. Die letzten Bedenken der Banken seien durch die Aufstockung des Eigenkapital-Anteils an der Stadiongesellschaft um eine Million Euro beseitigt worden. "Davon wurden 700.000 Euro durch das Unternehmen Finke aufgebracht", betonte der SCP-Präsident, der zudem noch einmal auf das neue SCP-Finanzkonzept einging.
So soll der Verein, der derzeit mit 3,37 Millionen Euro in der Kreide steht, bis 2013 schuldenfrei sein. Die eine Million Euro Verbindlichkeiten gegenüber der Stadiongesellschaft nimmt Finke dabei aus. "Denn das ist quasi eine innerfamiliäre Angelegenheit", sagte der SCP-Chef und fügte an: "Wir sind jedenfalls alles andere als ein fußkranker Verein, der vor der Pleite steht." Die Äußerungen über die Vereinsfinanzen seien aber nur einer von mehreren Gründen für den Evers-Rücktritt gewesen. "Peter Evers hat die Trennung zwischen Privatperson und Vizepräsident nicht eindeutig hinbekommen", moniert Finke. "Wir haben als Funktionsträger nun einmal auch eine Vorbildfunktion inne. Und so werden unsere Worte auch stets als Aussage eines Führungsmitgliedes des Vereines gewertet", sagte der SCP-Präsident und erklärte zusammenfassend: "Letztlich hat bei Herrn Evers die Gesamt-Gemengelage den Ausschlag gegeben. Es war in der Gänze einfach ein bisschen zu viel."
Zugleich wünschte Finke seinem ehemaligen Vize viel Glück für den kommenden Dienstag. Dann muss sich Peter Evers erneut vor dem Paderborner Amtsgericht verantworten, wenn die Fortsetzung eines Prozesses ansteht. Evers wird Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. "Ich wünsche ihm, dass er freigesprochen wird", betonte der SCP-Präsident, "und ich bin schon jetzt gespannt, wie sich der Dienstag gestaltet."